Gesellschaft

Kunststoff wird nicht mehr vom Abfall getrennt
Luzerner Strom dank Zuger Plastik

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Das Pilotprojekt «Kunststofftrennung» im Kanton Zug wird bald eingestellt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Zuger trennten ein Jahrzehnt lang tüchtig Kunststoff und brachten diesen separat auf den Ökihof. Mit dem Bau der «Renergia» in Perlen findet dieses Pilotprojekt ein jähes Ende. Künftig landet der Zuger Kunststoff in der Luzerner Kehrichtverbrennungsanlage, mit der mehrheitlich Strom produziert wird.

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Während PET- und PE-Flaschen rezyklierbar sind und meist zu neuen Flaschen oder sonstigen Produkten aus Plastik verarbeitet werden, finden Kunststoffe, wie Lebensmittelverpackungen anderweitig Verwendung – beispielsweise als Brennstoffe für die Zementindustrie.

Seit mehr als zehn Jahren trennen die Zuger Plastik vom und bringen diesen auf den Ökihof. Dort ist für die Trennung der Kunststoffe in zwei Gruppen der Zuger Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) zuständig. Ab 2016 ist damit Schluss. Dann nämlich werden die Zuger Kunststoffe mit dem Hauskehricht im Abfallsack verbrannt. Und zwar in der Kehrichtverbrennungsanlage «Renergia» in Perlen, die 2015 in Betrieb genommen wird.

380 Tonnen Kunststoff pro Jahr

Insgesamt drei Kilogramm Kunststoff brachte jeder Zuger im letzten Jahr auf den Ökihof. 380 Tonnen waren es schliesslich, die sich im letzten Jahr dort anhäuften – exklusive PET-Flaschen, die bei Detaillisten zurückgebracht wurden. Im Ökihof in Zug ist der Zuger Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) dafür zuständig, diese Kunststoffe in zwei Gruppen zu teilen. Einerseits sind es PET- und PE-Flaschen, die rezyklierbar sind und aus denen neue Flaschen oder Leitungsrohre entstehen. Andererseits werden Kunststoffe wie Chipstüten, die innen mit einer Alufolie beschichtet sind, nach Untersiggentahl in die Zementfabrik gebracht und dort zu Brennstoffen für die Zementindustrie weiterverarbeitet.

200’000 Tonnen Abfall aus der Zentralschweiz

Mit der Abwärme der Anlage kann Prozessdampf für die Papierfabrik und Strom für rund 38’000 Haushalte produziert werden. Damit sollen jährlich 40 Millionen Liter Heizöl eingespart werden. Die 320 Millionen Franken teure Anlage wird dereinst 200’000 Tonnen Abfall aus der Zentralschweiz verbrennen.

Als Grund für den Trennungsstopp nach mehr als einem Jahrzehnt erklärt Hans Ulrich Schwarzenbach, Geschäftsführer der Zeba: «Die Folge der Trennung des Kunststoffes vom Abfalls ist, dass der Brennwert dadurch gering ist. Da Plastik einen sehr hohen Brennwert hat, kann so mehr Abwärme entstehen und folglich mehr Strom erzeugt werden.» Dieser Strom werde direkt ins Netz eingespiesen, so Schwarzenbach. «Zusätzlich produziert die ‹Renergia› für die Papierfabrik wertvollen Prozessdampf, was wiederum Strom spart.»

Abfall muss nicht mehr nach Winterthur

«Der Grund, weshalb wir uns dafür entschieden haben, Kunststoff künftig nach Perlen zu bringen, ist auch die Distanz. Während beschichtete Kunststoffe momentan noch in die Zementfabrik nach Untersiggenthal gefahren werden, fällt die Distanz nach Perlen deutlich kürzer aus», so der Zeba-Geschäftsführer. Auch der Abfall, der derzeit noch in Winterthur verbrannt wird, habe mit der «Renergia» einen deutlichen kürzeren Anfahrtsweg. «Ausserdem sind die Verbrennungskosten des Kehrichts in Perlen geringer», resümiert Schwarzenbach.

«Die Verbrennungskosten des Kehrichts in Perlen sind geringer.»

Hans Ulrich Schwarzenbach, Geschäftsführer der Zeba

Weiterhin zum Ökihof und zu diversen Detailhandelsfirmen, wie beispielsweise Migros und Coop, zurückgebracht werden können PET-, PE, und PP-Flaschen. Alle übrigen Folienverpackungen, wie von Salattüten, Frischbackbrot-Verpackungen, Käse- und Eierverpackungen, Plastiktaschen oder auch Tüten für den Obst-Offenverkauf oder von Teigwaren gehören ab Ende 2015 in den Kehricht.

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