Gesellschaft
Wegen Corona pausieren viele

Freiwilligenarbeit in Zug: Senioren engagieren sich seltener

Aus Respekt vor der Corona-Pandemie haben viele Rentner die Freiwilligenarbeit wie Besuche an den Nagel gehängt. (Bild: Unsplash/Georg Arthur Pflüger)

Fast die Hälfte aller 60- bis 74-Jährigen in der Schweiz leistet Freiwilligenarbeit in Vereinen und Organisationen. Wie nun eine Studie der Hochschule Luzern zeigt, erleidet deren Engagement durch die Corona-Pandemie einen Dämpfer.

Fahrdienste für körperlich Beeinträchtigte, Suppe ausgeben am Mittagstisch oder Mithilfe im Büro eines Vereins: Viele Zugerinnen legen nach der Pensionierung nicht die Füsse hoch, sondern engagieren sich freiwillig. Gemäss jüngsten Zahlen des «Freiwilligenmonitor Schweiz» leisten 45 Prozent der 60- bis 74-Jährigen Freiwilligenarbeit. Mit ihnen haben sich Mario Störkle und Stephan Kirchschlager von der Hochschule Luzern beschäftigt.

In ihrer Studie haben sie untersucht, wie sich das Engagement älterer Personen in den ersten zwei Wellen der Corona-Pandemie entwickelt hat. Dabei zeigt sich: Die Tätigkeiten in der Freiwilligenarbeit haben einen Dämpfer erlitten. Während die Pandemie den Einsatz jüngerer Personen beflügelt hat, ziehen sich die über 65-Jährigen zurück (zentralplus berichtete).

Ein Viertel gibt freiwilliges Engagement auf

Die erste Corona-Welle (in der Studie von März bis Mai 2020 definiert) war von grosser Unsicherheit geprägt. So geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie ihre freiwillige Tätigkeit zumindest pausiert haben. Rund ein Viertel hat das freiwillige Engagement gar ganz an den Nagel gehängt. Als Grund nennen viele die Verordnungen ihres Vereins, das eigene Alter oder die Zugehörigkeit zur Risikogruppe.

In der zweiten Welle (in der Studie von Oktober 2020 bis Januar 2021 definiert) hat noch knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent) pausiert. Ihre Tätigkeiten eingestellt haben 13 Prozent. Anscheinend greift hier ein Vertrauen an die Schutzmassnahmen: Rund 71 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie ihre Freiwilligenarbeit so angepasst haben, dass sie diese mit den nötigen Schutzvorkehrungen weiterhin vor Ort ausführen können. So zum Beispiel durch digitale Tools wie Zoom.

Angst ist ein grosser Treiber der Zurückhaltung

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Verein benevol Zug, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit im Kanton Zug. Sie führt aktuell keine Erhebungen zur Zielgruppe der über 65-Jährigen durch, weshalb sie keine definitiven Aussagen machen kann. Dennoch würden sich in Gesprächen mit Freiwilligen und Einsatzorganisationen ähnliche Tendenzen wie in der Studie zeigen, so Estefania Garcia Jung, Leiterin der Fachstelle.

Sie hätten von Organisationen gehört, dass diese einige Freiwillige «verloren» hätten, die bisher auch noch nicht zurückgekehrt seien. Als Rückmeldung wurden viele Gründe genannt, unter anderem «Ängste, Gesundheit, Familie oder das Bedürfnis für etwas Neues», so Garcia Jung. Gerade ängstliche oder zur Risikogruppe gehörende Freiwillige sind entweder kürzergetreten oder haben sich ganz zurückgezogen.

Estefania Garcia Jung (Mitte) von Benevol Zug erzählt, dass sich die Anzahl Freiwilliger nach einigen Schwankungen wieder eingependelt hat. (Bild: benevol)

Andererseits gehen inzwischen auch einige «weniger ängstliche Personen» ihrem freiwilligen Engagement wieder nach. Diese würden sich unter anderem durch die Impfung und die bewährten Schutzkonzepte sicher fühlen, wieder einen Einsatz leisten zu können. Andere wiederum motiviere «wohl auch das Bedürfnis, sich wieder zu engagieren und Kontakte zu pflegen», mutmasst Garcia Jung.

Auch auf der anderen Seite der Engagements macht sich ein Einfluss der Corona-Pandemie bemerkbar. So habe Garcia Jung vernommen, dass teilweise auch nutzniessende Personen zunehmend zurückhaltend seien. Einige Personen, die beispielsweise von Freiwilligen besucht oder begleitet werden, lassen keinen Kontakt mehr zu, «was leider zu einer Vereinsamung führt», bedauert Garcia Jung.

Durch andere Freiwillige ausgeglichen

Ganz so schlimm sieht es für die Freiwilligenarbeit im Kanton Zug jedoch keinesfalls aus. «Allgemein können wir sagen, dass die Beliebtheit der Freiwilligen-Stellenbörse nach wie vor hoch ist», so Garcia Jung. Die Anzahl Bewerbungen auf ihre ausgeschriebenen Einsätze habe sich nach ein paar Schwankungen wieder eingependelt.

Gerade bei den jüngeren Freiwilligen, die sich zu Beginn der Pandemie häufig gemeldet haben, haben einige ihre Tätigkeit wieder eingestellt. Auch hier seien die Gründe vielseitig: So wurde beispielsweise die Kurzarbeit wieder aufgehoben, Branchen sind wieder aufgegangen oder Mitarbeiter wurden zurück ins Büro beordert. Doch einige der jüngeren Freiwilligen seien auch geblieben, fügt Garcia Jung an. Es sei aber noch zu früh zum beurteilen, ob der Trend zur Freiwilligenarbeit nachhaltig sei.

Über Benevol Zug

Der gemeinnützige Verein Benevol Zug führt seit 2001 die Fachstelle für Freiwilligenarbeit mit dem Ziel, freiwilliges und ehrenamtliches Engagement im Kanton Zug auf allen Ebenen zu fördern. Er ist Anlaufstelle für alle Anliegen rund um die Freiwilligenarbeit. Schwerpunkte bilden die Beratung, Vermittlung und Weiterbildung sowie Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Informationen findest du hier.

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