Gesellschaft
Knatsch um Schweinestall in Meggen

«Fakten statt Emotionen»: Gemeinde kritisiert betroffene Bauernfamilie

Die Familie Hofer fürchtet um ihre Existenz, wenn sie keinen Ersatzbau für den Stall finanzieren kann.

(Bild: zvg)

Das Medienecho und die Welle der Solidarität mit der Familie Hofer aus Meggen ist riesig. Wegen des drohenden Abrisses des Schweinestalls geriet auch die Gemeinde ins Kreuzfeuer der Kritik. Nun verlangt der Gemeinderat «Fakten statt Emotionen». Die Aussagen der Familie scheinen nicht über alle Zweifel erhaben. 

Der Fall einer Megger Bauernfamilie sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Zur Erinnerung: Weil sich Anwohner über das Stinken der Tiere beschwert hatten, ist eine Fortführung des Bauernbetriebs nicht mehr möglich. Nun steht die Existenz von Familie Hofer auf dem Spiel (zentralplus berichtete).

Es folgte eine Welle der Solidarisierung. «Eine Schweinerei! Auch ich rieche zwar nicht gerne Saugülle. Aber ich ziehe nicht in die Nähe eines Schweinestalls …», schreibt eine Leserin als Kommentar zu dem Artikel, in dem zentralplus die Geschichte der Familie Hofer erzählt. Der Tenor: Der Bauernhof Hochrüti, der seit sieben Generationen von der Familie Hofer betrieben wird, war zuerst da. Zuzüger dürfen sich nicht beschweren. 

Gemeinde Meggen rechtfertigt sich

Auch die Gemeinde Meggen steht dabei in der Kritik. Bauer Hofer macht aus seinem Unmut kein Geheimnis und moniert mangelnde Unterstützung. Gleichzeitig zeigt er sich wenig zuversichtlich, überhaupt noch auf Hilfe der Behörden zählen zu können. Gemeindepräsident Urs Brücker erklärte letzte Woche, dass ihn der Fall zwar berühre, eine Schweinezucht in diesem Umfang jedoch an diesem Standort nicht möglich sei (zentralplus berichtete).

Nun sieht sich die Gemeinde Meggen erneut gezwungen, zur Situation Stellung zu beziehen. «Fakten statt Emotionen», so die Überschrift der Medienmitteilung diesen Donnerstag. Der Gemeinderat äussert darin zwar Empathie mit der Familie, rollt jedoch auch die Geschichte des Hofes, und die damals gemachten Entscheidungsprozesse in Meggen auf.

Die Gemeinde verweist darauf, dass die heute bestehende Ortsplanung im Gebiet Hochrüti unter anderem die Folge der Bauernfamilie selbst ist. Diese habe zwischen den Jahren 1957 bis 1966 knapp 7’000 Quadratmeter Land ihrer Liegenschaft verkauft. Dieses befindet sich unterhalb des Schweinestalls, also da, wo heute mehrere Villen und Einfamilienhäuser stehen.

Zum Zeitpunkt der ersten Umzonung im Jahr 1977 war diese Landfläche, so die Gemeinde, bereits mehrheitlich überbaut, sodass die Gemeinde dieses Gebiet zwangsläufig einer Bauzone zuweisen musste.

Aus wenigen Mastschweinen wurden plötzlich 20 Zuchtschweine

Das Kernproblem sei jedoch ein anderes: Seit 2015 betreibe die Familie nicht nur sieben Mastschweine wie zuvor, sondern eine Schweinezucht mit 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern. Die Umstellung von Mast- zu Zuchtschweinen erforderte bauliche Veränderungen, welche ohne Bewilligung erstellt wurden, so die Gemeinde. Bauer Hofer gab sich bisher unwissend, dass überhaupt eine Bewilligung nötig gewesen wäre. 

Das benachbarte Grundstück wurde im Jahr 2013, also noch vor der grösseren Schweinezucht, durch den heutigen Grundeigentümer erworben, hält die Gemeinde fest. Als sich mit der Erweiterung der Schweinehaltung auch die Geruchsbelastung intensivierte, legte dieser eine Geruchsklage ein. Ein Abbruch des Gebäudes wurde jedoch nicht verfügt, lediglich eine Stilllegung des bestehenden Stalls.

Gemeinde bezweifelt Aussagen der Familie Hofer

Zusätzlich kritisiert die Gemeinde die gemachten Angaben der Bauernfamilie. «Mehrmals legte die Familie Hofer dar, dass die Schweinehaltung in etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens ausmacht», meint die Gemeinde.

Nach einer Prüfung der Unterlagen des Betriebes dürfte jedoch die Haltung der 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern deutlich weniger als die 50 Prozent des Erwerbes der Familie ausmachen.

Wie geht es weiter?

Die laut der Gemeinde Meggen gestartete Spendenaktion soll dazu dienen, dass ein neues Stallgebäude erstellt werden kann. «Bis zum heutigen Zeitpunkt liegt jedoch kein bewilligungsfähiges Bauprojekt vor.» Die Gemeinde fügt an: «Im Rahmen der Vorabklärung hat die Familie Hofer lediglich Standorte für die Erstellung von zwei Gebäuden aufgezeigt, für welche die kantonale Fachstellen keine Bewilligung in Aussicht stellen konnten.»

Weitere Standorte wurden bis anhin nicht geprüft. Im Moment könne deshalb nicht geklärt werden, wann und wo ein möglicher Neubau realisiert werden könnte.

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