Gesellschaft

Erotik-Business an der Lozärner Fasnacht
High Heels und Konfetti

  • Lesezeit: 5 min
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Bereit für die «rüüdigen» Tage: Die Stadtluzerner Erotik-Branche freut sich auf den Urknall. (Bild: Fotalia)

Sex sells. Das älteste und lustvollste Gewerbe der Welt läuft auch während der fünften Jahreszeit wie geschmiert. Die Fasnacht belebt die Branche. Davon profitieren nicht nur Kontaktbars und Cabarets.

Passanten fällt das «Nizza» an der Winkelriedstrasse kaum auf. Man gibt sich zurückhaltend. Erst bei genauerem Hinsehen ist das Café als Kontaktbar zu erkennen. Von noch gar keine Spur.

Drinnen ist man bereit für die «rüüdigen» Tage. Fasnachtsgirlanden, Konfetti, Masken. Lediglich das gedämpfte Licht, offenherzige Frauen in Mini und High Heels und die Koketterie zwischen Tür und Angel rufen in Erinnerung, dass hier Männer sitzen, die «mehr» wollen. Vielleicht.

Willkommene Fasnacht

«Das Geschäft läuft», sagt Geschäftsführer Franz Ambühl. Er kennt die Branche. Nebst dem «Café Nizza» führt Ambühl auch die «Bar Milano», den «Cacadou Club» im «Hirschen» und das «Brüggli». Von der Fasnacht würden vor allem die Betriebe in der Altstadt profitieren. Früher, als die Route der grossen Fasnachtsumzüge in der Neustadt noch näher am «Nizza» und «Milano» vorbeiführten, sei es noch besser gewesen, erwähnt Ambühl. Da habe es noch mehr Laufkundschaft gegeben. Man wolle sich aber nicht beklagen. «Wir haben während der Fasnacht immer noch täglich eineinhalb Stunden länger geöffnet.»

«Die Luzerner sind während den närrischen Tagen ‹rüüdig› gut drauf.»

Luzerner Sexarbeiterinnen

Umsatzzahlen werden grundsätzlich keine bekannt gegeben. Es wird aber keinen Hehl daraus gemacht, dass sich die Fasnacht durchaus erfreulich auf das Geschäft mit der käuflichen Liebe auswirkt. Auch die «Bar Bijou» mitten in der Altstadt bestätigt: «Es ist eine spezielle Zeit.» Die Bar sei jeweils «rammelvoll». Das Mobiliar hat man bereits umgestellt. Ein aufgestockter Sicherheitsdienst ist aufgeboten, um der Lage jederzeit Herr zu bleiben, falls es mal drunter und drüber gehen sollte. «Es geht in der Regel friedlich zu und her. Aber es ist halt schon mehr Alkohol im Spiel als sonst.»

«Rüüdige» Gäste

Auch im Cabaret «Du Pont» freut man sich auf den Urknall. Wie überall in der Branche profitiert nebst dem Barbetrieb auch das Geschäft mit der Liebe selbst. «Ich werde die ganze Zeit hier sein und arbeiten», erzählt eine erfahrene Sexarbeiterin. Sie habe jeweils viele Kunden.

Die Prostituierten freuen sich auf die Fasnacht. Selbst wenn sie erst seit Kurzem in Luzern und mit den hiesigen Sitten und Gebräuchen überhaupt noch nicht vertraut sind, wie zum Beispiel die junge Luana* aus Südamerika. «Ich habe gehört, es sei viel los während der Fasnacht», erzählt die adrette Brünette.

Haben die Fasnächtler gewisse Vorlieben? «Die Luzerner sind während den närrischen Tagen ‹rüüdig› gut drauf», wissen die Damen mit einem Lächeln zu berichten. Im Grossen und Ganzen hätten die Freier aber nicht andere Wünsche als sonst.

Kunst der Verhüllung

Für die Fasnacht tauschen die meisten Damen ihr Minikleid gegen ein einfaches Fasnachtskostüm. Vom Motto her seien die Ladies frei, so Ambühl. Hauptsache, es sei körperbetont. «Man hat ja nichts zu verbergen.» 

«Es muss vor allem sexy sein.»

Naira*, Prostituierte

«Beliebt sind bei Prostituierten insbesondere venezianische Augenmasken», weiss Rolf Radtke vom Dekorationsgeschäft Deco-Display Collection AG, das auch Fasnachtsartikel verkauft. Die zierlichen, leichten Masken verhüllen das Gesicht nur zum Teil und betonen die Augenpartie. Kombiniert mit reizvollen Dessous oder Korsetts, würden sich diese offenbar hervorragend für lustvolle Momente eignen. 

Politessen und Piratenbräute

«In Unterwäsche läuft hier aber keine rum», tönt es im «Bijou». Darauf wird in Kontaktbars Wert gelegt. Die Frauen würden dezenter auftreten als im Cabaret. Auch während der Fasnacht. «Schliesslich herrschen in Luzern etwas andere Temperaturen als in Rio de Janeiro.» 

Politessen und Piratenbräute kommen an. Auch Krankenschwester- und Schulmädchenkostüme stehen hoch im Kurs. «Es muss vor allem sexy sein», meint die etwas ältere Naira* dazu. «Ich werde mich als Vampir verkleiden», schiebt sie mit einem Lachen nach.

Einsame Herzen suchen das Abenteuer

Die festliche Atmosphäre, die Lockerheit und der Alkohol beflügeln die Besucher. Manche Fasnächtler lassen sich bewusst auf amouröse Abenteuer ein. Und Gewisse nehmen es mit der Treue nicht so ernst. Davon können die Frauen in der Bar ein Liedchen singen. «Es gibt viele einsame Herzen.»

«Draussen auf der Strasse läuft ja schon viel», sagt Ambühl. Es würde ohne Ende an- und rumgebaggert. Nicht jede Anmache verlaufe wie gewünscht, hält Ambühl lächelnd fest. Das ist gut für’s Geschäft. Und nicht selten wolle einer einfach unverbindlichen, schnellen Sex.

«Bei uns ist jeder und jede willkommen.»

Franz Ambühl, Geschäftsführer Kontaktbars «Nizza», «Milano», «Brüggli» und «Cacadou»

Ein gutes Angebot dürfe schon etwas kosten. Gepflegte Erotik habe auch an der Fasnacht ihren Platz. «Trotzdem erhöhen wir die Preise während der Fasnacht nicht», hebt Ambühl hervor. Auch Konsumationszwang gebe es keinen. Im Prinzip handle es sich um eine normale Bar, erklärt Ambühl. «Bei uns ist jeder und jede willkommen.» Man könne auch einfach nur etwas trinken. Alles kann, nichts muss. 

Fasnacht ist für alle da

Nicht nur Stammkundschaft findet den Weg in die Bar und aufs Zimmer. Zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch ist die Hemmschwelle tiefer. «Das bunte Treiben lockt viel Kundschaft an, die sonst nicht hier verkehrt», heisst es etwa im «Bijou». Guuggenmusigen, Einzelmasken, Kleinformationen, Zünftler – das Publikum sei wie immer gut durchmischt, sagt auch Ambühl. «Einfach etwas farbiger als sonst».

Auch die «Meitli» genössen die närrischen Tage. «Bei uns machen da alle mit. Offen und ungezwungen. Das ist ja das schöne an der Fasnacht. Sie ist für alle da», freut sich Ambühl.

Alessia*, die in der Bar arbeitet und aus Brasilien stammt, freut sich auf den Schmutzigen Donnerstag. «Ich werde mit meinen Freundinnen an den Urknall gehen.» Und ja, selbstverständlich seien sie auch verkleidet.

*Name geändert

 

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