Gesellschaft
Arbeiten, wenn andere feiern

«Ich habe mich freiwillig gemeldet»

Der Zuger Buschauffeur Michele Cipolla arbeitet über die Weihnachtstage bis nach Mitternacht. (Bild: mbe.)

Weihnachten verbringen die meisten gemütlich im Kreis ihrer Familie. Michele Cipolla arbeitet an den Feiertagen. Freiwillig. Er ist Buschauffeur bei der Zugerland Verkehrsbetriebe AG. Warum macht er das?

An den Feiertagen haben nicht alle frei. Krankenschwestern, Ärzte, Polizisten, Feuerwehrleute – und Buschauffeure — sind auch über Weihnachten und Neujahr für uns im Einsatz.

Der Baarer Michele Cipolla leitet drei Tage Spätdienst auf der Buslinie 3, vom 24. bis 26. Dezember. Seine Schicht fängt um 15 Uhr an und endet zirka eine halbe Stunde nach Mitternacht. «Da kann man schlecht feiern», sagt Cipolla.  Doch dem 32-jährigen Buschauffeur, der seit Mai 2014 bei den Zuger Verkehrsbetrieben arbeitet, macht das nichts aus. Mehr noch. Er macht es freiwillig: «Letztes Jahr hatte ich Ferien an den Feiertagen. Dieses Jahr habe ich mich aus Solidarität gemeldet, damit auch die anderen einmal zum Zug kommen.»

«Natürlich würde sich meine Familie freuen, wenn ich zuhause wäre.»

Zu seiner Motivation ist noch zu sagen, dass Cipolla kein «Weihnachtsmuffel» ist. «Weihnachten ist mir schon wichtig»,  sagt er, «wenn ich nicht arbeite, dann feiere ich immer mit der Familie.» Seine Familie sei auch sicher nicht beleidigt. «Natürlich würden sie sich freuen, wenn ich zuhause wäre. Aber als ich mich entschieden habe, bei den ZVB zu arbeiten, war mir und der Familie völlig klar, dass das nicht immer möglich sein kann.»

Weniger Passagiere als sonst

Cipolla rechnet damit, dass es weniger Buspassagiere gibt als an anderen Tagen. Ansonsten, findet er, seien es normale Tage wie andere auch. Er hat auch keine Weihnachtsdekoration im Bus aufgehängt oder so etwas ähnliches. «Doch ich wünsche allen schon jetzt schöne Festtage, wenn sie aussteigen.» Auch sonst gehört Höflichkeit dazu: Der Chauffeur begrüsst und verabschiedet seine Fahrgäste immer an den Endhaltestellen.

Es gibt auch keine spezielle Weihnachtsuniform. Nur am Schmutzigen Donnerstag dürfen sich die Zuger Buschauffeure verkleiden.

«Meine Verwandten in Italien sind stolz, dass ich Buschauffeur in Zug bin.»
Michele Cipolla

226 Personen im Fahrdienst

Michele Cipolla ist nicht der Einzige, der bei den ZVB über die Feiertage arbeitet. In der Betriebseinsatzzentrale sind zwei Personen auf Pikett. Am 24. Dezember sind rund 100 Buschauffeure und -chauffeurinnen im Einsatz, am 25. und 26. Dezember je 61. Denn es braucht viele Leute, um Zug jeden Tag zu bewegen. Ingesamt beschäftigen die ZVB 490 Personen. 414 arbeiten in Zug, 76 in Horgen. 226 sind im Fahrdienst. Der Fahrzeugpark der ZVB besteht aus 130 Bussen, sechs Schiffen, einer Standseilbahn und einem Reisecar.

Ganz ohne Weihnachten muss aber auch Cipolla nicht auskommen. «Am 24. Dezember sind ich und meine Mutter zum festlichen Mittagessen bei meiner Schwester zuhause eingeladen.» Am 25. Dezember isst er festlich mit seiner Partnerin. Was es gibt, variiert, aber italienische Küche muss es immer sein.

Und Anfang Dezember hatte er einige Tage frei und war bei seiner Familie in Kalabrien. «Ich konnte dort schon ein wenig feiern.» Die Verwandten seien schon stolz, dass er, «der Svizzero», Buschauffeur in Zug ist. In Italien herrsche ja Krise. Cipollas Eltern kamen einst aus Süditalien in die Schweiz, er ist hier geboren und eingebürgert.

Sein Traumberuf

«Buschauffeur war schon immer mein Traum und ist für mich eine Lebensstelle», sagt Cipolla. Eigentlich wollte er sich erst im reiferen Alter bewerben, jetzt hat er früher sein Glück versucht, und die Stelle bekommen. Er schätzt die Flexibilität und die grosse Abwechslung in seinem neuen Beruf. Und den Kontakt mit den Passagieren. Früher habe er als Lastwagenchauffeur gearbeitet, und er ist gelernter Automonteur.

Alle ZVB-Fahrdienstmitarbeitende, die an Weihnachten Spätdienst fahren, erhalten übrigens von ihrem Vorgesetzten ein Präsent. Als kleines Dankeschön.

Cipolla in seinem Bus. «Ich wünsche bereits jetzt allen Passagieren schöne Festtage, wenn sie aussteigen», sagt der Chauffeur.

Cipolla in seinem Bus. «Ich wünsche bereits jetzt allen Passagieren schöne Festtage, wenn sie aussteigen», sagt der Chauffeur.

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