Gesellschaft
Abstimmung Pestizide

Luzerner Fischer kämpfen gegen den «schleichenden Tod»

Immer wieder kommt es in Luzern zu Fischsterben. (Bild: Luzerner Polizei)

Der Luzerner Fischereiverband schaltet sich in den Abstimmungskampf um die zwei Pestizid-Initiativen ein. Das Problem sei auch im Kanton Luzern akut. Tatenlos zusehen sei deshalb keine Option mehr, sagt der Verbandspräsident.

Es sind deutliche Worte, die Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbands, benutzt: «Wir sind nicht mehr bereit, weiterhin zuzuschauen, wie die Fischbestände kleiner werden und immer mehr Arten aussterben.» Die Worte des Verbandspräsidenten kommen nicht von ungefähr. Zu kleineren und grösseren Fischsterben kommt es im Kanton Luzern mit trauriger Regelmässigkeit. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fischsterben sprunghaft an und erreichte Werte wie schon seit Jahren nicht mehr (zentralplus berichtete).

Viele der Fischsterben gehen auf Unfälle mit Gülle oder verunreinigtem Abwasser von Baustellen zurück. Die Fischer wollen nun aber eines der grössten Probleme bei der Wurzel packen: die Pestizide.

Nationale Abstimmung im Juni

Am 13. Juni kommen gleich zwei nationale Vorlagen an die Urne, die sich mit Pestiziden befassen. Zum einen ist dies die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Zum anderen die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung».

Beide Vorlagen werden vom Luzerner Fischereiverband unterstützt. Dies wurde an der letzten Delegiertenversammlung des Verbands beschlossen. Es gebe «knallharte Fakten, die ein Engagement für eine Wasserwelt mit weniger Pestiziden unausweichlich machen», sagt Markus Fischer. So würden Pestizide etwa besonders Fische in kleineren Bächen bedrohen. Dies, weil die Substanzen in Bächen hoch konzentriert vorkommen und während langer Zeit vorhanden sind. Luzern als «bachreicher Kanton» sei davon entsprechend stark betroffen.

«Der Einsatz von Pestiziden führt in den Gewässern oftmals zu einem schleichenden Tod.»

Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbands Kanton Luzern

Ein weiteres Problem sei, dass die eingesetzten Pestizide ja eigentlich Nutzpflanzen vor Insekten schützen sollten. Einmal gespritzt, gelangen sie jedoch auch in Böden und Gewässer. Dort töten sie in der Folge auch Insektenlarven und Krebstiere, die als Nahrung vieler Fischarten unersetzlich sind.

Gesamtes System erleidet Schäden

«Der Einsatz von Pestiziden führt in den Gewässern oftmals zu einem schleichenden Tod», sagt Fischer. «Es sind nicht bloss die Fische, sondern das gesamte Ökosystem der Gewässer, das Schäden trägt.» Gemeinsam mit den Umweltorganisationen Pro Natura, Bird Life und WWF werden die Luzerner Fischer nun für die Annahme der beiden Volksinitiativen kämpfen. Nebst Plakaten und Auftritten auf Werbescreens in Bussen werden auch Standaktionen in Betracht gezogen.

Markus Fischer hofft, dass der Verband so einen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung leisten kann. Das ist es letztlich, wofür der Verband seit Jahren kämpft: ein grösseres Bewusstsein für die fragile Lebenswelt der Fische.

Bereits drei grobe Vorfälle in diesem Jahr

Klar sei, dass man nicht jedes Fischsterben verhindern könne, weiss Markus Fischer: «Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler und Unfälle.» Hier erachtet der Fischereiverband Anstrengungen in Bezug auf Schulung und Sensibilisierung als notwendig. Tatsache ist, dass die Luzerner Polizei alleine schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres drei Gewässerverschmutzungen mit Fischsterben registriert hat. Bei allen dreien handelte es sich um Zwischenfälle, in denen Gülle in ein Gewässer gelangte – im ganzen letzten Jahr waren es acht solcher Gülleunfälle.

«Ein Bach braucht nach einem solchen Ereignis vier bis fünf Jahre, um sich zu erholen.»

Markus Fischer

Insgesamt haben die Fischsterben durch Gülle in den vergangenen Jahren jedoch abgenommen. «In der Landwirtschaft hat sich diesbezüglich einiges getan», sagt Markus Fischer. Dies zeige sich auch in der Tatsache, dass seit zwei Jahren jeweils ein Runder Tisch mit Vertretern des Bauernverbands, des Fischereiverbands, der Luzerner Polizei und des Kantons stattfinde.

«Trotz gewisser Fortschritte muss man bedenken, dass ein Bach nach einem solchen Ereignis vier bis fünf Jahre braucht, um sich zu erholen», gibt Markus Fischer zu bedenken. «Erst wenn die Kleintiere wieder lebensfähig sind, können sich dort auch wieder Fische ansiedeln.» Mit der Annahme der Initiativen können solche Unfälle zwar nicht verhindert werden, er hofft aber, dass diesen dadurch längerfristig der «Nährboden» entzogen wird.

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.