Politische Vorstösse in Luzern

Grüne wollen Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg fit für Zukunft machen

Notfallmässig müssen psychisch kranke Jugendliche im Gefängnis untergebracht werden – weil es zu wenig Plätze in Institutionen gibt. (Bild: Symbolbild: Adobe Stock)

Zwei Luzerner Grossstadträte fordern in einer neuen Motion die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg. Sie verweisen auf dringende Herausforderungen wie Platzmangel und lange Wartezeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – die für betroffene Jugendliche fatal sein können.

Ein 14-jähriges Mädchen wird ins Regionalgefängnis Thun platziert – und das, obwohl es nichts getan hat. Eigentlich bräuchte das Mädchen einen Therapieplatz.

Wie «Impact Investigativ» (SRF) im vergangenen November berichtete, wollte keine Institution das Mädchen aufnehmen. Das Mädchen sei mehrmals aus dem Jugendheim abgehauen und habe Alkohol und Drogen genommen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) habe es ins Gefängnis platziert, im Sinne eines «Time-outs», um sie von der Strasse wegzuholen. Drei Monate musste das Mädchen in der Gefängniszelle bleiben.

Wie es im Bericht heisst, würden in mehreren Schweizer Kantonen Jugendliche mit psychischen Problemen in Notsituationen vereinzelt in Strafvollzugsanstalten untergebracht werden – auch in Luzern. Schlicht, weil es zu wenig Plätze in geeigneten Institutionen gibt.

Mehrere Herausforderungen

Diesen Punkt nehmen auch die beiden Luzerner Grossstadträte Jona Studhalter und Selina Frey namens der Grüne/Junge Grüne-Fraktion in einer neu eingereichten Motion am Rande auf.

In dieser schreiben sie, dass der Planungsbericht über die sozialen Einrichtungen, den der Kanton 2023 vorgelegt hat, diverse Herausforderungen aufzeigt. Dazu gehören unter anderem teilbetreute Plätze, psychische Probleme von Kindern und Jugendlichen oder Finanzierungslücken bei Notfallplätzen. Oder eben: Dass es vorkommt, dass Jugendliche aufgrund fehlender Plätze in den Institutionen notfallmässig im Gefängnis untergebracht werden müssen. Hinzu kommen die langen Wartezeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Studhalter und Frey fordern mit ihrem Vorstoss, dass die Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg fit für die Zukunft gemacht wird. Diese ist im Besitz der Stadt, wird aber auch durch den Kanton finanziert.

Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg weiterentwickeln

In der Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg finden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein vorübergehendes Zuhause. Sie haben soziale Belastungen oder Entwicklungsstörungen und können vorübergehend nicht zu Hause aufwachsen.

Studhalter und Frey fordern den Stadtrat auf, in einem Planungsbericht aufzuzeigen, wie er die Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg weiterentwickeln will. Dabei soll er auf die Aspekte Sanierung, Anzahl Plätze, interne Tagesstruktur, interne Psychotherapie, pädagogisches Konzept, kantonale Pilotprojekte, Personal und Ablauf- und Organisationsentwicklung eingehen.

Zwei Vorstösse hängig auf kantonaler Ebene

Den Beitrag von «Impact Investigativ» haben auch andere Luzerner Politiker aufgenommen. So sind auf kantonaler Ebene noch zwei Vorstösse zum Thema hängig.

So will der Luzerner Mitte-Kantonsrat Luca Boog mit einem im November eingereichten Vorstoss unter anderem wissen, wie viele psychisch erkrankte Jugendliche der Kanton in einer Strafanstalt untergebracht hat. Weiter will er wissen, wie viele Plätze es in Luzern für psychisch erkrankte Jugendliche gibt und ob es mehr Plätze braucht.

Ein weiterer Vorstoss ist von SP-Kantonsrätin Anja Meier hängig. Auch sie interessiert sich dafür, wie oft psychisch kranke und unschuldige Jugendliche im Gefängnis platziert werden und wie lange sie da bleiben müssen. Weiter will sie wissen, was getan werden muss, damit dies nicht mehr passiert.

Verwendete Quellen
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