Gesellschaft
Wo sich die meisten Verkehrsunfälle ereignen

Hier «chlöpft» es in Zug am häufigsten

Im Jahr 2020 passierten im Kanton Zug vergleichsweise viele Unfälle unter Alkoholeinfluss. (Bild: Zuger Polizei)

Im Kanton Zug gab es bezüglich der Zahl von Verkehrsunfällen im Jahr 2020 kaum Veränderungen zum Vorjahr. Jedenfalls auf den ersten Blick. Denn in einem Punkt kommt der Kanton Zug im Schweizer Vergleich ganz schlecht weg. zentralplus hat die Statistiken durchforstet, und weiss nun, auf welchen Zuger Strassen man besonders aufpassen muss.

Mitte Dezember, Unfall-Hightime, könnte man meinen. Die Strassen sind morgens und spätabends regelmässig gefroren. Iglufahrer kommen in ihren mit Schnee bedeckten Autos aus den Berggegenden herunter. Es wird spät hell und früh dunkel. In der Tat nimmt gemäss der deutschen Statistikdatenbank Statista im Winter die Zahl der Unfälle zu, in denen Fussgänger sowie Autos involviert sind. Gleichzeitig ist jedoch zu bedenken, dass die Zahl der Motorrad- und Fahrradunfälle deutlich abnimmt in der kalten Jahreszeit.

Werfen wir einen Blick auf die Unfallstatistik des Bundes. Wir wollen nämlich zum einen wissen, ob das Corona- und Homeoffice-Jahr 2020 sich auch in den Unfallzahlen niederschlägt. Zum anderen wollen wir herausfinden, wo die Unfall-Hotspots im Kanton Zug im vergangenen Jahr lagen.

Zwei Menschen starben 2020 in Zug bei Unfällen

2020 starben auf den Zuger Strassen gemäss den Angaben des Bundes zwei Personen. 67 Menschen wurden bei Unfällen schwer verletzt. Das sind genau gleich viele wie im Jahr davor. Die These, dass es aufgrund von Corona und vermehrtem Homeoffice zu weniger Unfällen gekommen ist, lässt sich schweizweit nicht bestätigen. Zwar wiesen Kantone vereinzelt deutlich weniger Unfälle auf. So etwa Graubünden mit einem Rückgang von 29 Prozent und Neuenburg mit 26 Prozent weniger schweren Unfällen.

In anderen Kantonen war es jedoch genau umgekehrt. In Basel-Land nahmen besagte Unfälle um rund 36 Prozent zu, in den Zuger Nachbarkantonen Schwyz um über 40 Prozent, in Luzern gar um 54 Prozent. Zug wies mit einer Abnahme von 2,8 Prozent keine nennenswerte Veränderung auf.

Hauptunfallursache Alkohol: Zug ist vorne mit dabei

Eine Tatsache fällt in Zug im Vergleich mit anderen Kantonen 2020 besonders auf. Geht es um Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten mit der Hauptursache Alkohol, hat Zug die Nase ziemlich weit vorne. Neun solcher Unfälle ereigneten sich hier. Pro 10’000 Einwohner waren das 0,71 Unfälle. Nur im Thurgau (0,86) und Genf (1,01) spielte Alkohol bei diesen Unfällen eine grössere Rolle. Knapp hinter Zug in der traurigen Rangliste: Nidwalden mit 0,70 Prozent, Wallis mit 0,69 Prozent sowie Luzern und Tessin mit 0,65 Prozent.

Begeben wir uns, zumindest virtuell, auf die Zuger Strassen. Dort zeichnen sich gemäss der Unfallkarte des Bundes einige Unfall-Hotspots ab. Einer davon ist seit Jahren die Blegikurve. Auch 2020 ereigneten sich im Umfeld der scharfen Kurve sechs Unfälle mit Personenschaden. Bei allen Ereignissen wurden Personen nur leicht verletzt.

2020 ereignete sich kein einziger Unfall an der Zuger Grabenstrasse

Anders als in den vorhergehenden Jahren wurde an der Zuger Grabenstrasse respektive der Neugasse im Jahr 2020 kein einziger Unfall verzeichnet. Das hat aber nichts mit der Einführung von Tempo 30 zu tun, trat diese Massnahme doch erst im März dieses Jahres in Kraft (zentralplus berichtete). Man darf gespannt sein, ob auch das laufende Jahr eine solch gute Bilanz hinterlässt.

Ein weiterer kritischer Abschnitt: Die scharfe Kurve, wo die Marktgasse in Baar zur Neugasse wird und in welche ausserdem die Dorfstrasse einmündet. In den letzten zehn Jahren ereigneten sich an dieser oft unübersichtlichen Kreuzung etwa ein Dutzend Unfälle.

Viele davon waren Einbiege- und Abbiegeunfälle, doch auch Auffahrunfälle zählen dazu. Mehrmals waren Fussgänger involviert. Im vergangenen Jahr ereignete sich nur gerade ein Abbiegeunfall, bei dem ein Fahrrad mitbetroffen war und eine Person leicht verletzt wurde.

Es ist davon auszugehen, dass die Strecke seit diesem Sommer – also seit der Eröffnung der Tangente Zug/Baar – übersichtlicher und auch weniger befahren ist. Dies dürfte sich auf die künftige Unfallstatistik auswirken.

Bei der Blegikurve krachts besonders häufig. (Bild: Zuger Polizei)

Vier Unfälle in einem Jahr am Zuger Seeufer

Unauffällig war 2020 die Situation um den Chamer Bärenkreisel, der über die letzten zehn Jahre hinweg ebenfalls einen Unfall-Hotspot darstellte. Während im Jahr zuvor fünf Unfälle mit Leichtverletzten zu verzeichnen waren, ereignete sich im ersten Coronajahr dort gerade mal ein solches Verkehrsunglück.

Unerfreulich zeigte sich im Frühling und Sommer 2020 hingegen die Situation zwischen Oberwil und Lotenbach. Auf der Artherstrasse beim Murpfli ereigneten sich im April, Juni und August gleich drei Mal Schleuder- oder Selbstunfälle mit Schwerverletzten, einmal zudem einer mit Leichtverletzten. Dies interessanterweise nie zu Stosszeiten, sondern immer etwa um die Mittagszeit.

Einen Ballungsraum für Unfälle stellt auch die Kreuzung beim «Schmittli» in Neuägeri dar. In den letzten zehn Jahren gab’s dort mindestens zehn Unfälle. 2020 stellt keine Ausnahme dar: Neben einem Velounfall mit Leichtverletzten kam es im Mai letzten Jahres zu einem Auffahrunfall mit Schwerverletzten. Man darf hoffen, dass sich die Situation bald entspannt. Der Knoten Schmittli wird im Zuge eines Grosssprojekts ausgebaut und mitunter für Fahrräder und Fussgänger sicherer gemacht (zentralplus berichtete).

Die Krux beim Hafenweg in Zug

Ein weiterer Punkt in unserer – bei weitem nicht abschliessenden – Liste: Der Strassenabschnitt beim Schutzengel, konkret die Chamerstrasse bei der Abzweigung Hafenweg in der Stadt Zug. Auch hier handelt es sich um eine viel befahrene Strasse. Daneben gibt es einen separaten Veloweg, auf dem Velofahrerinnen von abbiegenden Autos gerne mal übersehen werden. Und auch Fussgänger werden nicht immer rechtzeitig erkannt. 2019 ereignete sich beim Fussgängerstreifen ein Unfall mit Schwerverletzten. 2020 kam es an diesem Knoten zu drei Unfälle mit Leichtverletzten, einmal war ein Fahrrad beteiligt.

Apropos angefahrene Velofahrer und Fussgänger: Beim Verkehr, der beim Brüggli und dem zugehörigen Parkplatz an heissen Sommertagen jeweils herrscht, grenzt es beinahe an ein Wunder, dass rund um den Campingplatz in den letzten zehn Jahren nur ein einziger Vorfall zu vermelden war. Konkret handelte es sich um einen Selbstunfall eines Velos im September des Jahrs 2020. Doch auch hier wird sich die Situation über kurz oder lang verändern (zentralplus berichtete).

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