Immer weniger wollen ein grosses Grab

Luzerner Friedhöfe haben zu viel Platz – so nutzen sie ihn

Die Mehrheit der Luzerner Bevölkerung wünscht mittlerweile, kremiert zu werden. (Bild: mst)

Mehrere Gemeinden in und um Luzern sind daran, ihre Friedhöfe umzugestalten. Sie reagieren damit auf eine gesellschaftliche Entwicklung.

Ein Wandel umtreibt die Grabsteine in der Stadt Luzern. Der Grund: Die Bevölkerung will sich nicht mehr so bestatten lassen wie früher. Die eigenen sterblichen Überreste in einem Sarg in der Erde versenken lassen – für viele mittlerweile eine eher furchteinflössende Vorstellung. Heute wird kremiert.

Laut Nicole Waldispühl von der Friedhofsverwaltung der Stadt Luzern wünschen heute gerade einmal noch zehn Prozent der Bevölkerung eine Erdbestattung. Früher seien es mehr als 60 Prozent gewesen. Auch andere Friedhofsverantwortliche in der Agglomeration bestätigen diese Entwicklung.

Der gesellschaftliche Trend kommt für die Verwaltungen mit einer Nebenwirkung. Friedhöfe haben immer mehr freie Flächen, die nicht mehr von Gräbern beansprucht sind. Entsprechend stellt sich in manchen Gemeinden die Frage: Was tun mit dem neu gewonnenen Platz?

Der Friedhof – ein Ort zum Verweilen

Waldispühl führt aus, dass die Stadt bereits erste Schritte getan habe, um die Freiflächen auf ihren Friedhöfen neu zu verwenden. Zum einen werde die Biodiversität gefördert. «Wir mähen nicht mehr die gesamte Rasenfläche gleichzeitig.» Einzelne Abschnitte schneide die Verwaltung zu verschiedenen Zeiten. «Das hohe Gras gibt Tieren und Insekten neuen Lebensraum», sagt Waldispühl.

«Wir wollen Begegnungsräume schaffen.»

Nicole Waldispühl, Friedhofsverwaltung Luzern

Zum anderen habe die Verwaltung auf den Luzerner Friedhöfen Bänke aufgestellt sowie auch mobile Stühle gekauft. «Wir wollen Begegnungsräume schaffen, in denen Menschen entspannen und die Natur geniessen können», sagt Waldispühl dazu. Im grössten Friedhof der Stadt, dem Friedental, gibt es überdies seit vergangenem Jahr ein Café (zentralplus berichtete).

Immer besser besucht

Die Friedhöfe würden denn auch immer öfter als Naherholungsgebiete genutzt, wie Waldispühl erzählt. «Vor allem im Sommer kommen mehr und mehr Leute, die die Natur zwischen den Ruhestätten geniessen.» Die Leute seien dabei stets pietätvoll und würden respektieren, dass sie notabene auf einem Friedhof unterwegs seien. Mahnend eingreifen musste die Verwaltung deshalb noch nie.

Allein auf den Rückgang an Erdbestattungen lässt sich der Wandel auf den Friedhöfen nicht zurückführen. Laut Waldispühl spielt ebenso eine Rolle, dass die Menschen vermehrt in Gemeinschaftsgräbern ihre letzte Ruhe verbringen wollen. Auch das führt zu mehr Platz auf Friedhöfen.

Themengräber im Aufschwung

Die Stadtverwaltung erstellte in jüngster Zeit verschiedene Themengräber. Diese würden sich grosser Beliebtheit erfreuen, sagt Waldispühl. Ein solches Themengrab ist beispielsweise das Eichenwaldgrab. Im Friedhof Friedental hat die Verwaltung einen Eichenwald gepflanzt. Wer möchte, kann seine Urne in diesem Wäldchen beilegen lassen.

Der Friedhof Friedental wird vermehrt zum Ort für ein gemütliches Beisammensein. (Bild: mst)

Auf den Friedhöfen Staffeln und Reussbühl gibt es ähnliche Angebote. Und die Verwaltung arbeite daran, dass noch mehr hinzukämen, sagt Waldispühl. Im Gespräch sei etwa ein Insektengrab, in welchem die Urne unter einer Blumenwiese liege, die Insekten einen Lebensraum biete. «Allerdings müssen für solche alternativen Bestattungsangebote immer die Friedhofsreglemente angepasst werden, weshalb sich die Erstellung neuer Gräberarten manchmal in die Länge ziehen kann», erklärt Waldispühl.

«Die neuen Bestattungsangebote gleichen den Rückgang von Erdbestattungen aus.»

Nicole Waldispühl, Friedhofsverwaltung Luzern

Eine Kremierung kostet gemäss Waldispühl etwa die Hälfte einer traditionellen Erdbestattung. In finanziellen Nöten ist die Luzerner Friedhofsverwaltung aber nicht. «Die neuen Bestattungsangebote gleichen den Rückgang von Erdbestattungen aus», sagt Waldispühl.

Bäume und Steine für Emmen

In Emmen spürt die Gemeinde den gleichen Trend wie die Luzerner Friedhofsverwaltung. Das bestätigt Manuela Bruni, Zivilstandsbeamtin der Gemeinde. Dort nutzt die Verwaltung die neuen Flächen, um Themengräber sowie naturbezogene Bestattungsangebote anzubieten. Die Bevölkerung schätze die Gedenkstätten als grünen Fleck inmitten des städtischen Trubels, sagt Bruni. Die Besucherzahlen seien gestiegen.

Seit einem Jahr können sich Emmer auf dem Friedhof Gerliswil in Baumgräbern oder dem Themengrab Alpinum beisetzen lassen. Das Alpinum ist ein Steingarten, der an eine Berglandschaft erinnern soll. Die Gemeinde saniert den Friedhof Gerliswil seit 2021 (zentralplus berichtete). Zurzeit läuft die letzte Etappe, in welcher unter anderem ein neues Kindergrab angelegt wird.

Ebikon setzt aufs gleiche Pferd

Ein Themengrab Alpinum entsteht demnächst auch in Emmens Nachbargemeinde Ebikon. Der dortige Friedhof befindet sich ebenfalls seit mehreren Jahren im Umbau (zentralplus berichtete). In der anstehenden Sanierungsphase will die Gemeinde mehrere Themengräber schaffen. Ebikon greift dafür tief in die Tasche: 750’000 Franken lässt sich die Gemeinde die Erstellung der neuen Bestattungsangebote kosten.

Die Arbeiten dafür würden voraussichtlich diesen Sommer starten, wie die «Luzerner Zeitung» im Februar berichtete. Nebst dem alpin angehauchten Themengrab will die Gemeinde Blumen- und Baumgräber anlegen. «Die geplanten Themengräber werden in den nächsten Jahren die Situation bei den bestehenden Urnen- und Gemeinschaftsgräbern auf dem Friedhof Ebikon entlasten», sagte Gemeindesprecher Anian Heierli über die Gründe für den Umbau gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Eine Arbeitsgruppe soll die Lösung finden

Die Veränderung, welche die Friedhöfe von Luzern, Emmen und Ebikon ergriffen hat, ist derweil in Horw noch nicht angekommen. Die Horwer würden den Friedhof nicht anders nutzen als früher, sagt Astrid David Müller, SVP-Gemeinderätin von Horw. Und konkrete Pläne, die Gedenkstätten umzugestalten, seien bis jetzt keine umgesetzt.

Grabreihen wie diese auf dem Friedhof Friedental sind auch auf dem Horwer Friedhof immer seltener anzutreffen. (Bild: mst)

Aber: Auch auf dem Horwer Friedhof mehrt sich die leere Rasenfläche. Um herauszufinden, was mit diesem neuen Platz zu machen ist, hat die Gemeinde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Astrid David Müller leitet sie. Momentan würden verschiedene Teams an Vorschlägen für die Umgestaltung des Friedhofs arbeiten, sagt sie. Im nächsten Herbst präsentiert die Gemeinde das Siegerprojekt.

Der Blick auf verschiedene Luzerner Friedhöfe zeigt: Zwischen den Grabsteinen siedeln sich neue Ideen an. Pompöse Familiengruften weichen Wäldchen und Blumenwiesen. Frisch gepflanzte Natur lockt die Lebenden, den Toten mehr Gesellschaft zu leisten.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Nicole Waldispühl, Friedhofsverwaltung Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Astrid David Müller, Gemeinderätin Horw
  • Schriftlicher Austausch mit Manuela Bruni, Zivilstandsbeamtin Emmen
  • Medienmitteilung Gemeinde Emmen zum Umbau Friedhof Gerliswil
  • Broschüre Alpinum Gemeinde Emmen
  • Artikel «Luzerner Zeitung» zu Ebikons Friedhof
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