Gesellschaft

Unternehmer organisierte Charter-Flug
Chamer Guido Fluri evakuiert 140 ukrainische Flüchtlinge

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Der in Cham lebende Unternehmer Guido Fluri beweist ein Herz für die ukrainischen Flüchtlinge (Archivbild, Anfang März). (Bild: zvg)

Die Schweiz bereitet sich auf eine Flüchtlingswelle aus der Ukraine vor. Wann sie hier ankommt, ist unbekannt. Der Chamer Philantrop hat am Dienstagabend mit einer eigenen Geflüchtete aus Polen evakuiert.

Ad-hoc-Spendenaktionen von Quartiervereinen, Aufrufe zu Geldspenden und Kundgebungen mit Zehntausenden Demonstranten: Der Krieg in der Ukraine geht den Schweizern sehr nah und sie wollen helfen (zentralplus berichtete). Die Hilfsbereitschaft ist gar so ausgeprägt, dass die Kantone eigene Infolines einrichten (zentralplus berichtete).

Das Leid der ukrainischen Bevölkerung ruft auch Philantropen auf den Plan: Beispielsweise den in wohnenden . Er hat mit seiner gleichnamigen Stiftung einen Charterflug von Krakau nach Zürich für aus der Ukraine organisiert.

«Die müssen wir holen»

«Es war eine Nachtübung», erzählt der 55-Jährige Unternehmer am Telefon. Er erhielt mehrere Mitteilungen der ukrainischen und polnischen Botschaft. Sie beschrieben eine prekäre Lage, von der auch Frauen mit Säuglingen oder behinderte Kinder nicht verschont blieben. «Da hab ich zu mir gesagt, ‹die müssen wir holen›.»

Innerhalb von nur wenigen Tagen hat seine Stiftung mit Organisationen vor Ort wie dem Malteserorden in Polen und dem Klub der katholischen Intelligenz Warschau die Evakuierungsaktion auf die Beine gestellt. Unterstützt wurden sie auch vom ukrainischen Botschafter der Schweiz, Artem Rybchenko, und dem frühen Botschafter Polens, Jaromir Sokolowski.

Am Dienstagabend ist die gechartete Edelweiss-Maschine schliesslich mit 140 Geflüchteten am Flughafen Zürich gelandet. Mit Bussen wurden sie in verschiedene Unterkünfte gebracht. Der Grossteil der Frauen und Kinder wurde in der Gemeinde Mümliswil in Solothurn untergebracht. Dort besitzt die Stiftung ein ehemaliges Kinderheim, in dem bereits Ärztinnen, Dolmetscher und Psychologinnen auf sie warteten.

Geflüchtete haben Angst

«Wir haben alles organisiert, was notwendig ist, damit diese Menschen ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten können», so Fluri. Weitere Familien konnten in einem Ferienheim und bei Privatpersonen untergebracht werden. Auch mit Betreuungsinstitutionen habe er zusammengearbeitet, da ein grosser Anteil der Geflüchteten behinderte Kinder und ihre Betreuungspersonen seien.

Ein kleiner Einblick zur Situation im Kinderheim.

«Das muss man sich mal vorstellen, da sind schwerstbehinderte Personen auf der Flucht, die zum Teil mehrere Tage in einem Konvoi unterwegs sind», erzählt Fluri hörbar bewegt. Einige Geflüchtete hätten gar überrascht gefragt, ob sie denn hier in der Schweiz rausgehen dürfen. «Die Angst, die entstand, weil einige seit Wochen in den Bunkern eingesperrt waren oder die Flugabwehrwaffen oder Artillerie hörten, sitzt tief.»

Fluris Engagement beschränkt sich nicht nur auf die Evakuierung der Menschen. Hier in der Schweiz führt seine Stiftung auch Medizin-Checks durch, verpflegt die Menschen, kauft ihnen das Notwendigste ein und klärt individuelle Bedürfnisse der Geflüchteten ab. «Wir haben sogar eine Hochschwangere hier», sagt der Unternehmer.

Weitere Hilfsaktionen geplant

Inzwischen seien die Kinder hier am Spielen. Mit dem Verlauf der Ukraine- ist Guido Fluri sehr zufrieden. So zufrieden, dass er sich auch einen zweiten oder dritten Flug gut vorstellen kann. Er hoffe jedoch vor allem auf die symbolische Wirkung seiner Aktion: «Wir wollen damit eine Welle der Solidarität auslösen.»

Erste Anzeichen davon habe er bereits erlebt. Auf der Suche nach Unterkünften habe er Dutzende Anfragen von Privatpersonen erhalten, die Unterkünfte oder gar ganze Häuser für geflüchtete ukrainische Familien bereitstellen wollen.

«Wir haben die Infrastruktur und wir haben gute Institutionen. Ein jetziges Handeln wäre eine Botschaft der Menschlichkeit.»

Guido Fluri

Für Fluri ist jetzt aber auch die Politik gefordert: «Es braucht nun unmittelbare Sofortmassnahmen. Ich habe vor Ort die dramatische Lage miterlebt.» Die Schweiz mit ihrer humanitären Tradition müsse eine aktivere Rolle einnehmen.

Denn die Last dürfe nicht nur auf die Nachbarländer der Ukraine fallen: «Das sind vor allem Kinder, die leiden. Wir haben die Infrastruktur und wir haben gute Institutionen. Ein jetziges Handeln wäre eine Botschaft der Menschlichkeit.»

Zur Stiftung hinter der Aktion

Die Guido-Fluri-Stiftung wurde 2010 durch den gleichnamigen Unternehmer gegründet. Sie verfolgt drei unterschiedliche Zwecke, die alle einen Bezug zur persönlichen Geschichte des Stiftungs­gründer haben: Mitwirken gegen Hirntumore, Hilfe für benachteiligte und traumatisierte Kindern und Förderung der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Schizophrenie. Sie ist finanziert durch das Unternehmen Guido Fluris, der GF Group Holding AG, und realisiert ihre Projekte ohne Spendensammlungen. Im Rahmen der Stiftung wurde unter anderem die Wiedergutmachungsinitiative für Verdingkinder oder die Informationsplattform «Leben mit Schizophrenie» initiiert.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung der Guido Fluri Stiftung zur Ukraine-Hilfsaktion
  • Artikel von «Watson»
  • Telefonat mit Guido Fluri
Weitere Quellen
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2 Kommentare
  1. Benno und Mathilde Baschnagel, 11.03.2022, 23:51 Uhr

    Eine Möglichkeit zur Unterbringung von behinderten Flüchtlingen: Das Kinderheim Josef 5620 Bremgarten hat schon viele Jahre ein leeres Gebäude. Darin waren zuvor etwa hundert zu Betreuende in Wohngruppen untergebracht. Es wurde daneben vor Jahren ein neues Gebäude erstellt und das alte Gebäude, das keineswegs «alt» ist, steht seit dem Umzug leer. Es sind Planungen für Umbauarbeiten im Gange, doch nach all den Jahren des Leerstandes könnte dies auch etwas verschoben werden, denke ich. Es stünde dem Garnisonstädtchen Bremgarten gut an so zu helfen!

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  2. Kasimir Pfyffer, 10.03.2022, 11:38 Uhr

    Chapeau und grossen Respekt für Ihr Engagement, Herr Fluri! Und herzlichen Dank an die vielen Freiwilligen, welche diese Aktion möglich gemacht haben.

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