Gesellschaft
Aufruhr wäre nicht nötig gewesen

Mensa in der Uni Luzern: Viel Tamtam um ein wenig Fleisch

Ab dem 4. Oktober gibt es direkt in der Mensa der Uni Luzern wieder Fleisch. (Bild: aar)

Es hätte eine Geschichte mit viel Fleisch am Knochen sein können, ging es doch um nicht weniger als das grosse Thema Nachhaltigkeit, die regionale Lebensmittelproduktion und sogar um staatliche Bevormundung. Doch die medialen und politischen Wogen um die fleischlose Mensa in der Uni Luzern hätte man sich sparen können.

Ist die Mensa in der Uni Luzern nun vegetarisch oder nicht? Oder ist sie nur «in erster Linie vegan-vegetarisch», wie es am Mittwoch bei der Kommunikationsabteilung der Uni auf Anfrage plötzlich hiess (zentralplus berichtete)? Oder ist sie einfach insofern vegan-vegetarisch, als Fleisch zwar nicht im Gebäude angeboten wird, wo es in der Auslage jede sehen würde, sondern in einem auf dem eher knapp bemessenen Vorplatz extra aufgestellten Foodtruck?

Es ist nicht erstaunlich, wenn der aussenstehenden Beobachterin bei dieser Frage mittlerweile der Überblick abhandengekommen ist. Denn nachdem die Uni im Sommer stolz verlauten liess, dass das neue Menükonzept auf dem Nachhaltigkeitsgedanken basiert und deshalb kein Fleisch mehr vorsieht, liefen mehrere Luzerner Politiker Sturm. Das Essensangebot wurde zum Politikum und im Kantonsparlament diskutiert. Die Kantonsräte Toni Graber (SVP) und Marlis Krummenacher (Die Mitte) reichten je einen Vorstoss ein (zentralplus berichtete).

Foodtruck ist offenbar nur Provisorium

Beim Zürcher Frauenverein (ZFV), der die Mensa neu betreibt, hiess es auf Nachfrage – wohl infolge der politischen Entwicklungen – dann auf einmal, dass von Anfang an geplant gewesen sei, in einem Foodtruck weiterhin Fleisch anzubieten (zentralplus berichtete). Alles klar also? Mitnichten.

Denn das nächste Kapitel der wirren Geschichte folgte am Mittwochnachmittag. Inhalt: Der Foodtruck wird entfernt und Fleisch wieder in der Kantine selbst angeboten. Gegenüber dem SRF-Regionaljournal liess Uni-Sprecher Lukas Portmann verlauten, dass der Foodtruck wegen des Corona-Testcenters weichen müsse, was er auf Nachfrage von zentralplus jedoch umgehend wieder dementierte (zentralplus berichtete).

«Der Foodtruck war von Beginn weg als provisorische Lösung konzipiert. Im Hinblick auf die kalte Jahreszeit haben wir uns in Absprache mit dem ZFV entschieden, ein begrenztes Angebot an Schweizer Fleisch und Fisch in eine Menülinie in der Mensa zu integrieren.» Dass der Foodtruck weg muss, habe also nichts mit dem Testcenter zu tun, betonte Portmann.

Was jetzt? Ist der Stand ein von Beginn weg vorgesehenes Provisorium oder nicht? Diese Frage liess sich trotz Nachfrage bei der Uni nicht schlüssig beantworten. Ebenso wenig die Frage, ob das ergänzende Fleischangebot zustande gekommen ist, weil man ob des Gezeters in der Politik eingeknickt war.

Man ist wieder dort, wo man vorher war

Die Art der Kommunikation in dieser Geschichte wirft insofern Fragen auf, als es in der Uni schon immer ein begrenztes Angebot an Fleisch gab. Wer sich in der Vergangenheit regelmässig dort verpflegte, konnte aus einem vegetarischen und einem Fleischmenü auswählen. Dazu gab es beim Selbstbedienungsbuffet meist etwas Fleisch. Nun ist man offenbar wieder ansatzweise dort, wo man schon vor diesem Sommer gewesen war.

Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich zwischenzeitlich sowohl die Medien, die Politik als auch die Öffentlichkeit an diesem Thema abgearbeitet haben und auch bei der mit Steuergeldern finanzierten Kommunikationsstelle der Uni und der Kantonsverwaltung wegen der politischen Vorstösse zusätzlicher Arbeitsaufwand angefallen ist.

Auch auf erneute Nachfrage von zentralplus betont Uni-Sprecher Lukas Portmann, dass es sich immer noch um dasselbe Mensakonzept handle, wie man es mit dem ZFV ausgearbeitet hatte. «Wir haben eine Mensa mit in erster Linie vegan-vegetarischem Angebot. Einzig der Ort, wo das ergänzende Angebot erhältlich ist, hat geändert», so Portmann. Ausserdem habe man bereits früher kommuniziert, dass ein längerfristiger Standort des ergänzenden Angebots (Fleisch) in Abklärung ist. Zuletzt sei dies in den Uni-News vom 30. August erfolgt.

Aufruhr wäre nicht nötig gewesen

In dieser Aussage hat es ordentlich Pfeffer. Denn wenn der Öffentlichkeit und insbesondere der Politik bewusst gewesen wäre, dass ein ergänzendes Fleischangebot zum Konzept gehört, wäre die Story wohl nie so hochgekocht und politisch heiss gegessen worden. Und sie wäre auch nie zu einer Debatte über staatliche Bevormundung mutiert.

Es stellt sich also die Frage, warum man vonseiten der Uni die Politikerinnen nicht auf den Umstand hingewiesen hat, dass es weiterhin Fleisch geben wird. Darauf will der Medienverantwortliche keine Antwort geben und schreibt auf die konkrete Frage sehr allgemein zurück: «Die Prüfung verschiedener Varianten hat dann als beste Lösung jene ergeben, die wir jetzt umsetzen. Wir sehen das als dauerhafte Lösung, aber natürlich in Abhängigkeit davon, ob es auch auf Interesse stösst. Schlussendlich ist die Nachfrage der Studierenden und Mitarbeitenden entscheidend.»

Ob sich der Fall damit zu den Akten legen lässt, wird sich zeigen. Der Kantonsrat hat entschieden, die angeblich fleischlose Uni frühestens im Oktober zu diskutieren. Es besteht zumindest die Option, dass sich das Ganze durch das begrenzt ergänzende Fleischangebot erledigt hat. Denn alles andere wäre wirklich nur noch Beilage.

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