Südpol reagiert auf Vorfälle

So rüsten sich Luzerner Nachtclubs gegen Belästigung

Am vergangenen Wochenende kam es im Südpol zu zwei Vorfällen, in denen Personen belästigt wurden. (Bild: Symbolbild: Pim Myten/Unsplash)

Im Luzerner Nachtclub Südpol sind am letzten Wochenende zwei Clubbesucherinnen verbal und körperlich belästigt worden. Deswegen will das Kulturhaus die Schrauben anziehen.

Die Bässe wummerten 14 Stunden lang: Am vergangenen Wochenende stieg im Südpol Club in Luzern eine grosse Party.

Wer durchs Foyer den Club betritt, sieht an der Wand mit grossen Lettern geschrieben, dass es in diesem Club keinen Platz für Rassismus, Sexismus und Gewalt hat. Und dass man hier für einen friedlichen und respektvollen Umgang miteinander einsteht.

Am vergangenen Wochenende hielten sich jedoch nicht alle Feiernden daran. Im Südpol Club kam es zu zwei Vorfällen. «Menschen wurden belästigt, Menschen waren körperlich übergriffig, diskriminierend und beleidigend», schreibt der Südpol Mitte Woche in einem öffentlichen Statement auf den sozialen Medien. Das Kulturhaus findet klare Worte: «Für solche Menschen ist kein Platz im Südpol.»

So hat der Südpol Club Stellung auf Instagram genommen:

Vorfälle machen das Leitungsteam des Südpols wütend

Auf Anfrage äussert sich das Leitungsteam des Südpols zum Schutz der Betroffenen nicht weiter über die beiden Vorfälle. Das Team reagierte aber bestürzt, als es davon erfuhr. Es sei ein Schock für alle gewesen: «Der Südpol versteht sich als Ort, an dem die eigenen Grenzen akzeptiert und respektiert werden», so das Leitungsteam.

Ausgelöst haben die Vorfälle innerhalb des Teams «zuerst einmal eine grosse Betroffenheit, Mitgefühl mit den belästigten Personen und Wut, dass dies in unseren Räumen passiert ist.» Deswegen hat das Kulturhaus auch ein öffentliches Statement gepostet, «um klar und deutlich zu signalisieren»: Grenzüberschreitendes Verhalten wird im Südpol in keiner Form akzeptiert. In den letzten vier Jahren, seit das neue Team zusammenarbeitet, habe man von keinen vergleichbaren Fällen gehört. Doch längst nicht jeder abfällige Spruch oder Grapscher am Po wird gemeldet – das weiss man auch im Haus an der Arsenalstrasse in Kriens.

Südpol will weitere Massnahmen treffen

Das Statement der Buchstaben im Foyer hat offensichtlich nicht alle erreicht. Es braucht mehr. «Die Ereignisse haben in jedem Fall auch ein Hinterfragen der eigenen Abläufe und Prozesse ausgelöst. Wir haben hier noch Arbeit vor uns, die wir angehen werden», schreibt das Leitungsteam.

«Die Präsenz des Awareness-Teams schafft ein besseres Gefühl für Sicherheit.»

Mediensprecher Yannick Gauch über das Awareness-Team des Neubads

Zum einen will es sensibilisieren und informieren. Sowohl Team als auch Veranstaltungspartner und Sicherheitspersonal. Personen aus dem Team sollen hinsichtlich Awareness geschult werden – also in Bewusstsein und Achtsamkeit. Die Einlasspolitik soll überarbeitet werden und das Team soll das Awareness-Konzept gegenüber Besucherinnen und Veranstaltungspartner öffentlich kommunizieren. «Damit die Spielregeln für alle schon vor dem Clubbesuch klar sind», so das Leitungsteam. Zudem will es prüfen, ob ein spezielles Awareness-Team etabliert werden kann – ein solches kennt man bereits im Neubad.

Im Neubad gibt's seit zwei Jahren ein Awareness-Team

Vor zwei Jahren hat das Kulturhaus Neubad ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. Inhalt davon ist unter anderem auch Awareness. Das Ganze sollte auch als Sensibilisierungskampagne dienen. «Das Neubad ist ein sicherer Ort», hielt der damalige Geschäftsführer Dominic Chenaux gegenüber zentralplus fest. «Aber achtsamer könnten wir sein.»

Das Neubad zieht nach zwei Jahren eine gute Bilanz: «Mit einer proaktiven, aber deeskalierenden Vorgehensweise werden Konflikte und Situationen angegangen und gelöst», schreibt Mediensprecher Yannick Gauch auf Anfrage.

Teil des Konzepts ist auch ein Awareness-Team. Wer im Neubad an eine Party geht, dem werden beim Eingang die Verhaltensregeln erklärt. Das Awareness-Team wird aktiv, wenn es gerufen wird, spricht aber auch Besucherinnen an, wenn es das Gefühl hat, dass es einer Person nicht gut geht oder sich jemand unwohl fühlen könnte.

«Die Sensibilisierung wirkt sich positiv auf das Verhalten unserer Gäste und die gesamte Stimmung aus», ist Gauch überzeugt. «Zudem schafft die Präsenz des Awareness-Teams ein besseres Gefühl für Sicherheit.» Die Besucher seien Teil des Konzepts und handelten partizipativ mit. «So sieht das empfohlene Handeln vor, auf sich selbst und andere zu achten», sagt Gauch.

Sensibilisierung hat zugenommen – aber Handlungsbedarf besteht immer noch

In den letzten Jahren hat einiges an Sensibilisierung stattgefunden. Die #MeToo-Debatte hat auch vor dem Luzerner Nachtleben nicht Halt gemacht. Es wurde aufgeklärt, sensibilisiert – und Clubs haben sich vertieft mit dem Thema auseinandergesetzt. So ist «Luisa» in Luzern angekommen (zentralplus berichtete). Mit der Frage «Isch d'Luisa da?» können sich Clubbesucherinnen an der Bartheke melden. Dann weiss das Personal: Die Person fühlt sich belästigt, sie braucht Hilfe.

«Das Thema Awareness ist aus dem Nachtleben nicht mehr wegzudenken.»

Leitungsteam Südpol

Auch Gauch vom Neubad sagt: «Die Sensibilisierung ist gewachsen – doch das Thema ist nicht vom Tisch. Erst wenn sich alle Menschen, egal welchen Geschlechts, Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung im Ausgang und überall in unserer Gesellschaft gleichberechtigt und sicher fühlen, ist die Arbeit erledigt.»

Thema Awareness wird Nachtclubs noch länger auf Trab halten

Und das Leitungsteam des Südpols ergänzt: «Das Thema Awareness ist aus dem Nachtleben nicht mehr wegzudenken und trotzdem haben uns die Vorfälle vom Wochenende schmerzlich vor Augen geführt, dass es offenbar noch nicht bei allen Clubgängerinnen angekommen ist.»

Es gebe immer noch zu viele blinde Flecke, die man nur durch Rückmeldungen aufarbeiten könne. «Wir sind auf den Dialog und die Debatte angewiesen. Indem wir auf Fehlverhalten aufmerksam machen, mehr miteinander und über das Thema sprechen, können wir hoffentlich bewirken, dass Awareness im Bewusstsein der Menschen präsenter verankert ist und alle rücksichtsvoller und achtsamer miteinander sind.»

Das Thema wird sowohl den Südpol als auch das Neubad weiterhin beschäftigen – solange, bis auf den Tanzflächen nicht mehr an den Po gegrapscht und ein Nein oder die Grenzen eines anderen respektiert und niemand mehr diskriminiert wird. Auch in der Bar & Club Kommission Luzern, in der beide Kulturhäuser Mitglied sind, werde aktuell darüber diskutiert, inwiefern allgemeingültige Awareness-Grundsätze und -Konzepte für die Clubs und Bars in der Region Luzern entwickelt werden könnten.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit dem Leitungsteam des Südpol
  • Schriftlicher Austausch mit Yannick Gauch, Neubad
  • Instagram-Account vom Südpol
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