Die wichtigsten Fragen und Antworten

Ein Jahr Ukraine-Krieg: So ist die Lage im Kanton Zug

Vor exakt einem Jahr marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. (Bild: Adobe Stock)

Schon ein Jahr dauert der verheerende Krieg in der Ukraine. Wie ist die Lage zwölf Monate nach Kriegsbeginn im Kanton Zug? Hier findest du Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

In der Nacht des 24. Februars marschieren Putins Truppen in die Ukraine ein. Damals griffen sie erste Gebiete und Städte an. Mehrere Städte wurden bombardiert, darunter Kiew, Charkiw, Dnipro, Kramatorsk und Berdjansk.

Seither ist ein Jahr vergangen. Der Krieg tobt noch immer, ein Ende scheint aktuell nicht in Sicht zu sein. Nach wie vor erschüttert der Krieg die Welt. So sagte etwa SRF-Korrespondentin Luzia Tschirky in einem Beitrag: «Nach einem Jahr Krieg ist die Ukraine wie ein Meer aus Trauer und Leid.»

Doch wie sieht die Lage nach zwölf Monaten im Kanton Zug aus? Wir haben nachgeforscht.

1. Wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine halten sich im Kanton Zug auf?

In der Schweiz haben seit Ausbruch des Kriegs über 75’000 Menschen aus der Ukraine den Schutzstatus S erhalten. Ein Teil von ihnen hat den Weg in den Kanton Zug gefunden. Der Bund hat dem Kanton im letzten Jahr insgesamt 1126 Personen zugeteilt. Aktuell halten sich 896 Flüchtlinge aus der Ukraine im Kanton Zug auf, wie die Direktion des Innern auf Anfrage mitteilt.

Einige, die in den Kanton Zug geflüchtet sind, sind wieder in ihre Heimat zurückgereist. Wie etwa Yuliya, die Mitte März mit ihren Kindern Ivan (12) und Irina (16) sowie Katze Tuttik aus der Grossstadt Krywyj Rih geflohen ist, um in Menzingen eine vorübergehende Heimat zu finden (zentralplus berichtete). Yuliya ist eine von 265 Personen, die bis Ende 2022 den Kanton Zug wieder verlassen haben.

2. Werden noch mehr Flüchtlinge erwartet?

Ja. Im wahrscheinlichsten Szenario rechnet das Staatssekretariat für Migration (SEM) damit, dass bis März 2023 monatlich weiterhin 2500 bis 5000 Anträge auf den S-Status gestellt werden. Der Kanton Zug übernimmt gemäss Verteilschlüssel 1,5 Prozent – das wären monatlich zwischen 38 und 75 Geflüchtete, die der Bund dem Kanton Zug zuweist.

3. Wo und wie leben die Geflüchteten?

In Zug werden viele Flüchtlinge aus der Ukraine in Gastfamilien untergebracht – betreut durch die Caritas (zentralplus berichtete).

Derzeit leben im Kanton Zug laut Angaben der Direktion des Innern 521 Personen in kantonalen Unterkünften, 375 Personen in Gastfamilien.

4. Wie viele der ukrainischen Flüchtlinge sind in den Arbeitsmarkt integriert?

Bis dato hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug insgesamt 319 Bewilligungen erteilt. Davon sind bis heute 29 als beendet gemeldet worden.

«Von 1171 dem Kanton Zug zugewiesenen Personen mit Schutzstatus S bezogen bisher 297 Personen – also rund 25 Prozent – keine Sozialhilfe.»

Stefan Ziegler, Leiter Sozialamt Kanton Zug

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit rechnet damit, dass es sich bei rund 50 Prozent aller Bewilligungen um Personen mit Status S mit ausserkantonalem Wohnsitz handelt. Folglich gibt es laut Bernhard Neidhart, dem Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit, knapp 150 aktive Bewilligungen für Personen mit Status S, die im Kanton Zug wohnen. Er sagt: «Von den hier wohnenden Personen mit Status S sind rund 600 Personen im erwerbsfähigen Alter. Das heisst: Rund ein Viertel hat eine bewilligte Erwerbstätigkeit.» Diese Daten seien jedoch sehr ungenau. Dies, da vereinzelt wohl ohne Bewilligung gearbeitet werde und bewilligte, jedoch bereits aufgelöste Arbeitsverhältnisse nicht gemeldet wurden. «Zudem gibt es auch Personen mit Status S, die nicht arbeiten wollen oder arbeitsmarktfähig sind.»

Wie viele von den ukrainischen Geflüchteten werden von der Sozialhilfe unterstützt? Auskunft zu dieser Frage gibt Stefan Ziegler. Er ist der Leiter des kantonalen Sozialamts. Laut seinen Angaben werden rund drei Viertel mit Sozialhilfe unterstützt. Ziegler sagt: «Von 1171 dem Kanton Zug zugewiesenen Personen mit Schutzstatus S bezogen bisher 297 Personen – also rund 25 Prozent – keine Sozialhilfe oder erlangten inzwischen die Unabhängigkeit von der wirtschaftlichen Sozialhilfe.»

5. Wie viele geflüchtete ukrainische Kinder gehen im Kanton Zug zur Schule?

Im Moment besuchen laut Angaben der Zuger Bildungsdirektion 169 ukrainische Kinder und Jugendliche die Schulen im Kanton Zug. Zusätzlich besuchen 5 Kinder eine Sonderschule im Kanton Zug.

Laut Mediensprecher Lukas Fürrer besuchen derzeit noch rund zehn Prozent – das sind 15 Kinder und Jugendliche – Auffangklassen. Die allermeisten Kinder und Jugendlichen besuchen somit Regelklassen.

Die geflüchteten und schulpflichtigen Kinder stellten die Kantone vor eine Herausforderung. Fürrer zieht eine positive Bilanz: Trotz angespannter Lage auf dem Arbeitsmarkt konnten die Schulen laut seinen Angaben qualifizierte Lehrpersonen finden, welche die ukrainischen Kinder unterrichten. Viele Deutschlehrerinnen haben zudem ihr Pensum erhöht, um den zusätzlichen Deutschunterricht für die ukrainischen Schüler stemmen zu können.

Viele Kinder und Jugendliche würden sich problemlos in die Regelklassen der Schulen integrieren. «Dass einige Kinder parallel zum Unterricht in der Schweiz den Onlineunterricht der Ukraine besuchen, setzt die Kinder unter gehörigen Druck», so Fürrer. Seitens der Zuger Schulen brauche es gezielte Kommunikation und das Gespräch mit Eltern und den Kindern. «Wenige Kinder beziehungsweise Eltern sind sehr fordernd und integrieren sich nur langsam.» Ein Unterstützungsnetz, bestehend aus der PH Zug, Sozialarbeit und Schulleitung soll Lehrern zudem helfen, mit traumatisierten Kindern umzugehen. «Im Einzelfall bleibt dies aber sehr herausfordernd und braucht viel Fingerspitzengefühl seitens der jeweiligen Lehrpersonen.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Jeannine Lütolf, Mediensprecherin Direktion des Innern
  • Medienmitteilung des Bundesrats
  • Schriftlicher Austausch mit Bernhard Neidhart, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit Kanton Zug
  • Schriftlicher Austausch mit Lukas Fürrer, Mediensprecher Bildungsdirektion
  • Schriftlicher Austausch mit Stefan Ziegler, Leiter Sozialamt Kanton Zug
  • Artikel im SRF
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