Gesellschaft

Polizei bleibt in Luzern und Zug Männerdomäne
Die Polizei will mehr Frauen – tut sie genug dafür?

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Die Korps der Zuger und Luzerner Polizei wollen mehr Frauen ins Team holen.

Polizistinnen gesucht: Nach wie vor sind drei von vier Angestellten im Korps der Luzerner und der Männer. Dabei sind Frauen wichtig für das Korps. Unternimmt die Polizei zu wenig bei der Personalsuche?

Die Polizei soll die Gesellschaft abbilden. Und zwar die gesamte Gesellschaft, die ziemlich genau zur Hälfte aus Frauen und aus Männern besteht. Und eben auch aus Ausländerinnen (zentralplus berichtete).

Doch es harzt. In Luzern hält man daran fest: Wer Polizist werden will, braucht den Schweizer Pass (zentralplus berichtete). Und auch mit dem Frauenanteil bei der Polizei ist man noch nicht da, wo man sein will: Bei der beträgt der Frauenanteil rund 25 Prozent, bei der 27 Prozent. Im Kader sitzen gerade mal 10 Prozent Frauen.

Die Polizei wünscht sich mehr Frauen – doch was tut sie dafür?

Das könnte besser sein. Findet auch die Zuger Polizei: «Es wäre wünschenswert, noch mehr Frauen im Kader zu haben», so Pressesprecherin Judith Aklin gegenüber zentralplus. Sie betont aber auch: Der Frauenanteil von 25 Prozent – das sind rund 90 Frauen – sei «bereits ein guter Wert, den wir aber gerne noch steigern möchten».

«Polizistinnen sind im Arbeitsalltag nicht wegzudenken.»

Martin Jossen, Chef Personalmanagement der Luzerner Polizei

Martin Jossen, Chef des Personalmanagements der Luzerner Polizei, schreibt: Die Polizei wünscht sich grundsätzlich einen höheren Frauenanteil. Vor allem auch in höheren Kaderfunktionen. «Aktuell sind wir von diesem Ziel jedoch noch zu weit entfernt.»

Zum diesjährigen Weltfrauentag hat sich die Luzerner Polizei in einem Facebook-Post speziell an Frauen gewandt:

Auch ein Blick in die Jahresberichte der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch (IPH) zeigt: In den letzten Jahren ist der Frauenanteil zwar gestiegen – jedoch nur leicht. So betrug der Frauenanteil 2020 28,3 Prozent. 2013 waren es erst 20 Prozent.

Die Polizeischule kann allerdings nicht beeinflussen, wer sich bewirbt. «Für die Werbung für den Polizeiberuf und für die Rekrutierung der Aspirantinnen und Aspiranten sind ausschliesslich die Polizeikorps zuständig, darauf hat die IPH keinerlei Einfluss», so Direktor Alex Birrer.

Häusliche Gewalt und Einvernahmen bei häuslicher Gewalt: weshalb es Polizistinnen braucht

Unbestritten ist: Frauen sind wichtig bei der Polizei. «Polizistinnen sind im Arbeitsalltag nicht wegzudenken», sagt Martin Jossen. Er weist darauf hin: «Es gibt Arbeiten, die nur von Polizistinnen ausgeführt werden können.» Beispielsweise Einvernahmen von weiblichen Opfern, die sexuelle Gewalt erlitten haben.

Auch in Fällen von häuslicher Gewalt könne es ein Vorteil sein, wenn bei getrennten Gesprächen eine Polizistin mit einem weiblichen Opfer spreche. 

Doch warum ist der Frauenanteil nicht höher? Machen die Polizeikorps zu wenig, um Frauen zu rekrutieren? Und was sind die Gründe, warum es nicht mehr Polizistinnen gibt?

Der Polizist: «historisch gesehen ein Männerberuf»

Bei der Luzerner und der Zuger Polizei ist man sich einig, warum es schleppend vorangeht. «Der Polizeiberuf ist historisch gesehen ein ‹Männerberuf›», so Jossen von der Luzerner Polizei. Einen Wandel zu vollziehen brauche seine Zeit. Dies sieht auch Aklin von der Zuger Polizei so.

«Es ist denkbar, dass viele Frauen den Polizeiberuf zu wenig kennen und nicht wissen, was sie genau erwartet.»

Verband Schweizerischer Polizei-Beamter

Und auch wenn man sich bei der Zuger Polizei über jede Bewerberin freue, stellt sie klar: Frauen wie Männer durchlaufen denselben Rekrutierungsprozess und müssen sich einem anspruchsvollen Auswahlverfahren stellen. «Wer menschlich sowie fachlich am meisten überzeugt, wird ausgewählt – unabhängig vom Geschlecht.» Eine Frauenquote ist kein Thema.

Frauen kennen den Polizeiberuf zu wenig

Der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) vermutet, dass auch Aufklärungsbedarf besteht: «Es ist denkbar, dass viele Frauen den Polizeiberuf zu wenig kennen und nicht wissen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie in diesem Beruf haben und was sie genau erwartet.» Das könne eine Hemmschwelle sein. Ändern können das die Korps, indem sie Einblick in ihr Alltagsleben geben.

«Wir achten darauf, in den sozialen Medien sowohl Polizisten als auch Polizistinnen zu zeigen.»

Judith Aklin, Pressesprecherin Zuger Polizei

So betont auch Jossen, dass die Luzerner Polizei Frauen aufzeigen will: Ihr habt dieselben Entwicklungsmöglichkeiten und könnt in denselben Tätigkeitsgebieten arbeiten wie die männlichen Kollegen. «Dies zeigen wir in unserer Bildsprache der Werbekampagnen, aber zum Beispiel auch auf der Internetseite oder in unserem Geschäftsbericht», so Jossen.

Momentan erarbeite die Polizei eine neue Rekrutierungskampagne, bei der man auch «den Aspekt ‹Frauen für den Polizeiberuf› verstärkt in den Fokus setzen möchte». Wie dies genau aussieht, sei aber noch offen.

Frauen müssen bewusster angesprochen werden

Die Korps versuchen, bei der Personalsuche bewusst auch Frauen anzusprechen. Sei das über soziale Medien, Events oder Informationsanlässe.

Judith Aklin sagt zum Social-Media-Auftritt der Polizei: «Wir achten darauf, sowohl Polizisten als auch Polizistinnen zu zeigen. Auch schon wurde beispielsweise eine Polizeianwärterin während der Ausbildung begleitet. Aktuell wird eine Polizistin bei der Ausbildung ihres Polizeihundes gezeigt.

Noch wichtiger dürfte der persönliche Austausch sein. So setzt die Zuger Polizei auf Events wie die Zuger Messe oder den Besuchstag der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch. Hier will sie den Frauen zeigen, dass der Beruf auch für sie interessant ist.

«Wir rücken dabei bewusst auch Polizistinnen in den Fokus», so Aklin. Polizistinnen berichten dabei aus ihrem Polizeialltag, in persönlichen Gesprächen tauschen sie sich mit interessierten Frauen aus. Auch mit einer neuen Website und einer Social-Media-Kampagne will sich die Zuger Polizei an die Frauen richten.

Aufheben der Altersgrenze

Die Luzerner Polizei weist weiter auf die Altersgrenze hin. Weil sich ein Personalmangel abzeichnete, hat sie letztes Jahr die Altershürden abgeschafft (zentralplus berichtete).

Laut Martin Jossen biete die Polizei Frauen, aber auch Männern, die Möglichkeit, eine zweite oder dritte Ausbildung zu machen. «Zum Beispiel nach dem Älterwerden der eigenen Kinder, wenn sich die Frau einem neuen Beruf widmen möchte.»

Polizistin und Mutter – wie vereinbar ist das?

Zunehmend wird bei der Berufswahl auch wichtig, wie kompatibel der Job mit Familie und Freizeit ist. Hier ist die Polizei gefordert. «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist durch die Schichtarbeit sicher erschwert», sagt Judith Aklin dazu. «Frauen haben bei der Zuger Polizei deshalb die Möglichkeit, als Polizistinnen tätig zu sein, ohne Schichtarbeit leisten zu müssen.»

Darüber hinaus gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzt. Anfang dieses Jahres wurden zudem Workshops zum Thema durchgeführt.

Auch der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter sieht Handlungsbedarf in diesem Bereich: «Wir denken nicht, dass der Polizeiberuf für Frauen unattraktiv ist», so der Verband. «Aber wenn zum Beispiel eine Frau nach einem Mutterschaftsurlaub teilzeit wieder einsteigen möchte, kann es je nach Art des Aufgabenbereichs schwierig sein, ihre Stelle als Teilzeit-Job zu gestalten.»

Bei der Luzerner und der Zuger Polizei ist Teilzeitarbeit möglich. Die Zuger Polizei hat in diesem Jahr zudem ein neues Schichtmodell eingeführt, das flexibler sein soll. Und die Luzerner Polizei hat Teilzeitarbeitsmodelle, mit denen Mitarbeiterinnen nach der Mutterschaft wieder einsteigen können. 

Best Practices werden gerade erarbeitet

Auch wenn sich die Polizei zu bemühen scheint: Der Frauenanteil ist noch nicht da, wo man ihn sich wünscht. Viele Massnahmen sind geplant – doch wie diese genau aussehen und ob sie Früchte tragen werden, wird sich noch zeigen müssen.

Auch ein nationales Projekt setzt sich mit dem Frauenanteil in Polizeiberufen und den Karrieremöglichkeiten auseinander. Dieses Projekt wurde auf Stufe der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) ins Leben gerufen. Dabei hat man sich bei Polizeikorps erkundigt, wie diese Frauen für den Polizeiberuf rekrutieren. Daraus will die KKPKS eine «Best Practice» erstellen. Zu deren Inhalt kann sich die Konferenz zurzeit noch nicht äussern.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Luzerner und der Zuger Polizei sowie der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch, dem Verband Schweizerischer Polizei-Beamter und der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten
  • Jahresberichte der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch 2013-2020
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Willhelm von Tell, 04.05.2022, 06:35 Uhr

    Etwas mehr Farbe täte auch gut.

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