Gesellschaft
Protest gegen «Verschwörungsideologien»

Neues Zuger Komitee «hält Abstand» von Corona-Kundgebungen

SP-Gemeinderat Jérôme Peter will den Corona-Kundgebungen in Zug nicht mehr länger tatenlos zusehen. (Bild: Andreas Busslinger)

Auf dem Zuger Stierenmarkt ist am Samstag eine grosse Corona-Demonstration geplant, zu der rund 3’000 Teilnehmerinnen erwartet werden. Ein neu gegründetes Zuger Komitee will dem nicht tatenlos zusehen. Die Gründer verstehen sich als «Stimme der leisen Mehrheit».

Chemtrails, 5G, neue Weltordnung: Auf dem Programm der Kundgebung am Samstag auf dem Stierenmarkt in Zug stehen so ziemlich alle Themen, die gemeinhin unter dem Begriff «Verschwörungstheorien» laufen. Organisator der Kundgebung ist der Verein Corona-Rebels, erwartet werden bis zu 3’000 Teilnehmer. Obwohl auch Konzerte angekündigt sind, gilt für die Demonstration weder eine Zertifikats- noch eine Maskenpflicht.

Nun formiert sich lediglich einen Tag vor dem Anlass eine Gegenbewegung in Zug, die dieser Kundgebung nicht tatenlos zusehen will. Das neu gegründete Komitee «Zug hält Abstand» versteht sich als Gegenstimme zur Demonstration der «Verschwörungstheoretiker» auf dem Stierenmarkt. Das Komitee besteht aus Politikern der Jungen Alternative Zug, Juso Zug, Alternative – die Grünen Zug sowie Freundinnen aus dem Umfeld dieser Personen.

«Wir wollen der leisen Mehrheit eine Stimme geben. Eine Stimme, die wissenschaftliche Fakten als wichtig erachtet.»

Jérôme Peter, Gründungsmitglied Komitee «Zug hält Abstand»

Jérôme Peter, SP-Gemeinderat in Zug, ist Gründungsmitglied des Komitees. Er sagt auf Anfrage von zentralplus: «Am Samstag kommen in Zug viele Bewegungen zusammen, die wissenschaftsfeindliche Verschwörungsideologien an eine breite Bevölkerung richten. Wir können dem nicht länger zusehen.» Zumal die am Samstag in Zug vertretenen Bewegungen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung repräsentieren würden, während die Meinungen einer grossen Mehrheit kaum gehört werden: «Wir wollen der leisen Mehrheit eine Stimme geben. Eine Stimme, die wissenschaftliche Fakten als wichtig erachtet», erklärt Peter das Ziel des Komitees.

Radikalisierung der Proteste war ausschlaggebend

Ausschlaggebend für die Gründung des Komitees war nicht nur die Corona-Demonstration am Samstag in Zug, sondern die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Wochen. So beobachtet Peter eine Radikalisierung innerhalb gewisser Kreise der Massnahmengegner. Diese habe nicht zuletzt in der Corona-Demonstration in Bern vor zwei Wochen gegipfelt, die von einigen Medien auch als «Sturm aufs Bundeshaus» betitelt wurde.

Das Problem dieser radikalen Massnahmengegner sei gemäss Peter, dass diese sehr laut sind, obwohl sie nur eine gesellschaftliche Minderheit vertreten würden. Der SP-Gemeinderat führt aus: «Die vergangenen Kundgebungen der Massnahmengegner und Corona-Skeptikerinnen waren sehr laut und lösten grosses mediales Interesse aus. Wir wollen, dass die leise Mehrheit auch öffentlich sichtbar ist.»

Keine Zeit für Gegendemo

Eigentlich dachten die Gründer des Komitees «Zug hält Abstand» zuerst an eine Gegendemo für Samstag. Allerdings haben sie erst am vergangenen Dienstag von der Kundgebung auf dem Stierenmarkt erfahren. Darum sei die Zeit zu knapp gewesen, um eine gut organisierte und vor allem bewilligte Gegendemonstration auf die Beine zu stellen. Und eine Demo ohne Bewilligung wäre angesichts der demokratischen Gesinnung des Komitees kontraproduktiv gewesen, erklärt Peter.

Hier auf dem Stierenmarkt in Zug findet die bewilligte Corona-Kundgebung statt. (Bild: Andreas Busslinger)

Für die Kundgebung auf dem Stierenmarkt fordern Peter und sein Komitee nun von den Zuger Behörden, dass diese strafbares Verhalten der Demonstrantinnen, beispielsweise rassistische und antisemitische Äusserungen, konsequent zur Anzeige bringen werden. Dies aufgrund der Erfahrung, dass an solchen Demonstrationen teilweise auch Anhänger von rechtsextremen Gruppierungen anwesend sind. Zudem sollen für zukünftige Veranstaltungen dieser Art eine Maskenpflicht sowie die 3G-Regeln gelten.

Komitee plant künftige Gegenproteste

Gleichzeitig kündigt der Zuger Politiker für die Zukunft bereits mögliche Gegendemonstrationen an: «Zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass man diese gefährlichen Verschwörungsideologien nicht unwidersprochen zulässt. Dazu gehören dementsprechend auch Gegenproteste. Aufgrund der knappen Zeit verzichteten wir diesmal auf eine physische Aktion und konzentrieren unsere Kräfte auf künftige Aktionen.»

Somit ist klar, dass das Zuger Komitee in Zukunft auch mit physischen Kundgebungen in Erscheinung treten will, um die Stimme der leisen Mehrheit zu vertreten. Dies bezieht sich primär auf die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie sowie auf die damit verbundene Kritik der Massnahmen: «Wir wollen mit unserem Komitee sicher während dieser Pandemie aktiv sein und in naher Zukunft auch eigene Kundgebungen organisieren», sagt Peter.

Doch ist auch längerfristig mit dem Komitee als politischer Akteur in Zug zu rechnen? Etwas unerwartet sagt Peter, dass dies eigentlich nicht der Anspruch des Komitees sei. Schmunzelnd fügt er an: «Hoffentlich wird es unsere Bewegung nicht allzu lange brauchen», und bringt damit seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die gesellschaftliche Spaltung nach der Überwindung der Pandemie ein Ende findet.

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