Gesellschaft

Gasthaus in Hergiswald schliesst Ende Jahr
«Einfältiger Klotz» ist vom Tisch – rustikaler Neubau soll Gemüter beruhigen

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Fügt sich um einiges besser ins Landschaftsbild ein als das erste, moderne Neubauprojekt: Visualisierung des neuen Gasthauses im Hergiswald. (Bild: zvg)

Im zweiten Anlauf will die Albert Koechlin Stiftung jetzt endlich das Gasthaus Sonne bei der Wallfahrtskapelle Hergiswald ersetzen. Statt auf moderne Architektur setzt man beim neuen Projekt auf überlieferte Bautechnik mit viel Holz. Ein Desaster wie vor fünf Jahren will man vermeiden.

Sobald die Baubewilligung da ist, fahren im Hergiswald die Bagger auf und machen das Gasthaus Sonne platt. Wie die Albert Koechlin Stiftung am Mittwoch mitteilte, soll das neue Gasthaus durch einen auf den bestehenden Grundmauern ruhenden, neuen Holzbau ersetzt werden.

«Im besten Fall eröffnen wir das neue Gasthaus noch 2017.»

Marianne Schnarwiler, Geschäftsführerin Albert Koechlin Stiftung

Das Bauprojekt stammt vom Bündner Architekturbüro Gion A. Caminada und der Luzerner Agentur Freiraumarchitektur. Laut Communiqué wurde das Baugesuch bei der Gemeinde Kriens bereits eingereicht.

Nach Weihnachten sperrt der Pächter zu

Der bisherige Pächter Bruno Bühler hat per Ende 2016 gekündigt und schliesst am Stephanstag den Betrieb. Das Restaurant werde deshalb nach seinem Wegzug nicht neu verpachtet und bleibe bis auf Weiteres geschlossen, heisst es in der Mitteilung. Vielmehr soll so bald wie möglich eine zeitgemässe Infrastruktur entstehen.

 

Heimeliges Interieur, schöne Aussicht, gepflegtes Dekor: Gaststube der «Sonne» in Hergiswald.

Heimeliges Interieur, schöne Aussicht, gepflegtes Dekor: Gaststube der «Sonne» in Hergiswald.

(Bild: zvg)

Marianne Schnarwiler, Geschäftsführerin der Albert Koechlin Stiftung, hofft, «das neue Gasthaus im besten Fall noch 2018 zu eröffnen». Doch der Baubeginn hänge davon ab, ob es Einsprachen und Auflagen durch die Gemeinde gebe.

Die neue Wirtschaft soll ein Restaurant mit rund 60 Sitzplätzen umfassen, eine moderne Küche im Erdgeschoss, einen Saal im 1. Stock, fünf Gästezimmer sowie eine 4,5-Zimmer-Wohnung für den Pächter. Zusätzlich ist auch eine «Pilgerstube» für besondere Feiern vorgesehen.

Mehr Platz für den Glögglifrosch

Errichtet wird es in herkömmlicher Blockbauweise. Auch die Gestaltung der hölzernen Fassade lehnt sich tendenziell an überlieferte Bauformen des Alpenraums an. Einzig im Erdgeschoss und im 1. Stock sind grössere Glasflächen vorgesehen.

Auch die Umgebung soll aufgewertet werden: Thujahecken und Kirschlorbeer kommen weg und werden durch einheimisches Gehölz ersetzt.

Die auf Hergiswald heimische Population der stark gefährdeten Geburtshelferkröten (Glögglifrosch) soll neue Lebensräume erhalten und einige Parkplätze werden versetzt.

«Liebloser Klotz»

Mit diesem Projekt will man einem Desaster wie vor fünf Jahren vorbeugen. 2009 hatte die Albert Koechlin Stiftung versucht, ein modernes, höher an den Hang versetzes Neubauprojekt zu lancieren. Der Betonbau stiess auf massiven Widerstand.

Erinnerte an die Bergstation eines Sessellifts: Gescheitertes  Neubauprojekt der Albert-Koechlin-Stiftung.

Erinnerte an die Bergstation eines Sessellifts: Gescheitertes  Neubauprojekt der Albert-Koechlin-Stiftung.

(Bild: zvg)

Für die auf Ortsbild- und Landschaftspflege ausgerichtete Stiftung Archicultura war es nicht hinnehmbar, dass anstelle des 1795 erbauten Gebäudes ein «modernisierter Klotz hingestellt wird – lieblos, bezugslos und einfältig», wie sie argumentierte. Sie ging vor Bundesgericht und 2011 zog die Albert Koechlin Stiftung ihr Baugesuch zurück.

Mit Archicultura hat sich die Albert-Koechlin-Stiftung fürs neue Bauprojekt zwar nicht zusammengesetzt. Aber sonst viele Gespräche mit verschiedenen Anspruchsgruppen geführt, um den Neubau möglichst breit abzustützen, wie Marianne Schnarwiler auf Nachfrage sagt.

Stiftung sanierte bereits die Wallfahrtskirche

Der Wallfahrtsort Hergiswald, oberhalb von Kriens, besteht aus mehreren Bauten am Waldrand. Die Albert Koechlin Stiftung hat im März 2002 die Kirche, das Gasthaus Sonne und das Ökonomiegebäude von der Kapellenstiftung Hergiswald der Kirchgemeinde Luzern im Baurecht übernommen.

Das Prunkstück der Anlage ist die Wallfahrtskirche mit der wertvollen Loretokapelle. Nachdem die Albert Koechlin Stiftung 2003 bis 2006 eine aufwendige Gesamtrestaurierung der Kirche durchgeführt hat, wollte sie das dringend sanierungsbedürftige Gasthaus auf Vordermann bringen.

So sieht die «Sonne» zur Zeit aus.

So sieht die «Sonne» zurzeit aus.

(Bild: zvg)

 

Noch 2006 hatte man damit gerechnet, dass eine Renovation der «Sonne» drei Millionen Franken kosten würde, wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtete. Wegen des schlechten Zustands des Hauses entschied man sich aber für einen Neubau. Der gescheiterte Betonklotz sollte dann sechs Millionen Franken kosten.

Nun will sich Marianne Schnarwiler von der Albert Koechlin Stiftung nicht darauf festlegen, wie viel für den Neubau geplant sind. «Das sind lediglich Schätzungen», sagt sie. Das könne man wirklich noch nicht sagen.

Neue Heizung für alle Bauten auf Hergiswald

Teil des Erneuerungsprojekts ist auch die Stallscheune, die ebenfalls instand gestellt wird und dann der Stiftung Pro Hergiswald zur Verfügung steht. Zudem wird in der Scheune eine Pellets-Heizanlage für das Gasthaus eingerichtet. Sie ersetzt zunächst die veraltete Ölheizung des Gasthauses und dann schrittweise weitere Heizanlagen auf Hergiswald.

Postkarte von 1908.

Postkarte von 1908.

(Bild: zvg)

 

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1 Kommentare
  1. Beat Murer, 18.12.2016, 16:10 Uhr

    Herzliche Gratulation der Albert Köchlin Stiftung, dass Sie ihr früheres Projekt total z.G. eines der Umgebung gerecht werdenden Neubaus umgekrempelt hat. Nun sind meine Leserbriefe vom August 2009 definitiv zur Makulatur geworden. Nachstehend p.m.

    Verschandelung am Fusse des Pilatus

    Zum Glück sieht man auf der rechten Seite des Bildes mit dem Computermodel des geplanten Neubaus des Gasthauses Hergiswald noch einen Teil der Wallfahrtskirche. Sonst würde der Leser mit Fug und Recht glauben, es handle sich um irgendeinen Zweckbau (z. B. modernes Garderobengebäude einer Sportanlage oder Bergbahnstation).

    Als Laie verwundere ich mich, dass die Albert-Koechlin-Stiftung eine solche Bausünde anstelle des bestehenden Gasthofes bauen möchte. Das bauliche Ensemble der dank der Albert-Koechlin-Stiftung vorbildlich restaurierten Kirche würde mit diesem grässlichen Neubau den einzigartigen Charme des jetzigen Gasthauses im Kontext zur Wallfahrtskirche zerstören. Zudem passt ein solcher Neubau überhaupt nicht ins Land-schaftsbild des Pilatusgebietes.

    Bei allem Verständnis für die Wirtschaftlichkeit des Gasthofes, sollte das Interesse am Schutz eines nachhaltigen Land-schaftsbildes wichtiger sein.

    Beat Murer
    Alt Grossstadtrat und Alt Grosskirchenrat

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