Gesellschaft
Diskussion mit Stadt Luzern bleibt festgefahren

Eichwäldli: Jetzt versuchen es die Bewohner mit Satire

Als Beamte verkleidete Mitglieder der Eichwäldli-Familie. (Bild: zvg)

Am Donnerstag meldete sich die Luzerner Eichwäldli-Familie wieder einmal öffentlich zu Wort. Viel Neues gab es aber nicht zu hören. Vielmehr wurde erneut klar, dass nach wie vor das gegenseitige Verständnis zwischen Stadt und Bewohnern fehlt. Folglich liessen es sich die «Eichwäldler» nicht nehmen, Verwaltung und Politik, aber auch die Medien aufs Korn zu nehmen.

Die Geschichte um die alte Soldatenstube beim Eichwald am Rand der Luzerner Allmend wurde in der Stadt Luzern zum Politikum. Die Bewohner hätten das Gebäude eigentlich schon zu Beginn dieses Jahres verlassen müssen, weigerten sich bislang allerdings, ihre Koffer zu packen. Dutzende Menschen solidarisierten sich sogar mit ihnen an einer Demo durch die Stadt Luzern. Geht es nach der Stadt, soll nun aber definitiv Schluss sein (zentralplus berichtete).

Wie es mit dem Projekt des gemeinsamen Wohnens weitergeht und ob die Bewohnerinnen nun einlenken, blieb in den letzten Monaten für die Öffentlichkeit weitgehend im Dunkeln. Mehrere Versuche von zentralplus, die «Eichwäldler» zu erreichen, blieben in den vergangenen Wochen erfolglos. Am Donnerstag wandten sie sich mit einer digitalen Medienkonferenz nun zu Wort.

Eine Art Theaterinszenierung

Wer eine herkömmliche Presseorientierung erwartet hatte, wurde jedoch eines Besseren belehrt. Vier Mitglieder der Eichwäldli-Familie sassen in alten und ausgeleierten Anzügen und teils mit Perücken vor der Kamera. Ein Hauch von 1980er-Jahren wehte über den Bildschirm. Statt mit ihren bürgerlichen Namen traten die vier Bewohner unter Pseudonymen auf. Auch die Frauen am Tisch wurden mit Männernamen vorgestellt.

«Wir haben uns in diesem Punkt folglich nicht an die vertraglichen Vereinbarungen gehalten.»

Ein Eichwäldli-Bewohner

Dass die Eichwäldlerinnen direkte Kontakte in die hiesige Kultur- und Theaterszene haben und auch Teil davon sind, wurde offensichtlich. Die Medienkonferenz glich einer Theaterinszenierung, gespickt mit bewusst platzierten satirischen Elementen. So wurde die Konferenz konsequent in (Beamten-) Hochdeutsch abgehalten. Der Seitenhieb an die Mitarbeiter in den Amtsstuben, die in den vergangenen Monaten vor allem wegen Corona oft im Fernsehen zu sehen waren, war offensichtlich.

Kommunikation bleibt schwierig

Es wurde rasch klar, dass die Eichwäldli-Familie und die Stadt weiterhin nicht auf gleicher Ebene kommunizieren. Einer der zentralen Punkte, weshalb die Situation derart festgefahren ist. Dem aussenstehenden Betrachter wurde wiederholt aufgezeigt, dass das gegenseitige Verständnis nach wie vor fehlt. Auch wenn nicht in Abrede gestellt wurde, dass die Stadt grundsätzlich eine gangbare Lösung finden möchte.

Viel Neues erfuhren die etwas über 60 Personen, die den Live-Stream verfolgt haben, nicht. Die Aussagen glichen weitgehend jenen, welche die Eichwäldler bereits vor knapp zwei Jahren geäussert hatten, als der Streit mit der Stadt Luzern in einer vorübergehenden Besetzung des Hauses gemündet war (zentralplus berichtete).

Abreissen oder sanieren? Das bleibt weiterhin die Frage

Im Kern drehten sich die Ausführungen erneut um den Zustand des Gebäudes und ob beziehungsweise wie es erhalten und saniert werden kann. «Die uns vorliegenden Informationen widersprechen denjenigen des Stadtrates diametral», sagte eine der Bewohnerinnen. Der Stadtrat sehe den Abriss des Gebäudes weiterhin als beschlossene Sache an, wurde moniert.

Dies, obwohl ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten gemäss der Lesart der Eichwäldlerinnen eine Nutzung bis 2030 zulassen würde, falls entsprechende bauliche und statische Sofortmassnahmen umgesetzt würden. Um den Sanierungsbedarf aufzuzeigen, wurde zu einer als Aussenkorrespondentin verkleideten Eichwäldli-Bewohnerin geschaltet.

Die «Aussenreporterin». (Bild: )

«Sind bereit, Verantwortung zu übernehmen»

«Im Gegensatz zu einer Mitteilung der Stadt wird im Bericht nirgends festgehalten, dass eine Gefahr für die Bewohner des Gebäudes besteht», so eine Eichwäldlerin. «Wir sind uns bewusst, dass allfällige Veränderungen am Haus genau beobachtet werden müssen und zu einer Verschlechterung der Situation führen können. Solange dies nicht geschieht, gibt es keinen Grund, das Haus abzureissen.» Um die vorliegenden Missverständnisse zu klären, habe man die Stadt und den zuständigen Ingenieur zu einem Gespräch eingeladen, warte seither aber auf eine Antwort.

«Die Stadt Luzern führt das Argument auf, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Im Gespräch mit dem zuständigen Ingenieur wurde jedoch klar, dass eine niederschwellige längerfristige Nutzung des Gebäudes keine hohen Kosten verursacht», führte ein als Martin Wüthrich vorgestellter Bewohner aus.

Ausserdem habe man sich stets bereit erklärt, die anfallenden Kosten aufzuteilen oder bei einer Übernahme des Hauses im Baurecht die Verantwortung für die Sanierungsmassnahmen und die Sicherheit alleine zu tragen. Laut Bewohner stand eine solche Lösung vorübergehend zur Diskussion. «Das Argument der Wirtschaftlichkeit steht für uns deshalb in keinem direkten Zusammenhang mit einer effektiven Lösungsfindung», so Martin Wüthrich. Vielmehr sei es ein politischer Entscheid des Stadtrates.

Die ehemalige Soldatenstube bei der Allmend. (Bild: )

Gehört dieses Eichwäldli mittlerweile zum Quartier?

Ein Zuschauer wollte von den Bewohnerinnen wissen, ob es stimmt, dass der westliche Anbau bewohnt wird, obwohl mit der Stadt vertraglich etwas anderes abgemacht wurde. «Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass seitens der Stadt nicht auf eine Langfristigkeit hingearbeitet wird, hat unsererseits die Bereitschaft, die Regelung einzuhalten, nachgelassen. Wir haben uns in diesem Punkt folglich nicht an die vertraglichen Vereinbarungen gehalten», nahm ein Bewohner dazu Stellung. Denn eigentlich habe die Vereinbarung als Zwischenlösung bis zum Abschluss eines längerfristigen Projekts gegolten.

«Grundsätzlich wäre unser Projekt auch in Hellbühl denkbar.»

Eine Bewohnerin

Eine der Bewohnerinnen beklagte sich weiter darüber, dass die Stadt bei den Plänen für eine Zwischennutzung des Gebietes in Abrede stelle, dass – auch aufgrund des Eichwäldli – bereits vieles erschaffen worden und vorhanden sei. «Erwachsen aus den Ideen der Menschen, die hier leben», betonte sie. Die Wohngemeinschaft Salzlager oder die Kulturbrache (Kubra) seien nur zwei Beispiele dafür. Hinzu kämen das Kleingewerbe wie die Kaffeerösterei «Tacuba» neben dem ehemaligen Bahnübergang sowie eine aktive Quartierbevölkerung, unterstützt vom Quartierverein.

Besetzung könnte eine Option bleiben

Die Eichwäldli-Familie liess aber auch durchblicken, dass man grundsätzlich bereit sei, eine andere Bleibe zu suchen, sollte es in Zentrumsnähe eine geben. In der Stadt würden alternative Wohnräume jedoch im Jahrestakt verschwinden. «Grundsätzlich wäre unser Projekt auch in Hellbühl denkbar, würde durch fehlenden Austausch und Zentralität aber seine Dringlichkeit verlieren», sagte eine Bewohnerin dazu. «Wir sind fest davon überzeugt, dass eine lebendige Stadt aber genau solche Räume braucht.»

Die drängendste Frage konnte die Eichwäldli-Familie zum Schluss nicht beantworten. Nämlich, ob eine weitere Besetzung ein Thema ist, wenn die Bewohner im Januar ihre Koffer packen müssten. «Jein. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir dazu noch nichts sagen», so die Antwort der «Eichwäldler».

Wie man im Stadthaus reagieren wird, bleibt ebenfalls abzuwarten: «Wir gehen davon aus, dass die Bewohner das Haus spätestens am 31. Januar 2021 verlassen haben. Wir bieten ihnen vier Monate Zeit für die Neuorientierung», sagte Baudirektorin Manuela Jost (GLP) Ende September gegenüber zentralplus.

Hier gibt es die ganze Pressekonferenz zum Nachschauen:

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