Gesellschaft

Wo das Zuger Amtsblatt kurz zweisprachig wird
Pilze auf italienische Art

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Der Hallimasch ist besonders bei Italienern beliebt. (Bild: zvg)

Blättert man derzeit durchs Zuger Amtsblatt fällt zwischen den deutschsprachigen Anzeigen eine einzelne italienische auf. «Controllo dei funghi» steht in dicken Lettern. Es ist ein Stück Geschichte, das sich im Amtsblatt festgesetzt hat. 

Der Herbst ist die Zeit der Pilze. Da erstaunt es kaum, dass die Bevölkerung im Zuger Amtsblatt dazu aufgefordert wird, gesammelte Pilze bei der Pilzkontrolle zu zeigen. Der Text steht jedoch nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Italienisch. Susanne Pfenninger von der Lebensmittelkontrolle Zug erklärt: «Dass der Hinweis auch auf italienisch abgedruckt ist, hat historische Gründe. Es handelt sich wohl um ein Überbleibsel aus der Zeit, als es italienische Gastarbeiter in der Schweiz gab.»

Pilze als Nahrungsmittel in prekären Zeiten

Ruth Bucher-Lorenzi, Präsidentin des Pilzvereins Zug, ergänzt: «Viele Italiener kamen in schwierigen Zeiten in die Schweiz. Es liegt daher nahe, dass sie viele Pilze gesammelt und gegessen haben, denn Pilze gibt es überall zuhauf.» Selbst weniger bekömmliche Pilze seien manchmal verzehrt worden. Diese prekären Zeiten sind heute vorbei. Auch ist die Ära der italienischen Gastarbeiter mittlerweile Geschichte. Susanne Pfenninger von der Lebensmittelkontrolle Zug sagt deshalb: «Man könnte den italienischen Text heute wohl weglassen.» Insbesondere auch deshalb, weil die Zahl der Italienischsprechenden, die das Amtsblatt lesen, doch eher gering sein dürfte. «Man sollte tatsächlich prüfen, ob der Eintrag noch Sinn macht», so Pfenninger weiter.

Mehr Italiener als Ex-Jugoslawen kommen zur Pilzkontrolle

Das Flair fürs Pilzsammeln scheint den Italienern jedoch auch in besseren Zeiten nicht abhanden gekommen zu sein. Mittlerweile gibt es ganze Carreisen in die Schweiz, wo Südeuropäer unter anderem nach Steinpilzen suchen.

Auch in Zug fallen die Italiener auf. Dies laut dem Pilzkontrolleur Marcel Buchmann deshalb, «weil die Italiener bei uns gerne Pilze sammeln, die wir weniger essen. So etwa den Nebelgrauen Trichterling oder den Hallimasch, der an morschem Holz wächst.» Diese Pilze seien beispielsweise fürs Risotto geeignet. Im Gegensatz zu den Italienern kämen laut Buchmann nur wenige Ex-Jugoslawen zur Pilzkontrolle. Auch seien englisch sprechende Pilzsammler eher selten.

Das Interesse am «Pilzlen» ist gross

In Zug fand vor zwei Wochen ein erster Pilzbestimmungsanlass statt – und stiess auf grosses Interesse. Dass im Moment das Interesse am Pilzsammeln generell gross ist, bestätigt die Präsidentin des Zuger Pilzvereins, Ruth Bucher-Lorenzi. «Dieses Jahr haben wir sehr viele neue Mitglieder, auch viele Junge sind darunter. Wir wissen jedoch nicht, ob das daran liegt, dass Pilzlen generell im Trend liegt, dass sich unsere Kommunikationsbemühungen auszahlen oder dass uns die vielen Pilze dieses Jahr mehr Mitglieder beschert haben.»

Dina Mazzoleni von der lokalen Pilzkontrolle bestätigt, dass dieses Jahr für Pilzsucher, verglichen mit den letzten zwei bis drei Jahren, bis jetzt ein gutes sei. Das spüren auch die Pilzkontrolleure, die manche Schichten in Doppelbesetzung durchführen.

«Zwischen Eierschwämmen und Steinpilzen entdeckte ich ein kleines Stückchen eines hochgiftigen Knollenblätterpilzes – und warf den ganzen Korb weg.»

Marcel Buchmann, Pilzkontrolleur aus Zug

Dass man sich genügend Zeit nimmt für jede einzelne Kontrolle ist essenziell. Pilzkontrolleur Marcel Buchmann bestätigt: «Gerade letzte Woche hatte ich einen Fall. Jemand kam mit einem Korb voller Pilze bei uns an, die Pilze lagen wild durcheinander darin. Das ist für uns sehr mühsam und dauert viel länger als wenn sie schön nach Sorte aufgeteilt sind. Zwischen den Eierschwämmen und den Steinpilzen entdeckte ich ein kleines Stückchen eines hochgiftigen Knollenblätterpilzes.» Buchmann hat daraufhin kurzen Prozess gemacht. «Ich kippte den ganzen Korb weg, worauf der Mann fast einen Aufstand gemacht hat. Doch nur so lernt er, sorgfältiger mit den Pilzen umzugehen.» Und auch für den Pilzkontrolleur selber habe diese rigorose Methode einen Vorteil: «Das ist die einzig sichere Lösung. So muss ich mir kein Gewissen machen und  kann nachts ruhig schlafen.»

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