Gesellschaft
Werbeanhänger wandern von Lindencham ins Bösch

Kaum ist der eine Parkplatz weg, wird der nächste annektiert

Werbeanhänger wie dieser führten dazu, dass der Park+Pool-Parkplatz in Linchencham geschlossen wurden. Nun stehen sie unter anderem beim Bösch.

(Bild: hch)

Kaum fällt die Park+Pool-Anlage beim Autobahnanschluss Lindencham weg, wird ein anderer Parkplatz im Kanton Zug genutzt, um kostenfrei einen Werbestandort generieren zu können. Dessen Besitzer zeigt sich überrascht über die unverhoffte Parkplatzumnutzung.

Zwischen Hünenberg See und Holzhäusern, just da, wo die Luzerner- zur Chamerstrasse wird, stehen sie: Autoanhänger und Fahrzeuge, die auf dem Parkplatz gegenüber der Alfred Müller Gemüse AG aufgestellt wurden. Viele von ihnen, um Werbung zu machen. Sie weisen auf anstehende Events oder auf Firmen hin. Und das direkt am Strassenrand. Die Werbung soll ja schliesslich gesehen werden. Genauso wie noch vor kurzer Zeit auf der Park+Pool-Anlage beim Autobahnanschluss Lindencham.

Doch dort ist nun eine solche Werbung nicht mehr möglich. Denn nachdem die inoffizielle Park+Pool-Anlage beim Autobahnanschluss Lindencham vor rund vier Wochen durch das Bundesamt für Strassen (Astra) geschlossen wurde, stehen vor dem Kiesplatz nun Betonelemente.

Diese bleiben laut Esther Widmer, Beauftragte für Information und Kommunikation beim Astra, auf unbeschränkte Zeit dort stehen. Sie betont jedoch, dass dieser Kiesplatz nie offiziell eine Park+Pool-Anlage war und auch nie als solche signalisiert war. «Er wurde seit 2013, nach Fertigstellung des sechs- Streifenausbaus Verzweigung Blegi bis Verzweigung Rütihof, von einzelnen Verkehrsteilnehmenden als Umsteigeparkplatz benutzt. Das wurde bis auf Weiteres geduldet», erläutert sie.

Die Werber wissen sich zu helfen

In den letzten Monaten sei der Kiesplatz vermehrt dazu benützt worden, Anhänger mit Werbeaufschriften oder Autos ohne Autonummern abzustellen. Zudem wurden auch Fahrzeuge zum Verkauf angeboten (zentralplus berichtete). Daraufhin wurde er geschlossen. Der Kiesplatz werde weiterhin als Installationsplatz genutzt. Dieser dient dazu, dass die Unternehmer ihre Maschinen und Gerätschaften, die sie für die Arbeiten auf der Autobahn brauchen, abstellen können.

Nach Schliessung des Kiesplatzes musste also Ersatz gefunden werden, um kostenlos Werbung in unmittelbarer Strassennähe generieren zu können. Dieser Ersatzstandort wurde an der eingangs erwähnten Stelle gefunden. Den Parkplatz macht sich unter anderem auch die Garage Autoklinik AG zunutze.

Bereits in Lindencham war sie zur Stelle, um an der Strasse Werbung zu schalten. Mitinhaber Peter Simon betont jedoch, dass momentan kein Fahrzeug der Autoklinik AG den Platz in unmittelbarer Nähe des Böschs beansprucht. «Bloss ein oder zwei Tage stand eines unserer Fahrzeuge auf diesem Abstellplatz», so Simon.

Ein hübscher VW-Bus liess die Hipster-Herzen bei der Autobahneinfahrt Lindencham schmelzen.

Ein hübscher VW-Bus liess die Hipster-Herzen bei der Autobahneinfahrt Lindencham schmelzen.

(Bild: hch)

Der Werbeeffekt bleibt unbekannt

Auch ihm sei jedoch aufgefallen, dass die Anhänger und Autos, die zuvor auf dem Lindenchamer Kiesplatz standen, nun an der Chamerstrasse aufgestellt wurden. Hat denn die Tatsache, dass im Sommer über die Werbepraktik berichtet wurde, einen grossen Effekt auf die Autogarage gehabt? «Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft hatte es keine gegeben. Auch von den Kunden wurden wir nicht darauf angesprochen», so Simon.

«Sollten die Plätze missbraucht werden, ist ein Parkverbot zwischen 20 und acht Uhr möglich.»

Zuger Baudirektion

Der Parkplatz an der Chamerstrasse  gehört dem Kanton Zug. Die Baudirektion des Kantons Zug wirkt erstaunt, als sie auf das Problem angesprochen wird. Kenntnis scheint sie davon nicht zu haben. Sie bestätigt jedoch, dass Langzeitparker an dieser Stelle nichts Verbotenes tun, da keine Parkbeschränkung existiert.

Bislang seien an dieser Stelle nie Probleme mit Langzeitparkern aufgetreten. Gedacht sei die Stelle für grosse Lasterzüge, die dort eine Abstellfläche vorfinden. «Sollten die Plätze allerdings missbraucht werden, ist ein Parkverbot zwischen 20 und acht Uhr durchaus möglich», heisst es seitens der Baudirektion.  

Unabhängig davon, ob in diesem Falle von kantonaler Seite her Schritte ergriffen werden, werden sich auch weiterhin solche Schlupflöcher finden lassen. Dies scheint jedoch auch legitim, sofern sich die Werbemassnahmen im Rahmen des Erlaubten bewegen. Innovation und das Ausnutzen von Lücken sind schliesslich seit jeher Erfolgsrezepte in der Werbung.

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