Freizeit Gesellschaft

Die Gemeinde sieht keinen Handlungsbedarf
Gefährlicher Spielplatz bereitet Walchwiler Eltern Kummer

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  • Kommentare: 4
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Dieser steile Abhang, rechts vom Kiesweg, macht einigen Walchwiler Eltern zu schaffen. (Bild: wia)

Der Steilhang, der direkt angrenzend zum Spielplatz Usseregg in Walchwil in die Tiefe führt, verängstigt Eltern sowie Kinder. Doch die Gemeinde vertraut auf die Natur.

Hoch über Walchwil liegt ein hübscher, grosszügig angelegter Spielplatz. Die Aussicht bei der Freizeitanlage Usseregg lässt sich sehen. Es gibt genügend Platz um herumzutollen, Kletter- und Schaukelmöglichkeiten, zudem stehen in unmittelbarer Nähe zwei Brätelplätze, wo sich an den Wochenenden ganze Familien und abends Jugendliche tummeln.

Dennoch machen sich viele Anwohner Sorgen um die Sicherheit der Kinder. Während der Spielplatz in Richtung See mit einem Holzzaun gesichert ist, fehlen an einer deutlich prekäreren Stelle sämtliche Massnahmen. Ein Zustand, der bereits seit vielen Jahren unverändert sei.

Ein Kiesweg, einen halben Meter vom Steilhang entfernt

Das sei absolut unzumutbar, findet ein Anwohner, der den Spielplatz regelmässig mit seinem Kind besucht und als Spezialist für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz mit solchen Absturzstellen beruflich zu tun hat. Um uns ein Bild zu machen, treffen wir den Mann vor Ort. Es ist bitterkalt an diesem Januarmorgen, der Spielplatz ist leer. Trotz der garstigen Verhältnisse lässt sich erahnen, wie schön es hier im Sommer sein muss.

Der Einwohner, der lieber anonym bleiben möchte, führt uns einen schmalen Kiesweg entlang, der zum Spielplatz gehört. Er erzählt: «Hier lernen auch kleine Kinder Velofahren und kreuzen einander. Häufig ist das eine wackelige Angelegenheit.»

«Der Wald ist nicht genügend dicht, als dass er einen tiefen Fall verhindern könnte.»

Ein Walchwiler Vater

Kaum einen halben Meter neben dem Weg beginnt der Wald steil abzufallen. «Wenn nun ein Kind vom Weg abkommt oder fällt, dann wird das sehr schnell gefährlich. Zwar würde es wohl beim Fallen von Büschen und Bäumen gebremst, doch ist der Wald nicht genügend dicht, als dass er einen tiefen Fall verhindern könnte.» Zwischen den Bäumen sind zwei Bälle zu entdecken. Die Vermutung liegt nahe, dass es den Spielenden zu heikel war, diese wieder zu holen.

Unappetitlich steil sieht der Abhang vom südlich gelegenen Tobel aus.

Ein teils vertikaler Abhang

Tatsächlich ist der Blick talabwärts ungemütlich. Besonders im Wissen, dass der Hang weiter unten vertikal, ja sogar überhängend wird. Dies lässt sich von der anderen Seite des Tobels klar erkennen.

«Sollte tatsächlich einmal ein Unfall passieren, ist es die Gemeinde, die zur Verantwortung gezogen wird.»

Walchwiler Vater

«Vor rund zwei Jahren schrieb ich der Gemeinde unter anderem wegen dieser unsicheren Stelle einen Brief und forderte sie auf, am Rande des Spielplatzes einen Zaun zu errichten.» Die Crux: Der Wald gehört der Korporation. Der Gemeinde gehört nur der Spielplatz. Entsprechend verwies sie den Mann darauf, dass dies Sache der Korporation sei. Er gibt zu bedenken: «Sollte tatsächlich einmal ein Unfall passieren, ist es die Gemeinde, die zur Verantwortung gezogen wird.»

Kinder kommen auch ohne Eltern auf den Spielplatz

Als Reaktion auf den Brief willigte die Gemeinde ein, sich mit dem besorgten Einwohner vor Ort zu treffen. «Der Chef des Werkhofs schaute sich die Sache an und winkte dann ab. Er erklärte, dass er selbst hier als Junge hinaufgeklettert sei und dass alles halb so wild sei. Ausserdem werde der Wald mit der Zeit stärker verwachsen, und letztlich liege es sowieso in der Verantwortung der Eltern, dass nichts passiere.»

Ein Argument, das unsere Quelle so nicht hinnehmen kann: «Es kommen auch Kinder ohne ihre Eltern hierher zum Spielen oder auch ganze Schulklassen. Und was ist mit den Jugendlichen, die hier abends allenfalls einen über den Durst trinken?»

Auch zahlreiche Besucher von anderen Kantonen kämen hierher, die von der Gefahrenstelle nichts wüssten. «Da es ein öffentlicher Platz ist, gehen die Leute davon aus, dass es genug sicher ist, um die Kinder herumrennen zu lassen.»

«Die Situation ist nicht vergleichbar mit einem Wanderweg. Bei einer Wanderung sind Kinder nie alleine unterwegs.»

Walchwiler Vater

Gefälle wie dieses hier trifft man beispielsweise beim Wandern häufig an. Dort gibt es in solchen Fällen selten Sicherheitsmassnahmen. Wieso sollte es also hier welche brauchen? «Die Situation ist nicht vergleichbar. Bei einer Wanderung sind Kinder nie alleine unterwegs. Ausserdem handelt es sich hier um einen öffentlichen Spielplatz, weshalb die Gemeinde in der Verantwortung wäre, etwas zu tun.

Der Walchwiler verweist auf die Gesetzeslage. «Bei einem Gefälle von mehr als 45 Grad und der Möglichkeit, mehr als einen Meter weit zu fallen, braucht es einen nicht besteigbaren Zaun von mindestens einem Meter Höhe», erklärt der Mann. Tatsächlich ist dies so im Ratgeber der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) vermerkt.

Gemeinde bestätigt regelmässige Kontrollen vor Ort

Stefan Jäggi, der Leiter Sicherheit der Gemeinde, erklärt gegenüber zentralplus, dass alle Spiel- und Sportanlagen der Einwohnergemeinde Walchwil periodisch geprüft werden. «Der Technische Dienst macht wöchentlich protokollierte Sichtkontrollen, viermal jährlich eine Funktionskontrolle und einmal jährlich wird von einem versierten Fachmann gemäss den BFU-Richtlinien alles kontrolliert, protokolliert und teilweise auch gleich ersetzt.»

Während des Spielplatzbaus habe man ein Gefahrenpotenzial in Blickrichtung Zugersee festgestellt, dieses sei mit zwei Zäunen breiträumig eliminiert worden.

Pflanzen, die sich mit der Zeit verdichten

Auch nach Abschluss des Spielplatzbaus im Jahre 2011 habe man die gesamte Anlage von der BFU abnehmen lassen, so Jäggi weiter. «Auch die Pflanzenhecke entlang des südseitigen Gehweges ist anerkannt worden.» In Absprache mit der Korporation habe die Gemeinde zudem festgehalten, dass die Unterhaltsarbeiten vom Waldgehölze so ausgeführt würden, dass eine dichte Pflanzenhecke aufkomme.

«Zu diesem Zwecke wurden zusätzliche Pflanzungen vorgenommen, die sich zusehends verdichten und ihren Zweck vollumfänglich erfüllen. Auf die Erstellung eines Lattenzauns oder eines Drahtgefechts wird demnach verzichtet», erklärt der Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde.

«Wir verzichten auf eine erneute Beurteilung der Situation.»

Stefan Jäggi, Sicherheitsverantwortlicher Gemeinde Walchwil

Wegen der genannten Gründe ist die Einwohnergemeinde Walchwil der Ansicht, dass sie der Sicherheit in diesem Bereich genügend Aufmerksamkeit schenke. Wie dies auch aus dem Schlussbericht der BFU zu entnehmen sei. «Deshalb verzichten wir auf eine erneute Beurteilung der Situation», so Jäggi weiter.

Auf die Frage, wie die Gemeinde mit dem Wissen umgeht, dass der Spielplatz mitunter von Kindern ohne Begleitung ihrer Eltern besucht werde, antwortet er: «In diesem Zusammenhang machen wir auf die vor Ort angeschlagene Benutzerordnung der Freizeitanlage aufmerksam, wonach die Aufsicht von Kindern Sache der Erwachsenen ist.»

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4 Kommentare
  1. Cla Butth, 31.01.2022, 01:12 Uhr

    Unappetitlich steil sieht der Abhang vom südlich gelegenen Tobel aus. (Bild: zvg). Wird er denn gegessen?

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  2. Heimwehberner, 28.01.2022, 18:20 Uhr

    Sind das diese Eltern deren Kinder auch auf dem Spielplatz einen Helm tragen müssen? Dafür werden sie dann mit dem SUV sicher nach Hause gefahren.
    Sehe hier kein Problem oder nur ein Eingebildetes. Das Leben kann zeitweise durchaus «gefährlich» sein.

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  3. Tobias Mueller, 28.01.2022, 16:27 Uhr

    Vom vorliegenden Bericht abzuleiten, scheint dies ein akuter Fall von Helikopterelternitis zu sein. Das Fazit des Werkhofchefs zeugt von wohltuender Bodenhaftigkeit. Als Kinder haben wir steilere Hänge erkundet; ab und zu gewann halt eben die Schwerkraft.

    Und betreffend der «Jugendlichen, die hier abends allenfalls einen über den Durst trinken»: Wer besoffen einen Hang runterpurzelt, ist a) selber schuld und b) eine Lebenserfahrung reicher.

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  4. Micky Maus, 28.01.2022, 15:03 Uhr

    Und noch einmal…… Es obliegt allein in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, sie über mögliche Gefahren aufzuklären und ihnen den Umgang mit diesen beizubringen! Ist das Kind zu klein, um all das zu verstehen, dann ist es die PFLICHT der Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder sicher sind. Wird heute leider viel zu oft vergessen!

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