Gesellschaft
«Junge Tat» präsentiert sich kampfbereit

Luzern als Kulisse für rechtsextremes Propagandavideo

Drei Mitglieder der «Jungen Tat» vor den Allmend Türmen (Bild: Screenshot Telegram)

Auf der Plattform Telegram kursiert ein Video der Gruppierung «Junge Tat», die rechtsextremen Kreisen zugeordnet wird. Zahlreiche Aufnahmen stammen aus Luzern und zeigen die maskierten Männer beim Boxen oder mit rechter Literatur.

Bereits 13'000 Klicks hat das Video einer Gruppe, die sich «Junge Tat» nennt, nach gut zehn Tagen auf der Videoplattform Telegram erzielt. Das Video zeigt, wie Maskierte Transparente mit der Aufschrift «Junge – NAF – Tat» aufrollen. «NAF» steht für «Nationale Aktionsfront». Unter diesem Namen sind bereits andere einschlägige Videos veröffentlicht worden, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Der Luzerner Journalist und Beobachter der rechtsextremen Szene Hans Stutz (Grüne) sagt gegenüber «20 Minuten», die Machart der Videoszene sei aussergewöhnlich, doch kenne man die dargestellte Transparent-Aktion von Aktionen der Identitären.

Die Gruppe «Junge Tat» ist hingegen zumindest auf Telegram bisher nicht aufgefallen. Weitere Szenen aus dem Video zeigen Personen beim Kampftraining oder beim Abfackeln von Feuerwerk im Wald. Schnell wird klar: Viele der Aufnahmen sind in Luzern entstanden. So sind etwa die Türme der Allmend, das Armee-Ausbildungszentrum oder das Gebiet um den Nordpol zu sehen.

Hans Stutz: «Es enthält die Botschaft: Ihr müsst euch durch Bildung und durch körperliches Training vorbereiten auf kommende Auseinandersetzungen. Sei es beim Boxen, beim Wandern oder bei militärischen Übungen im Gelände.»

Im Video werde jedoch nicht genauer darauf eingegangen, auf wen oder was sich die «Junge Tat» vorbereite. «Die Gegner werden nicht bezeichnet. Ob sich dies gegen Linke, Muslime, Juden, Homosexuelle oder andere Gruppen richtet, bleibt offen», sagt Stutz.

Auf der Plattform Telegram reagiert auch die Nationale Aktionsfront auf die Aussagen von Stutz: «Lieber Hans Stutz, Du bekommst in Zukunft bestimmt noch einige Gelegenheiten dich zu unserem "aktivistischen" Flügel zu äussern. 😉»

Rechtsextreme Literatur

Im Video wird auch rechtsextreme Literatur und Kunst gezeigt. So sieht man beispielsweise, wie ein Mann das Buch «Vom mutigen Leben und tapferen Sterben» aufschlägt und darin liest. Dieses Buch stammt vom deutschen Schriftsteller und nationalsozialistischen Kulturpolitiker Kurt Eggers.

Neben deutscher Literatur schätzt die «Junge Tat» offenbar auch Bücher von Dominique Venner. Er war ein französischer Autor und Mitglied der rechtsextremen Terror-Organisation «Organisation de l'armée secrète (OAS)». Auch der musikalische Hintergrund des Videos ist bewusst gewählt. Man hört Musik von den beiden NS-Rappern Komplott und Prototyp.

Linke reagieren

Die Antworten von linken Bewegungen liessen nicht lange auf sich warten. Einem in der Zwischenzeit gelöschten Post veröffentlichte die «Linke Jugend Luzern Süd» ein Foto eines Transparent mit der Aufschrift: «Junge Tat not welcome».

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