So schön war die Pride in Luzern

Die LGBTQ-Community feiert – und alle feiern mit

Das erste Mal seit über 15 Jahren findet in Luzern wieder eine Pride statt. Ein farbenfroher Umzug durch die Stadt war der Höhepunkt eines Abends im Zeichen des Respekts.

Wie schön, wenn du einfach sein darfst, wer du bist. Wenn niemand dich seltsam anschaut, wenn nur strahlende Gesichter deine eigene Freude widerspiegeln. Der Umzug der Pride Luzern hat diesen Samstagabend die Altstadt in Beschlag genommen. Hunderte von Menschen tanzen durch die Gassen. Manche ausgelassen, manche ganz ruhig. Alles hat Platz, alles darf sein.

Die Passanten bleiben stehen, verwundert. Sie zücken die Handys, wollen festhalten, was sie grade erleben. Bunter ist es in Luzern nur an der Fasnacht. Fast könnte man vergessen, was für einen ernsten Hintergrund dieses Fest hat.

Es braucht die Pride – um einmal wieder aufatmen zu können

Viele dieser Menschen erleben im Alltag dieses Gefühl der bedingungslosen Akzeptanz nicht. Sie werden diskriminiert, weil sie lesbisch sind. Oder schwul. Oder trans sind. Auf dem Papier gilt in der Schweiz die Gleichberechtigung. Aber im Alltag sieht es oft anders aus. Besonders Transmenschen werden oft nicht verstanden und angefeindet.

2005 hat in Luzern das letzte Mal eine Pride stattgefunden (zentralplus berichtete). «Queere Menschen gibt es nicht nur in Genf und in Zürich, sondern auch in Luzern», sagt Dragqueen Rachel Harder zu Beginn. Sie erinnert daran, dass die Gesellschaft von Gleichberechtigung noch weit entfernt ist – queere Personen sind nicht nur verbaler Diskriminierung, sondern auch Gewalt ausgesetzt. «Ja, wir brauchen eine Pride!», sagt Harder. Und erntet grossen Applaus.

Brutaler Angriff in Münster

Es folgt eine Schweigeminute für Malte C., der tags zuvor an seinen Verletzungen gestorben ist. Der 25-Jährige war vorletzte Woche am Rande des Christopher Street Day in Münster angegriffen worden, als er Frauen zur Seite stehen wollte, die homophob attackiert worden waren.

In Luzern ist die Polizei präsent. Sie schützt den Umzug – damit sich alle sicher fühlen können. Der Anlass verläuft bis zum Schluss friedlich.

Toleranz reicht nicht

Es folgt eine Rede von Stadtpräsident Beat Züsli. Er sagt, der Begriff der Toleranz werde gebraucht, wenn es darum gehe, die Andersheit zu akzeptieren. «Es bedeutet wortgeschichtlich ‹Erduldung›. Man erträgt also etwas, was man eigentlich ablehnt. Für mich bedeutet das: Toleranz reicht nicht. Wir müssen die anderen Menschen respektieren», fordert er.

«Es gibt noch viel zu tun»

Danach übernimmt die Zuger Kantonsrätin Jill Nussbaumer das Wort. Sie meint, sie hätte sich vor 11 Jahren nie träumen lassen, dass es in der Zentralschweiz mehrere Prides geben würden. Es sei wichtig, sichtbar zu sein. Es sei wichtig, dass sich die Community gegenseitig Mut mache. Es sei viel erreicht worden, aber es gebe auch noch viel zu tun. Noch immer gebe es Hate Crimes – und noch immer würden Babys operiert, die kein eindeutiges biologisches Geschlecht hätten.«Nehmen wir es in die Hand! Wir können das ändern!»

Der Demonstrationszug der Pride Luzern endet gegen 21.30 Uhr am Löwenplatz. Im Bourbaki wird noch weitergefeiert.

Hinweis: Die Reden waren aus akustischen Gründen schlecht zu verstehen. Sollte sich deshalb ein Fehler eingeschlichen haben, bitten wir um Entschuldigung – und um Rückmeldung auf [email protected].

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Website Pride Luzern
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