Gesellschaft

Luzerner Gesundheitsdirektor: «Die Lage ist dramatisch»
Kantone schlagen Alarm: Corona-Triage ist bereits nötig

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 5
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Zahlreiche Spitäler stossen zunehmend an die Belastungsgrenze, warnen die Gesundheitsdirektorinnen. (Bild: Symbolbild: Adobe Stock)

Mit dem Winter schnellen die -Fallzahlen wieder in die Höhe. Die Spitäler gelangen zunehmend an die Belastungsgrenze. Die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren warnen, dass bereits heute mancherorts eine Triage erforderlich ist. Luzern bereitet zudem ein Gesuch um Unterstützung durch die Armee vor.

Die Pandemie spitzt sich drastisch zu. Die Intensivstationen der Spitäler füllen sich immer mehr. Gleichzeitig steht immer weniger Gesundheitspersonal zur Verfügung (zentralplus berichtete). Nun schlagen die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren (ZGDK) Alarm: Die optimale Pflege kann inzwischen nicht mehr immer gewährleistet werden. Mancherorts wird bereits eine Triage erforderlich, teilen sie am Freitag mit.

Diese wird erforderlich, wenn infolge der Überlastung der Intensivstationen Patienten abgewiesen werden. Obwohl diese eine Behandlung nötig hätten. Triage bedeutet, so zu entscheiden, «dass die grösstmögliche Anzahl von Leben gerettet wird». Es haben also diejenigen Patientinnen Priorität, deren Überlebenschance mit Intensivbehandlung hoch, ohne aber sehr tief sind.

Ein Corona-Patient weniger ermöglicht zehn Herzoperationen

«Die Lage in den Spitälern ist dramatisch», sagt Guido Graf, Präsident der ZGDK und Luzerner Gesundheitsdirektor auf Anfrage. «Entweder können wir die Ansteckungskurve jetzt noch brechen, sofern wir uns alle bewegen, oder es trifft uns extrem hart.»

«Nur schon ein -Patient weniger auf der Intensivstation würde rund zehn Herzoperationen ermöglichen.»

Guido Graf, Luzerner Gesundheitsdirektor

Patientinnen mit einer Corona-Erkrankung würden viel mehr IPS-Ressourcen benötigen als etwa ein Herz-Patient. Und bleiben deutlich länger auf einer Intensivstation. Mit der Folge, dass zwar alle behandelt würden, «die gewohnte Qualität aber nicht mehr aufrechterhalten werden kann». Tatsache sei, dass bereits heute Wahleingriffe verschoben werden müssen, was grundsätzlich auch eine Triage sei (zentralplus berichtete).

Impfstatus spielt bei Triage keine Rolle

Nach geltender Praxis spielt der eigene Impfstatus bei Triage-Entscheiden keine Rolle. «Auch wenn die Ressourcenknappheit auf einer Infektionskrankheit beruht, gegen die eine wirksame Impfung vorliegt», wie die ZGDK schreibt.

Die Gesundheitsdirektoren rufen deshalb erneut und eindringlich zur Impfung auf. «Die Realität ist: Ein Viertel bis ein Drittel der IPS-Betten im Kanton Luzern ist heute von Covid-Patienten belegt und die allermeisten von ihnen sind nicht geimpft», sagt Guido Graf. Deshalb sei Impfen auch ein solidarischer Akt für die Gesellschaft. «Nur schon ein Corona-Patient weniger auf der Intensivstation würde rund zehn Herzoperationen ermöglichen.»

Bundesrat will die Schraube anziehen

Der Aufruf kommt zu einem Zeitpunkt, da auch der Bundesrat den Ernst der Lage betont. Er hat am Freitag mehrere Verschärfungen in eine Kurzkonsultation geschickt.

  • Variante 1: In Innenbereichen wird die 2G-Regel mit Masken- und Sitzpflicht eingeführt. Das heisst, Restaurants, Kulturhäuser oder Fitnesszentren wären nur noch geimpften und genesenen Personen vorbehalten. Denn bei ihnen, so argumentiert der Bundesrat, sei der Verlauf der Infektion in aller Regel nicht schwer und eine Hospitalisation nicht nötig. Wo die Maske nicht getragen oder nicht im Sitzen konsumiert werden kann, etwa in Discos, Bars oder bei gewissen Freizeitaktivitäten, ist zusätzlich ein negativer Test nötig (2G-plus-Regel).
  • Variante 2: Es gilt die 2G-Regel mit Maskenpflicht – aber alle Bereiche, in denen keine Maske getragen werden kann, werden geschlossen. Dies betrifft zum Beispiel die Innenbereiche von Restaurants, Fitnesscenter, Discos und Bars. In geschlossenen Sportstadien wäre Essen und Trinken nicht mehr erlaubt. Zulässig blieben sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten in Innenräumen, bei denen eine Maske getragen werden kann.

Unabhängig davon erwägt der Bundesrat zudem die Homeoffice-Pflicht und eine Beschränkung privater Treffen.

Gesuch für Unterstützung der Armee

Die Kantone haben bis am Dienstag Zeit, sich dazu zu äussern. «Ich bin sehr froh, dass der Bundesrat endlich weitere Massnahmen ergreifen will», sagt Guido Graf dazu. Welche Variante er persönlich bevorzugt, lässt er aber offen. Die Luzerner Regierung werde am Dienstag darüber diskutieren.

Klar ist derweil, dass weitere Unterstützung für die Spitäler aufgegleist wird, nachdem bereits der Zivilschutz aufgeboten wurde. Graf: «Der Kanton Luzern ist dabei, ein Gesuch um Unterstützung durch die Armee vorzubereiten.»

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5 Kommentare
  1. Urs Lang, 10.12.2021, 19:26 Uhr

    Bei einer Auslastung von 80%? Verstehe ich nicht.

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    1. Laurin Villiger, 10.12.2021, 19:49 Uhr

      Herr Lang, seit 2 Jahren kauen Sie und andere jetzt auf diesen Fake News rum, dass die IPS «nur 80%» ausgelastet ist. Währenddessen, rackern sich alleine im Kanton Luzern hunderte Intensivpflegefachfrauen, Ärztinnen und Ärzte täglich ab und retten Leben.

      Ihre Aussage ist da einfach nur eine Farce. Was soll denn das heissen? Wollen Sie etwa behaupten, all dieses Personal dreht 20% der Zeit die Däumchen? Das Gegenteil ist der Fall! Sie arbeiten jetzt schon Überstunden, zusätzliche Nachtschichten etc. und können bald nicht mehr. Dazu kommt die emotionale Komponente. Denken Sie, es ist einfach, wenn ein Ungeimpfter in die IPS eingeliefert wird, um sein Leben kämpft und die Angehörigen an die Pflegepersonen nur Ansprüche stellen, selbst aber noch nicht mal geimpft sind?

      Hören Sie bitte mal auf mit der Mär, dass nur 80% der Betten sind – oder 80% der IPS ausgelastet ist. Was doch zählt, ist das Personal, welches diese Impfignoranten pflegen muss, und das ist schon längst 150% ausgelastet und am Limit. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung bestätigen.

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      1. Roli Greter, 11.12.2021, 00:01 Uhr

        Durchatmen und den Fakt akzeptieren dass seit Jahren während dieser Jahreszeit eine Auslastung von 80% angestrebt wird.

        Die Sparpolitik im Gesundheitswesen (vorangetrieben durch Bundesrat Berset) lässt sich übrigens mit wenigen Klicks ganz einfach ergooglen. Stichwort KVG, 2019 etc.

        Viel Spass

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    2. Bob, 11.12.2021, 08:20 Uhr

      Herr Lang. Das Militär wurde schon aufgeboten, meinen sie das wird zum Spass gemacht?

      Ich nehme an, als Gesundheitsexperte haben sie sich schon als Aushilfe im Spital angemeldet?

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  2. Delta, 10.12.2021, 15:53 Uhr

    Was für ein trauriges Zeugnis, vollkommenes Regierungsversagen. Hauptsache der BR hält seine Augen und Ohren verschlossen.

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