Gesellschaft
Start der Abstimmungskampagne

«Ehe für alle»: Im Inseli Luzern wird die Liebe gefeiert

Wollte viele Küsse sehen: Dragqueen Vio la Cornuta. (Bild: ida)

«Ja, ich will»: Dutzende Menschen haben am Sonntag im Luzerner Inseli Ja zur «Ehe für alle» gesagt. Mit einer Verlobungsfeier wurde der Start der Kampagne zur Abstimmung lanciert. Mit von der Partie war auch der Luzerner Nationalrat Michael Töngi – der ein wuchtiges Ja erwartet.

Das Inseli steht ganz im Zeichen des Regenbogens: Regenbogenflaggen zieren die Bäume, wehen von den Schultern der hier Anwesenden und sind als Pins an den Hemden und Kleidern befestigt.

Schweizweit hat das nationale Komitee «Ehe für alle» an diesem Sonntag in 23 Gemeinden den Startschuss der nationalen Kampagne gezündet – so auch in Luzern. Dies in Hinblick auf die Abstimmung vom 26. September, wenn die Schweiz darüber entscheidet, ob die Eheschliessung auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich wird.

Mit einem Ja erhalten lesbische Paare Zugang zur Samenspende. Das Parlament hat die Ehe für alle bereits im Dezember gutgeheissen. Doch weil konservative Kräfte das Referendum ergriffen, kommt das Gesetz nun zur Abstimmung.

In Luzern wurde diesen Sonntag deshalb zur Verlobungsfeier geladen. Mit emotionalen Reden, Tränen und klaren Forderungen.

«All equal»

Der Luzerner Kantonsrat Mario Cozzio (GLP), auf dessen T-Shirt «All equal» stand, sagte: «Ganz verreckt finde ich, dass wir im Jahr 2021 noch hier stehen und über die Öffnung der Ehe für alle diskutieren müssen.» Für ihn sei Liebe ein Wort, das man fast nicht mit anderen Worten beschreiben könne. Wenn man den Menschen gefunden habe, mit dem man sein Leben verbringen möchte, würden sich Paare sich x Fragen zum Heiratsantrag stellen. Auf die Knie gehen? Wo macht man den Antrag? Doch das alles seien Fragen, die sich Queers nicht stellen.

«Jeder Mensch soll gleich behandelt werden – und so soll auch jeder Mensch irgendwo, irgendwie und irgendwann sagen: ‹Ja, ich will.›»

Mario Cozzio, GLP-Kantonsrat

«Das alles ist ein Wunschdenken, ein Luftschloss, ein Traum. Wir können nicht, wir dürfen nicht.» Nach sieben Jahren Hin und Her im nationalen Parlament habe die Gesellschaft nun «die einmalige Chance», diese Schieflage in der Gesetzgebung endlich zu korrigieren. Jeder Mensch liebe irgendwie, irgendwo und irgendwann. «Jeder Mensch spürt einmal dieses gemeinsame Glücksgefühl. Jeder Mensch soll gleich behandelt werden – und so soll auch jeder Mensch irgendwo, irgendwie und irgendwann sagen: ‹Ja, ich will.›»

Nationalrat Töngi erwartet ein wuchtiges Ja

SP-Kantonsrat Marcel Budmiger sprach die traurigen Seiten an, die Diskriminierung der LGBTI-Community, die für viele Queers zum Alltag gehört: LGBTI-feindliche Gewalttaten, eine hohe Suizidalitätsrate bei homosexuellen Jugendlichen, Restriktionen bei der Blutspende. «Ein deutliches Ja zur Ehe für alle wäre für unseren konservativen Kanton Luzern ein Zeichen für mehr Akzeptanz.» Zudem zeigen Zahlen aus anderen Ländern, welche die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffneten, dass beispielsweise die Suizidalitätsrate bei Jugendlichen gesunken ist.

«Wir dürfen und können stolz in den Abstimmungskampf Ehe für alle gehen, weil wir uns schon ganz viel erkämpft haben.»

Michael Töngi, Nationalrat (Grüne)

Auch Nationalrat Michael Töngi (Grüne) war mit von der Partie – und wagte in seiner Rede einen Blick zurück. Auf das Partnerschaftsgesetz, das die Schweiz 2006 annahm. Und auf das Ja zur Stiefkindadoption von 2018 sowie auf die Annahme des Antidiskriminierungsgesetzes letztes Jahr. «Wir dürfen und können stolz in den Abstimmungskampf ‹Ehe für alle› gehen, weil wir uns schon ganz viel erkämpft haben.» So erwartet er im September auch ein wuchtiges Ja.

Der Luzerner Grossstadtrat Marco Baumann (FDP) findet: «Die Schweiz ist bereit für die Ehe für alle.» Trotzdem werden gleichgeschlechtliche Paare noch anders behandelt. «Die eingetragene Partnerschaft ist kein ebenbürtiger Ersatz für die Ehe. Zudem zwingt eine eingetragene Partnerschaft ein Paar zu einem Outing, weil man sich bei gewissen Formularen als eingetragene Partnerschaft definieren muss.»

Theaterregisseurin Lisa Bachmann erzählte, wie sie vor 22 Jahren mit ihrer Partnerin schwanger wurde. Aus ihren eigenen Erfahrung weiss sie, mit wie viel Sorgfalt und Planung ein gleichgeschlechtliches Paar die Familienplanung angeht.

Auch wenn sie mit den Behörden gute Erfahrungen gemacht habe, kenne sie viele Regenbogenfamilien, für die dieser Weg zermürbend sei. «Kein gleicheschlechtliches Paar wird einfach aus dem Blauen heraus Eltern. Es ist die Sorgfalt, die nötig ist, das Projekt Familie anzugehen. Und darum glaube ich, dass Regenbogenfamilien sehr gute Eltern sind, weil sie sich mit ihrer Elternschaft sehr auseinandersetzen.»

Aktivistin Angie Addo betonte in einer berührenden Rede, dass sie selber entscheiden wolle, mit wem sie in einer Partnerschaft leben und ob sie heiraten wolle – egal, welches Geschlecht. Zuvor noch sagte die ganz in schwarz gekleidete Frau, wie schön sich doch der farbige Regenbogenpin an ihrem schwarzen Kleid mache.

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