Gesellschaft

Tempo 30 auch auf Hauptachse, keine neuen Strassen
In Kriens sollen es künftig der ÖV und das Velo richten

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Stellten am Donnerstag das neue Gesamtverkehrskonzept vor: Der Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget (links) und Bauvorsteher Matthias Senn. (Bild: bic)

Velo, Bus und zu Fuss: So sollen Krienser künftig unterwegs sein. Beim neuen Gesamtverkehrskonzept spricht der Gemeinderat von einem Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik. Allerdings braucht es dazu den Kanton. Sollte dieser Tempo 30 auf der Hauptstrasse nicht akzeptieren, fällt der Plan auseinander.

Nach siebenjähriger Arbeit und Planung hat der Krienser Gemeinderat am Donnerstag das neue Gesamtverkehrskonzept vorgestellt. Dieses soll insgesamt vier Kernanliegen erfüllen, damit der auch künftig rollt und gleichzeitig die Lebensqualität in der Gemeinde erhöht werden kann.

Zentral ist im Konzept die Annahme, dass nicht ein Ausbau der Infrastruktur und somit eine Kapazitätserhöhung zur Erreichung der Ziele führen soll, sondern vielmehr eine intelligent geplante und organisierte Mobilität. Der Gemeinderat betonte dabei die Wichtigkeit, dass sämtliche Verkehrsträger, vom Fussgänger bis zum Autofahrer, gleichermassen in das System miteinbezogen werden. Bei der Präsentation des Konzeptes wurde rasch klar: Der Gemeinderat hofft auch auf ein Umdenken in der Bevölkerung. 

Entlastung der Hauptachsen

«Das Ziel muss es sein, den motorisierten Individualverkehr auf dem heutigen Stand zu plafonieren», sagen Gemeindepräsident Cyril Wiget (Grüne) und Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) unisono. Kriens befinde sich in einem Tal, weshalb ein Ausbau der Infrastruktur rein aus Platzgründen kaum möglich sei.

Es sei deshalb angezeigt, den Leuten zu erklären, dass man die Verkehrsprobleme auch ohne neue Strassen lösen kann. Die Strategie eines Ausbaus stamme aus den 1960er Jahren und sei längst überholt. «In der Verkehrspolitik haben wir mit dem neuen Gesamtkonzept nun einen Paradigmenwechsel vollzogen», so Wiget. Insgesamt 70 Massnahmen sind im Konzept vorgesehen.

Doch welche konkreten Vorschläge hat der Gemeinderat parat? «Wir müssen insbesondere versuchen, mit geeigneten Massnahmen die Hauptverkehrsachse durch das Zentrum zu entlasten. Dies ist langfristig nur durch eine Beschränkung des Zuflusses von Autos von den Nebenstrassen möglich», so Wiget. 

Tempo 30 in den Quartieren

Die Quartiere sind dem Gemeinderat ein besonderes Anliegen. «Das Konzept sieht vor, Tempo 30 auf weitere Quartiere auszuweiten. Dies soll den Verkehr für die Anwohner erträglicher machen», so Bauvorsteher Senn. Daneben schwebt dem Gemeinderat vor, die Wohquartiere besser an den ÖV anzubinden. «Die Linie 15 ist heute nur sehr schwach ausgelastet», moniert Senn. Dies soll sich möglichst rasch ändern.

Generell sieht die Exekutive im öffentlichen sowie im Langsamverkehr für Kriens noch viel brach liegendes Potenzial. «Das Gesamtverkehrskonzept beruht darauf, dass diese Verkehrsträger in Zukunft einiges mehr leisten als heute», betont Präsident Wiget. Eine Strategie die auch in der Stadt Luzern vorangetrieben wird. 

Vekehr soll besser organisiert werden

«Der Stellenwert des Fuss- und Veloverkehrs soll in Kriens erhöht werden», sagt Wiget. Dies dürfe jedoch keinesfalls auf Kosten des Autoverkehrs geschehen. «Das Ziel ist, dass die Wahl des Verkehrsmittels in Zukunft bewusster erfolgt.» Denn durch die Nutzung des passenden Fortbewegungsmittels kämen letztlich alle Verkehrsträger schneller vorwärts.

«In der Verkehrspolitik haben wir mit dem neuen Gesamtkonzept einen Paradigmenwechsel vollzogen.»

Cyrill Wiget, Gemeindepräsident Kriens (Grüne)

Der Gemeinderat spricht sich daher für ein Moblitätsmanagement aus. «Die Politik wie auch die Unternehmen sind angehalten, ihren Teil zu einer nachhaltigen Entwicklung des Verkehrs beizutragen und allenfalls entsprechende Anreize zu schaffen», sagt Wiget. Die Firmen könnten beispielsweise über ÖV-Abonnemente für ihre Mitarbeiter nachdenken. Auch brauche es Kontrollmechanismen, um zu prüfen, ob die angewandten Massnahmen zielführend sind, blickt Wiget voraus. 

Neues Verkehrsregime im Zentrum

Ein weiteres Augenmerk richtet die Exekutive im neuen Vekehrskonzept auch auf das künftige Stadtzentrum. Dieses wird zurzeit aufwendig neu gestaltet. Ein neues Verkehrsregime soll den Kern künftig noch mehr aufwerten. «Das Zentrum ist das Wohnzimmer der Gemeinde», sagt Senn. Vorgesehen ist deshalb ein Mehrzweckstreifen in der Mitte der Hautpstrasse auf zirka 700 Metern. «Hier könnte zum Beispiel eine Bepflanzung realisiert werden», erklärt Senn.

Bei diesem Projekt nimmt der Gemeinderat das bernische Köniz zum als Vorbild, wo das Ganze bislang gut funktioniere, wie Bauvorsteher Senn sagt. Durch die neue Gestaltung des Zentrums könnten in der Folge mehrere Ampeln und Zebrastreifen aufgehoben werden. Die Regierung hofft, dass sich die Hauptstrasse dadurch künftig mit Leben füllt. Strassencafés und attraktive Verkaufsflächen für Geschäfte sollen enstehen.

Dient dem Krienser Gemeinderat als Vorbild: Die Hauptstrasse im Zentrum von Köniz.

Dient dem Krienser Gemeinderat als Vorbild: Die Hauptstrasse im Zentrum von Köniz.

(Bild: Screenshot/GoogleMaps)

Kanton spielt Richter

Wiget und Senn betonen, dass es sich bei den präsentierten Vorschlägen bislang lediglich um ein Konzept handelt. Damit die Pläne wie vorgesehen umgesetzt werden könnten, müssten folglich sowohl die Bevölkerung wie auch der Kanton davon überzeugt werden. Denn beim Trassee durch das Zentrum handelt es sich um eine Kantonsstrasse.

«Wenn der Kanton Tempo 30 auf der Hauptstrasse nicht akzeptiert, fällt das Konzept auseinander,» zeigt sich Matthias Senn realistisch. Man habe indes gute Argumente, um den Kanton zu überzeugen. Denn auf einer belebten Strasse könne ohnehin nicht schnell gefahren werden. Mit Tempo 30 würde das Ziel einer kürzlich lancierten Petition erreicht (zentralplus berichtete).

Wie geht’s weiter?

Insgesamt zeigen sich Senn und Wiget optimistisch. «Das Konzept ist breit abgestützt. Alle Parteien, sämtliche Quartiervereine sowie Vertreter aus der Wirtschaft haben das Konzept zusammen erarbeitet», erklärt Wiget.

Welche Massnahmen politisch letzlich realisiert werden können, wird sich weisen müssen. Am 22. Mai führt die Gemeinde einen öffentlichen Workshop zum Verkehrskonzept durch. Anschliessend sollen sich möglichst viele Krienser in die Vernehmlassung einbringen, fordert der Gemeinderat die Bevölkerung auf.

Die Stellungnahmen aus der Bevölkerung sollen im November dem Parlament vorgelegt werden. Danach ist geplant, möglichst rasch mit der Umsetzung zu starten. Auch wenn beim Gemeinderat nach der langen Planungsphase nun gewisse Euphorie zu spüren ist, will er nicht von einem Befreiungsschlag sprechen. «Die grossen Herausforderungen bleiben auch nach der Umsetzung des Konzeptes bestehen», zeigt sich Wiget realistisch. Insbesondere weil Kriens im Moment stark am wachsen sei. Die Entwicklungen im Gebiet Luzern Süd sind dabei nur ein Teil des Puzzles.

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1 Kommentare
  1. Dave van Gestern, 20.04.2018, 16:14 Uhr

    Der öffentliche Verkehr ist in weiten Teilen von Kriens ein Witz, es ist wirklich an der Zeit, dass dieser ausgebaut wird. Warum wohl ist die Linie 15 (Ortsbus Kriens) schlecht ausgelastet? Der Bus fährt jede Stunde einmal, in den Stosszeiten 2x, zwischen 6 und 7 Uhr am Morgen und am Abend ist nach 19 Uhr Schluss. Und am Sonntag ist der Fahrplan noch magerer. Logisch, dass niemand mit dem Bus zur Arbeit fährt. Kriens ist gross, viele Quartiere kleben am Hang. Da steigt man schnell ins Auto statt 30 Minuten bis zum Talboden zu wandern oder 45 Minuten auf den nächsten Bus zu warten. Eine Stadt, die Kriens ja sein will, muss eben jedes Quartier optimal an den ÖV anbinden – und das kostet…

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