Gesellschaft
Luzerner erfindet den «Instaframe»

Hier wirbt der Kunde mit Hashtag

Der «Instaframe» des Luzerners Jonas Kamber einsatzbereit im Neubad. (Bild: zvg)

Mit dem «Instaframe» hat der Luzerner Jonas Kamber nicht nur den Nerv der Zeit getroffen. Marketingtechnisch ist der digitale Bilderrahmen für Bars und Clubs ein kostengünstiger Selbstläufer. Und funktioniert vor allem innerhalb einer ganz besonderen Gruppe.

Der Luzerner Jonas Kamber setzt mit seiner Kreativität neue Trends. Seine Gadgets, wie die Fotobox oder nun der Instaframe, sind weit mehr als nur Spielereien für Technikfans. Denn der digitale Bilderrahmen namens Instaframe ist marketingtechnisch ein cleverer Schachzug. Dieser soll Gäste in Clubs und Bars dazu motivieren, für das Lokal zu werben.

Klingt ziemlich utopisch, funktioniert aber tatsächlich. Der Prototyp dieses Instaframes steht seit rund einem Jahr im Neubad. Aufgrund der positiven Reaktionen und der seither starken Zunahme an Instagram-Posts über das Neubad geht das Instaframe nun in die Produktion.

Ungenutztes Potenzial

«Vor längerer Zeit ging ich auf Instagram und wollte schauen, wie viel Bilder es vom Neubad gibt. Das Ergebnis war ernüchternd», sagt der 29-Jährige. Er sei erstaunt gewesen, wie wenig darüber gepostet wird, obwohl die Zwischennutzung ein sehr spannendes und lebendiges Haus sei. «Ich überlegte mir anschliessend, wie ich das verbessern könnte – wie ich die Leute dazu bringen kann, mehr Bilder über die Zwischennutzung zu posten.» So sei ihm die Idee eines «Instaframes» gekommen.

Die Funktionsweise ist simpel. «Ich habe eine Applikation programmiert, die bei Instagram nach entsprechenden Hashtags, in diesem Fall #Neubad, sucht. Sobald ein solches Bild gefunden wird, gibt es dieses an das Frame weiter, welches das Foto anschliessend anzeigt.» Technisch sei es keine Meisterleistung, wie Kamber schmunzelnd anfügt. Dafür ist der Erfolg innert kürzester Zeit messbar.

Mehr als doppelt so viele Posts

«Seit der Prototyp im Neubad hängt, gibt es mehr als doppelt so viele Instagram-Bilder vom Neubad als vorher», betont Kamber. Der Schlüssel sei dabei der Anreiz: «Bereits wenn der Gast die Möglichkeit hat, sein Bild im Lokal auf einem digitalen Bilderrahmen darstellen zu lassen, reicht das völlig als Anreiz.» Da stets das neuste Bild angezeigt wird, herrsche unter den Gästen eine Art «Competition», weil jeder sein Foto auf dem Rahmen sehen will.

Das führt zu einem Werbeeffekt für Clubs, Bars und Restaurants, ohne dass diese viel Geld oder Zeit dafür aufwenden müssten. Dies sei sogleich die Hauptzielgruppe für das Produkt. «Es funktioniert gut, wenn das Zielpublikum jung ist. Bei einem klassischen Restaurant oder einem Spunten kann ich mir weniger vorstellen, dass der Frame funktioniert.» Allerdings müsse Kamber dies noch genau validieren.

Produziert hat der 29-jährige Interaction Designer bisher drei solche Instaframes. Und das selbstverständlich in Handarbeit. «Den Rahmen habe ich gelasert. Als Technik dient ein simples Tablet, auf dem ich meine Applikation dann installiere», so Kamber.

«Den Instaframe kann man einfach hinstellen, anschalten und schon arbeitet er von selbst.»

Jonas Kamber, Luzerner Interaction Designer

Was das Teil kosten werde, ist sich Jonas Kamber noch nicht ganz sicher. Sicher ist, dass der Instaframe nicht gekauft, sondern gemietet werden kann. «Mit dem Preismodell hadere ich noch. Insbesondere, weil die Gastro-Branche nicht jene ist, die am meisten Geld zur Verfügung hat. Ich strebe momentan den Mietpreis von 69 Franken pro Monat an.»

«Instaframe» für 6 Monate zu gewinnen

Schreiben Sie ins Kommentarfeld, weshalb der Instaframe Ihr Lokal oder Geschäft bereichern würde. Unter allen Kommentierenden verlosen wir einen Instaframe für ein halbes Jahr. Die Teilnahme am Wettbewerb endet am Mittwoch, 3. Juni.

Mit wenig Geld viel Aufmerksamkeit erregen

Das dürfte laut Kamber für die Lokale folgenden Vorteil haben: «Statt dass jemand 200 Franken pro Monat in ein Inserat steckt, das sowieso ziemlich wenig bringt, kann man mit dem Instaframe mit sehr wenig Geld viel Aufmerksamkeit erregen.» Für Gastro-Betriebe sei es ohnehin schwierig, in sozialen Medien aktiv präsent zu sein. «Den Instaframe kann man einfach hinstellen, anschalten und schon arbeitet er von selbst.»

Wie viel Marktpotenzial der Instaframe hat, sei schwer abzuschätzen. «Ich schätze, dass lediglich der Schweizer Markt zirka 100 Instaframes hergibt. Anfragen für das Produkt sind bereits reingekommen.» Auch international dürfte Potenzial vorhanden sein. «Zu regeln gibt es noch Punkte wie den Vertrieb des Geräts.» Sorgen, dass das Gerät bei Gästen nicht gut ankomme, habe Kamber nicht. Die zentrale Frage sei momentan: «Sind die Gastro-Betriebe bereit, dafür zu zahlen, und erkennen sie auch den Mehrwert, den sie dank des Instaframes haben?»

«Geräte bauen, die Menschen zur Interaktion auffordern»

Nebst dem Instaframe stammt auch die Fotobox, quasi ein überdimensionierter Fotoapparat, den man für seinen eigenen Anlass mieten kann, aus Kambers Federn. Und auch da schläft er nicht: «Derzeit bin ich an der zweiten, besseren Version der Fotobox dran.» Zu seiner Motivation, solche Gadgets zu produzieren, sagt er: «Ich möchte Geräte bauen, die Menschen auch nutzen. Weitere Projekte stehen bereits in den Startlöchern», so Kamber. Details will der 29-jährige Luzerner allerdings noch nicht verraten.

 «Verständlich, zielführend, aber trotzdem emotional»

Der Luzerner Jonas Kamber ist selbständiger Interaction Designer. Im Jahr 2011 gründete er mit drei weiteren Personen die Firma Silp, die auch heute noch erfolgreich ist. «Ich musste mal etwas Neues sehen und konnte mir nicht vorstellen, wieder in ein übliches Arbeitsverhältnis zurückzukehren. Ich will meine eigenen Ideen umsetzen und für diese verantwortlich sein», betont Kamber. Derzeit ist er einerseits als Freelancer für Firmen wie local.ch und ricardo tätig, andererseits setzt er seine Ideen, wie die Fotobox oder eben den Instaframe um.

Als Interaction Designer analysiert er Websites und Applikationen, um das Potenzial zu erkennen und so die Ziele des Geschäfts im visuellen Bereich umzusetzen. Was macht gutes Design aus? «Es muss verständlich, zielführend, aber trotzdem emotional sein», erklärt Kamber.

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