Über Botox und Haartransplantationen in Luzern

Schönheits-OPs: Auch Männer wollen (noch) schöner werden

Um «frisch» im Gesicht auszusehen, greifen auch immer mehr Männer auf Botox-Behandlungen zurück.

Die Falten werden glattgebügelt, die Haare fülliger gemacht: Immer mehr Männer kreuzen beim Beauty-Doc auf, weil sie mit einem Schönheitseingriff liebäugeln. Doch was sind ihre Beweggründe – und wie will der Luzerner Mann aussehen?

Kanye West hat es getan. Sylvester Stallone. Oder Andy Wolf. Sie alle haben einen Schönheitseingriff hinter sich. West liess sich Fett absaugen, Stallone das Gesicht aufpolstern, der Luzerner Radiomoderator Wolf liess seine Achselschweissdrüsen veröden.

Schönheitseingriffe boomen. Und: Sie werden gerade auch bei Männern immer beliebter. Nach wie vor machen zwar Frauen den Löwenanteil aus. Unter zehn Menschen, die in der Schweiz zum Beauty-Doc gehen, befindet sich knapp ein Mann.

«Männer werden immer eitler»

zentralplus klopft an bei Luzerner Schönheitskliniken. Eine, die sich vor allem mit Brustvergrösserungen einen Namen gemacht hat, ist die Lucerne Clinic an der Seidenhofstrasse (zentralplus berichtete). Doch auch Männer suchen die Klinik häufiger auf. «Männer werden immer eitler und offener gegenüber ästhetischen Behandlungen», bestätigt Jürg Häcki, der Gründer der Lucerne Clinic.

Am Bauch und an den Flanken Fett abzusaugen oder sich die Augenoberlider oder -Unterlider zu straffen, sind beliebte Eingriffe. Stark ansteigen würden bei ihnen insbesondere Behandlungen gegen Achselschweiss. «Der Typ Mann mit Achselgeruch ist heutzutage nicht mehr so ‹in› wie früher», so Häcki.

Eingefrorenes Botox-Gesicht? Lieber nicht

Auch am Luzerner Mühlenplatz gibt es eine Schönheitsklinik. «Beauty2Go» führt schweizweit sechs Standorte, einen davon in Luzern. Laut Gründerin und Geschäftsführerin Alexandra Lüönd konzentrieren sich Männer vor allem auf das obere Gesichtsdrittel. Will heissen: Botox gegen Krähenfüsse und Zornes- und Stirnfalten sowie Hyaluron gegen Augenringe.

«Männern ist besonders wichtig, dass sie nicht wie glattgebügelt aussehen – also kein Frozen Face! –, sondern einfach dynamischer und frischer.»

Alexandra Lüönd, Beauty2Go

Männer wünschen sich durch Behandlungen mit Botox zwar «die Zeichen des Alters zu verstecken», aber nur so, dass das Gesicht auch noch Mimik zulässt. Lüönd sagt weiter: «Ihnen ist besonders wichtig, dass sie nicht wie glattgebügelt aussehen – also kein Frozen Face! –, sondern einfach dynamischer und frischer.» Das heisst: So natürlich wie möglich, «dass es ja keiner merkt».

Viele der Männer, die einmal eine Botox-Behandlung gemacht haben, würden dies in regelmässigen Abständen wieder tun. Wesentlich «experimentierfreudiger» seien die Männer in Zürich. Diese heben gerne punktuell Gesichtsbereiche hervor – wie etwa das Kinn. So wird beim «Jawline Contouring» etwa die Kinnlinie (englisch «Jawline») mit Hyaluronsäure unterspritzt, um sie zu betonen und zu begradigen. Das soll markanter und eben «männlicher» wirken.

Alexandra Lüönd hat gemeinsam mit ihrem Bruder Patrick die Schönheitsklinik Beauty2Go gegründet. (Bild: Beauty2Go)

Haartransplantationen sind hoch im Kurs

Hoch im Kurs sind bei Männern auch Haartransplantationen. Kein Wunder boomen diese: Gut 8 von 10 Männern sind im Laufe ihres Lebens von Haarausfall betroffen. Heute soll jeder dritte 30-jährige Mann mindestens eine Halbglatze haben.

Marco (36) aus Luzern hat sich vor gut einem Jahr für eine Haartransplantation entschieden. Bei ihm war es ein langer Prozess, bis es so weit war. Schon Mitte 20 fing es bei ihm mit dem Haarausfall an. «Mit 30 Jahren hatte ich schon fast eine Vollglatze», erzählt er am Telefon. «Riesig gestört hat es mich nie.» Stattdessen habe er begonnen, seine Haare einfach abzuscheren und sich damit abzufinden.

«Geschämt habe ich mich wegen der Beinahe-Vollglatze nie. Ich habe mich damit abgefunden, es akzeptiert.» Doch wenn er vor dem Spiegel stand, kam der Gedanke immer wieder: Es wäre schön, wenn er jetzt noch ein paar Haare hätte, mit denen er eine Frisur machen könnte.

«Auch wenn mich die Glatze nur ein wenig stört, so stört sie mich doch immer wieder.»

Marco (36)

Schliesslich kam das Thema bei einem Feierabendbier mit Freunden auf den Tisch. «Mein Kollege meinte, er hätte lieber so abgeschorene Haare wie ich. Ich erwiderte: Und ich hätte lieber deine Haare.» Schliesslich sei ihm klar geworden: «Auch wenn mich die Glatze nur ein wenig stört, so stört sie mich doch immer wieder. Auf 20 Jahre hochgerechnet summiert sich auch das.» Von Aussen her habe er aber nie den Druck verspürt, dass sein Haarausfall komisch oder unattraktiv sei.

Aber wenn es Möglichkeiten gibt, warum sollte man sie nicht nutzen?, fragte sich Marco. Zumal der Eingriff zahlbarer geworden sei als noch vor Jahren – und er durch Corona genügend Zeit hatte. Etwa eineinhalb Monate nach dem Gespräch mit seinen Kumpels wurden Marco rund 3000 Haarwurzeln, sogenannte Grafts, am Hinterkopf entnommen. Diese wurden dann an kahl werdenden Stellen wieder eingesetzt. Den Eingriff bereut er überhaupt nicht. «Ich bin sehr zufrieden – und würde es wieder machen.»

Nach Beauty-OP: Gibts immer mehr entdeckte Makel?

Denis (31) aus Luzern hat sich gleich mehreren Schönheitseingriffen unterzogen: Zweimal eine Haartransplantation, vor vier Monaten eine Botox-Behandlung, bei der er sich seine Zornesfalte im Gesicht wegbügeln liess. «Die Falte gefiel mir einfach nicht. Ich wirkte viel zu ernst. Und ich fühle mich auch nicht wie 31 Jahre alt», sagt Denis und lacht.

Der Termin beim Beauty-Doc sei eher ein «Momententscheid» gewesen. «Die Zornesfalte ist mir vom einen auf den anderen Tag aufgefallen.» Drei Tage später hatte er seinen Termin für die Botox-Behandlung.

«Das erste Resultat war gut – doch es ging noch besser. Für mich war das wie ein Befreiungsschlag.»

Denis (31)

Wesentlich länger litt er an seinem Haarausfall, der vor über zehn Jahren allmählich begonnen hat. «Ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl in meiner Haut und wurde unsicher. Auch zum Stylen war es schwierig.» Da es ihn mental belastete, liess er sich mit etwa 27 Jahren die Geheimratsecken auffüllen. Ein Jahr später folgte die zweite Haartransplantation, bei der sich Denis die Haare auffüllte. «Das erste Resultat war gut – doch es ging noch besser. Für mich war das wie ein Befreiungsschlag.»

Bereits liebäugelt Denis mit dem nächsten Beauty-Eingriff: eine markantere Kinnlinie. Entdeckt er nun immer einen neuen Makel an sich? Denis überlegt lange. «Ich nenns optimieren. Mir ist es aber wichtig, immer natürlich auszusehen, meine Mimik nicht zu verlieren und nicht wie eine entstellte Wachsfigur auszusehen.»

Er wolle sich in seiner Haut wohlfühlen. Älter auszusehen, damit hat er mühe. «Ich lebe nach dem Credo: Ich bin so alt, wie ich mich fühle. Wieso sollte man in Würde altern? Das ist Quatsch, schliesslich gibt es heute ja viel mehr Möglichkeiten als früher.»

Seiner Meinung nach solle die Gesellschaft Schönheitseingriffe noch viel stärker enttabuisieren. Gerade bei Männern. «Wir sollten aufhören zu sagen, dass Männer sich so akzeptieren müssen, wie sie sind. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man mit einer Körperstelle hadert – und daran etwas ändern lässt.»

Im Zeichen der Selbstoptimierung

Erfolgreicher, schöner, effizienter: Das 21. Jahrhundert steht ganz im Zeichen der Selbstoptimierung. «Gerade berufstätige und erfolgreiche Männer über 30 haben immer mehr erkannt, wie wichtig da auch die Optimierung vom eigenen Aussehen ist», so Alexandra Lüönd.

Das Ganze kann man auch kritisch beleuchten: Die Gesellschaft übe Druck auf Frauen und Männer aus, immer schöner sein zu wollen. Wer schön ist, findet eher eine Partnerin oder einen Job – so die Meinung, die auch Studien bestätigen (zentralplus berichtete).

Schönheitskliniken wittern darin ein Geschäft. Markus Theunert von Männer.ch, der als Fachmann für Männerfragen immer wieder in den Medien ist, sagte etwa gegenüber «SRF Impact», dass mit einem «unguten Gefühl» bei Männern gespielt werde. «Der Mann wird entdeckt als Objekt, dem man Kosmetika und auch teure Schönheitsoperationen andrehen kann.» Dies, indem man ihm ein Gefühl von Ungenügen vermittle. Ein Gefühl, dass man nicht okay sei, so wie man ist.

«Jeder Mann soll entscheiden, was ihm gut tut und dazu verhilft, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen.»

Jürg Häcki, Lucerne Clinic

Die Schönheitskliniken sehen das wesentlich gelassener. Alexandra Lüönd von Beauty2Go sagt: «Das Gefühl vom Ungenügen oder der Unzufriedenheit wird ja nicht dadurch verursacht, dass Schönheitsbehandlungen angeboten werden – den Wunsch vom besseren Aussehen gab es ja schon davor, auch noch stärker bei Frauen.» Als Klinik würden sie «dieser Unzufriedenheit entgegenwirken».

Jürg Häcki von der Lucerne Clinic ergänzt: «Jeder Mann soll entscheiden, was ihm gut tut und dazu verhilft, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Jürg Häcki von der Lucerne Clinic
  • Schriftlicher Austausch mit Alexandra Lüönd von der Beauty2Go-Klinik
  • Telefonat mit Denis
  • Telefonat mit Marco
  • Beitrag von «SRF Impact»
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