Ihr droht mehrjährige Haftstrafe

Luzerner Hackerin wird in Amerika angeklagt

Eine Luzernerin soll sich illegal Zugang zu vertraulichen Firmendaten verschafft haben. (Symbolbild: Unsplash/James Harrison)

Die amerikanische Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag Anklage gegen eine 21-jährige Juso-Politikerin erhoben. Der Informatikerin aus Luzern wird vorgeworfen, für mehrere Hackerangriffe in den USA verantwortlich zu sein.

Eine Luzernerin soll als Teil eines Hacker-Kollektivs mitgeholfen haben, rund 150’000 Überwachungskameras einer amerikanischen Firma anzuzapfen (zentralplus berichtete). Jetzt wird die Informatikerin aus Luzern von einem Gericht in den USA angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft in Washington mitteilt.

«Der Diebstahl von Anmeldeinformationen und Daten sowie die Veröffentlichung von Quellcode und geschützten und vertraulichen Informationen im Internet nicht durch das Recht auf Redefreiheit geschützt – es handelt sich um Diebstahl und Betrug», wird die zuständige Staatsanwältin Tessa M. Gorman in der Mitteilung zitiert. Diese Angriffe würden die Anfälligkeit für alle erhöhen – von grossen Unternehmen bis hin zu einzelnen Verbrauchern.

In der Schweiz wird unter Experten teils diskutiert, ob das Eindringen in fremde Datensysteme straflos sein soll, wenn kein Schaden angerichtet, sondern eine Sicherheistlücke aufgedeckt wird. Davon hält die Staatsanwaltschaft in Amerika offensichtlich nichts. «Sich in ein angeblich altruistisches Motiv zu hüllen, ändert nichts daran, dass solche Eingriffe kriminell sind», wird Gorman weiter zitiert.

Der Luzerner Juso-Politikerin wird «Identitätsklau» und «Verschwörung» vorgeworfen, weil sie sich illegal Zugriff auf Firmen und Behördenseiten verschafft habe.

Es droht eine Haftstrafe von 25 Jahren

Nebst dem Angriff auf das Unternehmen Verkada im letzten Winter, der unter anderem Überwachungskameras in Spitälern und Gefängnissen betraf, seien acht weitere Firmen ausspioniert worden. Darunter ein Autobauer und eine Behörde des Bundesstaates Washington.

Die Polizei hat kürzlich die Wohnung der Schweizerin durchsucht, ebenso jene ihrer Eltern (zentralplus berichtete). Die amerikanischen Behörden bedanken sich in einer Mitteilung explizit bei der Unterstützung der Luzerner Kantonspolizei und den hiesigen Strafverfolgungsbehörden.

Der Luzernerin drohen gemäss der Medienmitteilung eine Haftstrafe von 25 Jahren. Eine Sprecherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements bekräftigte jedoch kürzlich gegenüber zentralplus, dass die Schweiz eigene Staatsangehörige nicht gegen ihren Willen ausliefere.

Tillie Kottmann identifiziert sich als non-binär. Das bedeutet, dass sie sich weder als Mann noch als Frau fühlt. Auf Instagramm erklärte sie, dass sie derzeit mit dem Namen Tillie experimentiere, weshalb wir im Text diesen Namen und das weibliche Geschlecht verwendet haben.

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