Gesellschaft

Kindergarten Hübeli
Kindergarten ohne Spielzeuge: Emmen zeigt, wie es geht

  • Lesezeit: 3 min
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Kindergartenkinder aus Emmen wissen, wie es ist, ohne Spielsachen zu sein. (Bild: Bianca Blättler)

Wer heute in ein Kinderzimmer kommt, der wird fast von Spielsachen erschlagen. Von Lego über Stofftiere bis zu Pokémon-Karten. Auch in den Kindergärten ist die Auswahl riesig. In Emmen im Kindergarten Hübeli ist dies komplett anders.

Bei mir waren es sicherlich die Lego (vorzugsweise Luft und Raumfahrt) oder auch die klassischen Playmobil-Feuerwehrautos. Mit diesen konnte ich auch alleine wunderbar stundenlang spielen. Ach … Was wäre die Kindheit ohne Spielzeuge? Wir haben das Gefühl: irgendwie nicht gleich schön. Oder nicht?

Kindergartenkinder aus Emmen wissen, wie es ist, ohne Spielsachen zu sein. Ihr geliebtes Playmobil, Plüschtiere, Spielbretter und Co. sind gerade in den Ferien.

Kinder verabschieden sich Anfang Januar von den Spielsachen

Viele Kinder werden an Weihnachten mit Geschenken überhäuft. Der Überfluss kann zu einer echten Sucht werden. Das Projekt in Emmen schickt die Kinder sozusagen in eine positive «Entziehungskur». Eine Klasse, die ihre Spielsachen in die Ferien geschickt hat, ist die von Kindergärtnerin Bianca Blättler. Sie berichtet uns, dass die Kinder nicht etwa hässig oder traurig wurden, als die Spielsachen verschwunden waren. «Die Kinder haben gut und offen darauf reagiert.»

Vor dem Projektstart werden die Kindergartenkinder langsam an die Sache herangeführt, berichtet Blättler: «Die Kinder wurden anhand eines passenden Bilderbuchs auf die spielzeugfreie Zeit vorbereitet.»

Es ist danach eine tägliche Auseinandersetzung mit der Frage, welches Spielzeug nicht oft gebraucht wird. «Die Kinder hatten also die Möglichkeit, mitzuentscheiden und mitzuplanen. Auch dies gehört bereits zum Projekt dazu.»

Die Kinder finden selbst Spielsachen-Alternativen

Wenn kein Playmobil da ist, stürzen sich die Kinder auf alles Mögliche. Laut Bianca Blättler wurden die Möbel und auch Tücher als Erstes von den Kindern erobert. «Diese Erfahrung kennen sicher alle von uns, wie spannend die Rollenspiele mit gebauten Hütten und Höhlen sein können.»

Bei den Baumaterialien gibt es einen klaren Sieger: «Kartonschachteln sind klar das beliebteste Material, gefolgt von Holz und verschiedenen Textilstoffen.»

Das Projekt hat mit Suchtprävention zu tun

Ausgeschrieben hat das Projekt die Fachstelle «akzent» in Luzern. Die Frage, was Spielzeugferien mit Suchtprävention zu tun haben, faszinierte auch in Emmen. «Heute erfahren wir zu oft, dass die Kinder stark von Erwachsenen wie auch von Medien gesteuert werden. Ein Überfluss von Spielangeboten besteht», berichtet Blättler.

Der spielzeugfreie Kindergarten gibt den jungen Menschen Raum, um sich selbst zu finden. Dies scheint Erfolg zu haben. «Die Kinder gehen gestärkt aus diesem Projekt weiter. Bereiche wie Sozialkompetenz, Selbstkompetenz und Sprache erfahren eine klare Verbesserung. Die Kinder spielen wieder kreativer mit Verbrauchs- und Naturmaterialien.»

Auch haben sich einige Kinderzimmer dank dieses Projekts verändert, berichtet die Kindergartenlehrerin. «Eltern räumen mit den Kindern sogar zu Hause einige Spielsachen weg, und wir Lehrpersonen dürfen erfahren, dass ‹weniger mehr ist› und der ‹Mut zur Lücke› sich lohnt.»

Das Projekt läuft in der Regel sechs bis acht Wochen. Die einen Kindergartenkinder starteten in Emmen nach Weihnachten und haben unterdessen die gewohnten Spielzeuge zurück. Andere Kinder starten mit dem Projekt nach den Fasnachtsferien und verabschieden sich von den Spielsachen bis zu den Osterferien.

Falls dein Kind gar keine Lust auf Kindergarten hat, wir haben dir hier Tipps zusammengestellt.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Bianca Blättler
  • Mailverkehr mit der Schule Emmen
Weitere Quellen
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