Gesellschaft
Krawalle nach FCL gegen FCZ

«Fans haben die Konfrontation gesucht»

Abzug der FCZ-Fans nach dem Spiel vom Bundesplatz Richtung Bahnhof. Zu diesem Zeitpunkt war wieder Ruhe eingekehrt. (Bild: zvg)

Die Luzerner Polizei verteidigt ihren Einsatz nach den Ausschreitungen vom Pfingstmontag. Weil die beiden Lager aktiv auf eine Schlägerei aus waren, sei es unmöglich gewesen, einzelne Scharmützel zu verhindern. Liess sich die Polizei von der Gewaltbereitschaft der Fans überraschen? Der Mediensprecher dementiert.

Nach der Massenschlägerei zwischen FCL- und FCZ-Fans am Montagabend nimmt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, gegenüber zentral+ Stellung.

zentral+: Urs Wigger, was ist bislang über die bei den Krawallen entstandenen Sachbeschädigungen bekannt?

Urs Wigger: Es wurden diverse Fahrzeuge, Gebäude oder Einrichtungen beschädigt. Die Höhe des Sachschadens kann noch nicht beziffert werden.

zentral+: Bei einem Gummigeschosseinsatz beim Bahnübergang Volta-/Eschen-/Moosmattstrasse traf es eine Scheibe, die zu Bruch ging. Kommen solche Kollateralschäden öfters vor?

Wigger: Das kann beim Einsatz von Gummischrot vorkommen. Diesbezüglich wird die Polizei mit den Geschädigten Kontakt aufnehmen, um den Schaden zu regeln.

zentral+: Von wie vielen Verletzten aus welchen Fanlagern weiss die Polizei? Kamen auch Unbeteiligte oder Polizisten zu Schaden?

Wigger: Bei der Polizei gingen keine Meldungen über verletzte Personen ein.

zentral+: Wieso liess die Polizei die Zürcher Fans nach dem Spiel zum Bahnhof laufen? Nach den Vorfällen letzten Sommer mit den gleichen Fangrupppen und der kurzen Keilerei durch FCZ-Fans gestern im Stadion – war es nicht absehbar, dass es Ärger geben würde?

Wigger: Diese Entscheidung traf die Einsatzleitung aufgrund der Lagebeurteilung bereits vor dem Spiel. Mit dem Extrazug reisten rund 600 Fans aus Zürich an. Die Gewaltbereitschaft eines Teils dieser Fans ist bei der Polizei bekannt. Beim letzten Heimspiel gegen den FCZ wurden die Busse mit den Gästefans von den FCL Fans angegriffen.

zentral+: War es nicht so, dass die Zürcher nach dem Spiel nicht in die Busse steigen wollten und sie die Polizei aus Angst vor noch grösseren Problemen zum Bahnhof laufen liess?

«Man musste damit rechnen, dass es äusserst gewaltbereite Fans in dem Pulk hat».

Wigger: Nein. Den FCZ-Fans wurde bereits im Vorfeld des Spiels zugesagt, dass sie zum Stadion gehen dürfen.

zentral+: Hat die Polizei die Gewaltbereitschaft gewisser Fans unterschätzt? Speziell gelten ja auch gewisse Zürcher Gruppierungen als sehr gewaltbereit?

Wigger: Nein, aufgrund der Vorfällen in den letzten Spielen musste man damit rechnen, dass es äusserst gewaltbereite Fans in dem Pulk hat.

zentral+: Die Krawalle zischen Volta- und Eschenstrasse, auf dem Trassee der alten Zentralbahn, waren doch absehbar: Die Fans sehen sich durch die Häuser hindurch, provozieren sich, und dann krachts. Warum hat die Polizei das nicht verhindern können?

Wigger: Das Ziel der Polizei ist es, die gewaltbereiten Gruppierungen zu trennen. Dies ist gestern bis auf einige Ausnahmen gelungen.

«Da die konfrontationssuchenden Personen die jeweilige Route verlassen haben, kam es zu Auseinandersetzungen.»

zentral+: Einige Ausnahmen? Das waren ein paar Dutzend, die aufeinander losgingen.

Wigger: Grundsätzlich ist der Abmarsch so geregelt, dass die Fangruppen aufgrund der Route nicht aufeinander treffen. Da die konfrontationssuchenden Personen die jeweilige Route verlassen haben, kam es zu Auseinandersetzungen. (Anmerkung der Red: Ursprünglich sagte der Polizeisprecher, alle FCL-Fans seien von der vereinbarten Route abgewichen. Nach Rückmeldungen einiger unserer Leser, dass das nicht korrekt sei, hat die Polizei die Aussage wie oben korrigiert und sich für das Missverständnis entschuldigt). Diese wurde beidseitig aktiv gesucht. Die Angriffe gingen in der Folge an mehreren Schauplätzen weiter. Nachdem die Polizei Gummischrot einsetzte, konnte die Lage allmählich beruhigt werden. Wenn man den gesamten Einsatz, die Einsatzdauer und die Einsatzstrecke betrachtet, kann man meiner Ansicht nach durchaus von einigen Ausnahmen sprechen. Zumal ja die Fans die Konfrontation aktiv gesucht haben.

zentral+: Nimmt die Polizei Schlägereien eher in Kauf, wenn sich nur jene prügeln, die das auch suchen und keine Unbeteiligten in Gefahr sind?

Wigger: Nein, das ist nicht der Fall.

zentral+: Wie beurteilt die Polizei Fanmärsche künftig?

Wigger: Die Luzerner Polizei beurteilt vor jedem Spiel die aktuelle Lage und tritt mit dem Veranstalter und sämtlichen involvierten Partnerorganisationen in Kontakt. Je nach Situation und Gefährdungsstufe wird der Anlass eingestuft und die entsprechenden Polizeikräfte aufgeboten. In diesen Beurteilungsprozess sind auch die Fanmärsche eingebunden.

zentral+: Wie haben sich aus polizeilicher Sicht die FCL-Fans verhalten?

Wigger: Es kam zu gegenseitigen Angriffen aus beiden Fanlagern.

zentral+: Wie verlief die Heimreise der Zürcher Fans ab Bundesplatz bis in die Züge?

Wigger: Diese verlief relativ ruhig. Der Extrazug fuhr mit etwas Verspätung ab.

zentral+: Hat die SFL gestern in Luzern im Stadion und ausserhalb gefilmt?

Wigger: Die Bewilligungsinstanz innerhalb und um das Stadion liegt beim FC Luzern. Auf öffentlichem Grund bei der Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern.

HINWEIS: WAS DER FCL ZU DEN AUSSCHREITUNGEN SAGT, LESEN SIE HIER AUF ZENTRAL+ AB DIENSTAGABEND.

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