Gesellschaft
Luzerner Gesundheitsdirektor: «Die Lage ist dramatisch»

Kantone schlagen Alarm: Corona-Triage ist bereits nötig

Zahlreiche Spitäler stossen zunehmend an die Belastungsgrenze, warnen die Gesundheitsdirektorinnen. (Bild: Symbolbild: Adobe Stock)

Mit dem Winter schnellen die Corona-Fallzahlen wieder in die Höhe. Die Spitäler gelangen zunehmend an die Belastungsgrenze. Die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren warnen, dass bereits heute mancherorts eine Triage erforderlich ist. Luzern bereitet zudem ein Gesuch um Unterstützung durch die Armee vor.

Die Pandemie spitzt sich drastisch zu. Die Intensivstationen der Spitäler füllen sich immer mehr. Gleichzeitig steht immer weniger Gesundheitspersonal zur Verfügung (zentralplus berichtete). Nun schlagen die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren (ZGDK) Alarm: Die optimale Pflege kann inzwischen nicht mehr immer gewährleistet werden. Mancherorts wird bereits eine Triage erforderlich, teilen sie am Freitag mit.

Diese wird erforderlich, wenn infolge der Überlastung der Intensivstationen Patienten abgewiesen werden. Obwohl diese eine Behandlung nötig hätten. Triage bedeutet, so zu entscheiden, «dass die grösstmögliche Anzahl von Leben gerettet wird». Es haben also diejenigen Patientinnen Priorität, deren Überlebenschance mit Intensivbehandlung hoch, ohne aber sehr tief sind.

Ein Corona-Patient weniger ermöglicht zehn Herzoperationen

«Die Lage in den Spitälern ist dramatisch», sagt Guido Graf, Präsident der ZGDK und Luzerner Gesundheitsdirektor auf Anfrage. «Entweder können wir die Ansteckungskurve jetzt noch brechen, sofern wir uns alle bewegen, oder es trifft uns extrem hart.»

«Nur schon ein Corona-Patient weniger auf der Intensivstation würde rund zehn Herzoperationen ermöglichen.»

Guido Graf, Luzerner Gesundheitsdirektor

Patientinnen mit einer Corona-Erkrankung würden viel mehr IPS-Ressourcen benötigen als etwa ein Herz-Patient. Und bleiben deutlich länger auf einer Intensivstation. Mit der Folge, dass zwar alle behandelt würden, «die gewohnte Qualität aber nicht mehr aufrechterhalten werden kann». Tatsache sei, dass bereits heute Wahleingriffe verschoben werden müssen, was grundsätzlich auch eine Triage sei (zentralplus berichtete).

Impfstatus spielt bei Triage keine Rolle

Nach geltender Praxis spielt der eigene Impfstatus bei Triage-Entscheiden keine Rolle. «Auch wenn die Ressourcenknappheit auf einer Infektionskrankheit beruht, gegen die eine wirksame Impfung vorliegt», wie die ZGDK schreibt.

Die Gesundheitsdirektoren rufen deshalb erneut und eindringlich zur Impfung auf. «Die Realität ist: Ein Viertel bis ein Drittel der IPS-Betten im Kanton Luzern ist heute von Covid-Patienten belegt und die allermeisten von ihnen sind nicht geimpft», sagt Guido Graf. Deshalb sei Impfen auch ein solidarischer Akt für die Gesellschaft. «Nur schon ein Corona-Patient weniger auf der Intensivstation würde rund zehn Herzoperationen ermöglichen.»

Bundesrat will die Schraube anziehen

Der Aufruf kommt zu einem Zeitpunkt, da auch der Bundesrat den Ernst der Lage betont. Er hat am Freitag mehrere Verschärfungen in eine Kurzkonsultation geschickt.

  • Variante 1: In Innenbereichen wird die 2G-Regel mit Masken- und Sitzpflicht eingeführt. Das heisst, Restaurants, Kulturhäuser oder Fitnesszentren wären nur noch geimpften und genesenen Personen vorbehalten. Denn bei ihnen, so argumentiert der Bundesrat, sei der Verlauf der Infektion in aller Regel nicht schwer und eine Hospitalisation nicht nötig. Wo die Maske nicht getragen oder nicht im Sitzen konsumiert werden kann, etwa in Discos, Bars oder bei gewissen Freizeitaktivitäten, ist zusätzlich ein negativer Test nötig (2G-plus-Regel).
  • Variante 2: Es gilt die 2G-Regel mit Maskenpflicht – aber alle Bereiche, in denen keine Maske getragen werden kann, werden geschlossen. Dies betrifft zum Beispiel die Innenbereiche von Restaurants, Fitnesscenter, Discos und Bars. In geschlossenen Sportstadien wäre Essen und Trinken nicht mehr erlaubt. Zulässig blieben sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten in Innenräumen, bei denen eine Maske getragen werden kann.

Unabhängig davon erwägt der Bundesrat zudem die Homeoffice-Pflicht und eine Beschränkung privater Treffen.

Gesuch für Unterstützung der Armee

Die Kantone haben bis am Dienstag Zeit, sich dazu zu äussern. «Ich bin sehr froh, dass der Bundesrat endlich weitere Massnahmen ergreifen will», sagt Guido Graf dazu. Welche Variante er persönlich bevorzugt, lässt er aber offen. Die Luzerner Regierung werde am Dienstag darüber diskutieren.

Klar ist derweil, dass weitere Unterstützung für die Spitäler aufgegleist wird, nachdem bereits der Zivilschutz aufgeboten wurde. Graf: «Der Kanton Luzern ist dabei, ein Gesuch um Unterstützung durch die Armee vorzubereiten.»

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