Gesellschaft
Weltfrauentag im Vögeligärtli

Feministinnen rufen in Luzern zum Kampf gegen das Patriarchat auf

Viele Frauen im Vögeligärtli in Luzern waren wütend. (Bild: ida)

«So hässig»: Um die 100 Frauen fanden an diesem Montagnachmittag im Vögeligärtli in Luzern zusammen. Die Feministinnen sind hässig. Denn ihre Forderungen, der Kampf um ihre Rechte, sind durch Corona aktueller denn je.

«Was kotzt uns so richtig an? Die Einteilung in Frau und Mann.»

Es sind klare Worte, die auf dem Transparent stehen. Frauen haben es zuvor aus den Fenstern des Gebäudes der ZHB gerollt. Auch vis-à-vis vom Vögeligärtli hängen Transparente an den Fassaden. «Lieber gleich berechtigt als später», heisst es da. «Yes means Yes – No means No.»

Die Sonne drückt hinter den Wolken hervor. Kinder sitzen auf der Schaukel, ein paar Jungs spielen Pingpong, ein Senior ruht sich auf der Bank aus. Ein Vogel zwitschert. Noch ist es ruhig.

«Für ein selbstbestimmtes Leben den Herrschenden den Laufpass geben.» (Bild: ida) (Bild: )

Bald schon hören wir Fahrradglockengeklingel, Geschrei und Lärm. Gut ein halbes Dutzend Frauen umkreist mit ihren Velos das Vögeligärtli in Luzern. Dieses nehmen sie für heute in Beschlag. Es ist Weltfrauentag. Und hier, im beschaulichen Vögeligärtli machen die Frauen auf prekäre Arbeitsverhältnisse, den Pflegenotstand, häusliche Gewalt und Sexismus aufmerksam. Die Sitzbänke sind mit lila, rosafarbenen und violetten Stoffen überzogen, Transparente hängen überall. Mit Kreide steht am Boden geschrieben: «Frauen kämpfen international – gleiche Rechte fordern wir global.»

Um kurz vor 15.24 Uhr schreiten Frauen von der Morgartenstrasse her in den Park. «Abriss dem Patriarchat» steht auf dem Transparent, das sie vor sich hertragen.

So marschierten die Frauen ins Vögeligärtli. (Bild: ida) (Bild: )

Es ist Punkt 15.24 Uhr: Die eigentliche Aktion zum Tag der Frau beginnt. Weil Frauen ab jetzt bei einem klassischen 8-Stunden-Tag gratis arbeiten. Denn im Durchschnitt verdienen sie 20 Prozent weniger als Männer.

«Was kotzt uns so richtig an?», schreit Isa, welche lieber nur bei ihrem Vornamen genannt werden möchte, ins Megafon. «Die Einteilung in Frau und Mann», kommt es als Echo zurück. Geschätzt 150 Frauen fanden im Vögeligärtli zusammen.

«Mer send emmer no hässig», sagt Miriam Helfenstein, welche die Kundgebung mitorganisiert hat. «Es kann nicht sein, dass wir in einer Welt leben, in der Patriarchat und Kapitalismus Hand in Hand verhindern, dass alle Menschen frei sind. Frei sind in ihrem Leben und Tun, frei in ihrem Geschlecht, in ihrer Sexualität, in ihrem Denken.» Betreuungs-, Haus- und Pflegearbeit – kurz Care-Arbeit – wird zum grössten Teil von FINT-Personen übernommen. Mit FINT-Menschen sind Frauen, Inter, Non-Binäre und Transpersonen gemeint. Der Slogan des feministischen Streiks «Ohne uns steht alles still» sei durch die Coronakrise aktueller denn je.

Miriam Helfenstein bei ihrer Rede. (Bild: ida) (Bild: )

Obwohl Care-Arbeit systemrelevant ist, werde sie am schlechtesten oder gar nicht bezahlt. Es sind Pflegerinnen, die von den Balkonen aus beklatscht wurden, doch weiterhin unterbezahlt und überlastet seien. Sexarbeiterinnen, die durch Arbeitsverbote noch häufiger in die Armutsbetroffenheit fallen. Oder häusliche Gewalt, die während Corona vielerorts zugenommen hat.

«Lasst uns aus dieser nonbinären Gesellschaft ausbrechen, das Patriarchat stürzen», sagt nun eine Rednerin ins Mikrofon. Die Frauen applaudieren.

Selbst Helvetia kreuzte im Vögeligärtli auf. (Bild: ida) (Bild: )

Später sorgt eine DJane für gute Stimmung. T-Shirts können bedruckt werden, Frauen reden, geniessen, faulenzen und tanzen. Ruhig werden sie so schnell jedoch nicht. Auch im Vögeligärtli werden die Plattenteller noch weiter gedreht. Abends geht es mit den Velos weiter nach Stans: Das Frauen-Trychlen ruft nämlich.

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