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Zuger Chefarzt: Corona setzt Jugend zu
«Jugendliche gelten als pubertär, aggressiv und renitent – dabei sind sie depressiv»

  • Lesezeit: 3 min
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Jeder vierte 15-Jährige fühlt sich einmal pro Woche gereizt oder schlecht gelaunt. (Symbolbild: Anthony Tran)

Studien zeigen: Jugendlichen geht es mental immer schlechter. Während es einigen mit psychischen Erkrankungen während des Lockdowns besser erging, setzte die Krise andern zu. Gerade Depressiven, sagt ein Zuger Chefarzt.

Jugendlichen scheint es immer schlechter zu gehen. Sie sind traurig. Bedrückt. Gereizt.

Jedes dritte 15-jährige Mädchen in der Schweiz gibt an, mehrmals in der Woche oder täglich schlechte Laune zu haben, schlecht einschlafen zu können, sich traurig oder bedrückt zu fühlen. Jedes vierte Mädchen ist zudem verärgert oder wütend und nervös.

Das zeigen die Schweizer Zahlen der internationalen Studie «Health Behaviour in School-aged Children». Aus 43 Ländern Europas wurden rund 22’000 Schulkinder im Alter zwischen 11 und 15 Jahren befragt. Das Ergebnis: Jugendlichen ging es 2014-2018 psychisch schlechter, als Jahre zuvor.

Insbesondere der zunehmende Stress und Leistungsdruck dürfte ihnen zusetzen: Für fast die Hälfte aller Schweizer Jugendlichen ist das Alltag, wie eine Studie besagt.

Jugendpsychiatrien haben mehr Meldungen

Die Coronakriste könnte die Situation noch verschlimmern. Laut einer aktuellen Studie könnte die Krise bei jedem zehnten Minderjährigen zu einer posttraumatischen Störung führen.

Jugendpsychiatrien meldeten eine erhöhte Anzahl an Meldungen. Auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Uri, Schwyz und Zug, einer Institution der Triaplus AG, stiegen in letzter Zeit in den drei Kantonen die Fallzahlen. Ob diese in direktem Zusammenhang mit der Coronakrise stehen, kann Chefarzt Jörg Leeners derzeit noch nicht sagen. Doch auch er sagt: «Ich kann mir gut vorstellen, dass jeder zehnte Jugendliche deutlich unter der Situation gelitten hat.»

Vermehrt Angststörungen und Depressionen

Leeners beobachtet insbesondere eine Zunahme an Angststörungen. Dass Jugendliche beispielsweise Angst haben, mit dem öV zu fahren.

Auch die Anzahl depressiver Jugendlicher ist gestiegen. «Im letzten Monat mussten wir mindestens acht Jugendliche in stationäre Behandlung geben», sagt Leeners. «Das ist eine hohe Zahl.» Die jungen Menschen sprachen von Selbstmord, die Eltern waren überfordert.

Depressive Jugendliche weinen nicht, sie sind wütend

Die meisten psychischen Störungen entstehen im Alter zwischen 15 bis 25 Jahren, wie Leeners ausführt. Er spricht von einer «kritischen Zeit». Wenn die Jugendlichen den Schritt von der Schule in die Berufswelt gestalten, flügge werden.

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Eltern finden beim Elternnotruf über die Nummer 0848’35’45’55 kostenlos und anonym Unterstützung.

Depressionen zeigen sich bei Jungen anders als bei Erwachsenen. «Depressive Jugendliche weinen nicht leise vor sich sich hin», sagt Leeners. Sondern sie sind wütend, gereizt, leiden oftmals unter Stimmungsschwankungen.

Eltern oder andere Bezugspersonen könnten diese Symptome oftmals nicht richtig zuordnen. «Jugendliche gelten dann als pubertär, aggressiv und renitent – dabei sind sie depressiv, wie sich nach einem längeren Gespräch zeigen kann», sagt Leeners.

Lockdown hatte für einige Jugendlichen auch seine Vorteile

Jugendliche – ob mit oder ohne psychischen Problemen – gingen mit der Corona-Krise unterschiedlich um. Beispielsweise zeigte eine Studie der PH Zug, dass rund ein Drittel aller Schüler der Ansicht ist, dass sie im Fernunterricht mehr lernen würden als sonst. Jedoch gab ein Fünftel der Schüler an, dass sie nur ein bis zwei Stunden täglich lernen würden – und sie den Fernunterricht wie Ferien wahrnehmen würden. So blieb mehr Zeit zum Zocken (zentralplus berichtete).

Einige psychische Störungen können sich in der Krise verstärkt haben, sagt Leeners. Er denkt an Depressionen und Angstzustände. Die sozialen Kontakte, der Austausch mit Gleichaltrigen fiel in Zeiten des Fernunterrichts weg. «Jugendliche konnten sich nicht ablenken, waren zu Hause und ihrer Gedankenwelt gefangen.»

Anderen Jugendlichen mit psychischen Problemen erging es sogar besser. Etwa Schüler, die gemobbt werden oder Jugendlichen mit der Aufenthaltsstörung ADS: Sie waren zu Hause nicht so sehr abgelenkt wie sonst.

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