Plötzlich fasste er unter die Bettdecke

Sexuelle Belästigung: Spital-Mitarbeiter aus Zug verurteilt

Ein Fachmann Gesundheit hat eine Patientin intim berührt – obwohl sie das nicht wollte. (Bild: Adobe Stock)

Ein Fachmann Gesundheit am Zuger Kantonsspital hat sich einen groben Fauxpas geleistet. Er fasste einer Patientin in den Intimbereich, ohne dass sie das wollte. Sie zeigte ihn an.

Ein Match auf Tinder brachte die Sache ins Rollen. Ein Mann trifft auf der Dating-Plattform eine Frau an, die ihm gefällt. Sie ist auch von ihm angetan – und die beiden lernen sich kennen. Er arbeitet als Fachmann Gesundheit im Kanton Zug. Und siehe da: Sie liegt zu der Zeit gerade in einem der Krankenbetten.

Gegen Abend besucht er sie daher auf ihrem Zimmer. Die beiden unterhalten sich eine Weile. Dann macht er einen folgenschweren Fehler: Er geht zum Bett, hebt die Bettdecke an und fasst der Patientin in den Intimbereich. Über der Hose zwar – aber ihr ist es mehr als unangenehm.

Sie zeigt ihn an wegen sexueller Belästigung. Und die Staatsanwaltschaft verurteilt ihn. Er wird mit einer Busse von 300 Franken bestraft – zudem muss er 250 Franken Verfahrenskosten zahlen. Dies geht aus dem Strafbefehl hervor, der erst kürzlich rechtskräftig geworden ist.

Sexuelle Belästigung: Verurteilung führt in Zug zur Kündigung

Der Vorfall könnte für den Mann allerdings noch weitreichende Konsequenzen haben. Sexuelle Belästigung wird am Kantonsspital Zug nicht toleriert: «Erhalten wir Kenntnis von der rechtskräftigen Verurteilung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters wegen sexueller Belästigung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit, führt dies zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses», schreibt die Kommunikationsverantwortliche Sonja Metzger in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Spitalleitung setzt alles daran, solche Übergriffe zu verhindern. «Unsere Mitarbeitenden sind zum Umgang mit der Thematik ‹Nähe und Distanz› bei der beruflichen Tätigkeit geschult», so Metzger weiter. Neu eintretende Mitarbeitende müssen vor der Anstellung einen aktuellen Strafregisterauszug einreichen.

Gefahr ist im Gesundheitswesen hoch

Zudem gibt es eine Anlaufstelle, an die sich Mitarbeitende vertraulich wenden können, wenn sie den Verdacht haben, ein Arbeitskollege bzw. -kollegin überschreite Grenzen bei einer Patientin, einem Patienten. Entsprechende Meldungen würden sehr ernst genommen, versichert Metzger.

«Das Zuger Kantonsspital nimmt Anliegen und Beschwerden seiner Patientinnen und Patienten jederzeit entgegen. Das weitere Vorgehen wird individuell festgelegt», schreibt sie. Wer wegen sexueller Belästigung nicht weiterweiss, kann sich zudem an die Opferberatung Zug wenden. Dies ist kostenlos.

Fälle, in denen Mitarbeitende Patientinnen belästigen, sind glücklicherweise selten. Weitaus öfter kommt der umgekehrte Fall vor. Gemäss einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ist das Risiko, auf der Arbeit von Kunden sexuell belästigt zu werden, im Gesundheitswesen beträchtlich höher. Besonders viele Belästigungen passieren laut einem Leitfaden des Branchenverbands im Nachtdienst. Speziell in der Psychiatrie kommt verbale und körperliche Gewalt durch die Patienten immer wieder vor (zentralplus berichtete).

Wie ist dieser Artikel entstanden?

In der Schweiz gilt die Justizöffentlichkeit. Das heisst: Urteile sind grundsätzlich öffentlich und können von interessierten Personen und Journalistinnen eingesehen werden. Das gilt auch für rechtskräftige Strafbefehle wie denjenigen, dem dieser Bericht zugrunde liegt.

zentralplus sieht regelmässig jeden Monat Strafbefehle der Zuger Staatsanwaltschaft ein, um über deren Arbeit zu berichten und so Transparenz zu schaffen, wie die Justiz funktioniert. Als Medium sind wir dabei verpflichtet, die Personen so weit zu anonymisieren, dass die breite Öffentlichkeit keine Rückschlüsse ziehen kann, um wen es sich handelt. Weitere Artikel dieser Serie findest du hier.

Verwendete Quellen
  • Rechtskräftiger Strafbefehl
  • Leitfaden zum Schutz vor sexueller Belästigung für Pflegefachpersonen
  • Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG/Staatssekretariat für Wirtschaft SECO (2008b). Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Informationen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Bern: BBL, Vertrieb Bundespublikationen

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