Gesellschaft
Ausbau in Wolhusen, Luzern und Sursee

Spitäler schlagen Alarm: So wollen sie die Triage hinauszögern

Der Kanton Luzern hat heute an einer Medienkonferenz darüber informiert, wie er sich auf die Triage vorbereitet. (Bild: ewi)

Die Luzerner Regierung will den Moment, in welchem harte Triage-Entscheide getroffen werden müssen, so weit wie möglich hinauszögern. Sie baut deshalb Kapazitäten in den Spitälern Wolhusen und Luzern aus.

Triage heisst: Ärztinnen müssen wegen fehlender Kapazitäten entscheiden, welcher Patient weiterhin intensivmedizinisch behandelt wird – und welcher nicht. Ein Horrorszenario, das in Luzern über Jahrzehnte undenkbar gewesen ist. Doch nun bereiten sich die Spitäler genau darauf vor (zentralplus berichtete).

«Die Intensivpflege-Kapazitäten werden zusehends knapp und die Verlegungsmöglichkeiten zwischen den Spitälern – auch über den Raum Zentralschweiz hinaus – sind weitgehend ausgeschöpft», heisst es in einer Medienmitteilung. Der Kanton Luzern trifft nun mehrere Massnahmen, um die Kapazitäten so hoch wie möglich zu halten und damit den Zeitpunkt von Triage-Entscheiden so weit wie möglich hinauszuzögern.

Mehr Covid-Patienten in Wolhusen

Am Standort Wolhusen werden nun zusätzliche Kapazitäten für Covid-Patientinnen, die keine intensivmedizinische Behandlung brauchen, geschaffen. Der Standort Luzern hat seine OP-Kapazität bereits um 30 Prozent reduziert, um eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Jetzt wird die Zahl der Intensivbetten von 24 auf 22 verringert. «Dies ermöglicht es, die Anzahl von Intensivbetten mit Beatmungskapazität, die für die Behandlung von Covid-19-Patienten besonders relevant sind und eine höhere Personaldichte benötigen, von 14 auf 16 zu erhöhen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Als Folgemassnahmen für den Fall einer Zuspitzung der Situation wird eine Konzentration der IPS-Kapazitäten der Luzerner Regionalspitäler am Standort Sursee vorbereitet. Die Massnahme hätte die Verschiebung von Personal zur Folge.

Unterstützung der Armee angefordert

Das Problem: «Wer aufgrund einer Covid-Infektion auf intensivmedizinische Behandlung angewiesen ist, bleibt in der Regel mehrere Wochen auf der Intensivstation», so Prof. Dr. med. Christoph Henzen, Leiter Zentrum Luzern und Leiter Pandemiestab des Luzerner Kantonsspitals (LUKS). Ein schwerer Covid-Verlauf benötige so viele Kapazitäten wie acht bis zehn Patienten nach einer Herz-Operation.

Befürchtet wird, dass im Januar vermehrt Mitarbeitende der Spitäler ausfallen, weil sie sich mit der Omikron-Variante anstecken. Aus diesem Grund haben die Spitäler Unterstützung durch Mitarbeitende der Armee und des Zivilschutzes angefordert, sodass sie auch im Falle einer weiteren Verschärfung handlungsfähig bleiben.

Impfstatus ist bei Triage nicht entscheidend

Gemäss Gesundheitsdirektor Guido Graf sei die Triage noch nicht da, es sei aber absehbar, dass sie nötig werde. «Es ist eher 5 nach 12 als fünf vor auf den Luzener Intensivstationen.» Andreas Fischer, Co-Leiter des Ethikforums des Luks, pflichtete ihm bei: «Die Triage ist die Ultima Ratio. Aber wir müssen uns auch im Kanton Luzern auf die Eventualität von harten Triage-Entscheiden vorbereiten – nicht nur in den Spitälern, sondern auch als Gesellschaft.»

Hierbei unterstützen die Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Diese sollen verhindern, dass es zu stillen Triage-Entscheiden kommt, die nicht als solche kommuniziert werden. Oberstes Gebot ist es, so viele Leben wie möglich zu reden. Weder die Erkrankungsart (Covid- oder Non-Covid) noch der Impfstatus dürfen dabei eine Rolle spielen.

Entscheidend sei die kurzfristige medizinische Prognose sowie die zu erwartende Behandlungsdauer. «Grade bei einem Covid-Patient, der vielleicht 20 Tage ein Intensivbett belegen würde, muss man sich überlegen, ob das gerechtfertigt ist.» Das Ethikforum biete einen 24-Stunden-Pikettservice, damit sich die Menschen, die diese Entscheide treffen müssen, jederzeit austauschen können.

«Auch wenn wir uns bestmöglich vorbereiten und sehr sorgsam vorgehen, handelt es sich im Einzelfall immer um sehr schwierige Entscheidungen für die Patienten und ihre Angehörigen – aber auch für das medizinische und pflegerische Personal», so Fischer.

Besuchsverbot an Luzerner Spitälern

Als zusätzliche Massnahme führen sowohl das Luzerner Kantonsspital wie auch die Hirslanden Klinik St. Anna per Mittwoch, 29. Dezember 2021 ein Besuchsverbot ein. Dieses gilt bis auf Weiteres. Ausnahmen sind in besonderen Patientensituationen möglich und gelten für:

  • Partner von gebärenden Frauen rund um die Geburt und im Wochenbett, 
  • nahe Angehörige bei sterbenden oder unterstützungsbedürftigen Menschen, 
  • eine Begleitperson bei ambulanten Patientinnen und Patienten, falls medizinisch notwendig, 
  • Kinderspital des LUKS: Eltern und Geschwister.

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