Gesellschaft
Luzerner Villa «Gundula» ist erneut besetzt

Manuela Jost glaubt weiterhin an Einigung im Bodum-Streit

Die Villa am Donnerstagmorgen: Neue Transparente weisen auf die Besetzung hin. (Bild: jal)

Die Gruppe «Gundula» hat erneut eine der Villen des dänischen Unternehmers Jørgen Bodum in Luzern besetzt. Trotzdem ist Baudirektorin Manuela Jost zuversichtlich, dass man bald eine Einigung mit dem Eigentümer findet.

Eine der Villen des dänischen Unternehmers Jørgen Bodum ist seit dem frühen Donnerstag morgen wieder besetzt. Laut einer Medienmitteilung der Gruppe «Gundula», die die Häuser schon mehrmals in Beschlag genommen hatte, soll das Haus an der Obergrundstrasse 101 in der Nacht auf Donnerstag betreten worden sein. Man habe das Haus «geöffnet, gelüftet und besetzt». Die andere Villa mit der Hausnummer 99 bleibe leer. Sie sei aufgrund ihres baulichen Zustandes nicht mehr betretbar.

Die Besetzung wird wie folgt begründet: «Für die Besetzerinnen und Besetzer ist klar, dass gerade in Zeiten des Shutdowns neue Perspektiven auf grösst mögliche Unabhängigkeit eröffnet werden müssen: Sich als Gruppe zu organisieren, heisst Autonomie. Keine Miete zu bezahlen, bedeutet Unabhängigkeit.»

Jørgen Bodum und Manuela Jost wurden informiert

Je weniger Lohnarbeit nötig sei, desto mehr Zeit und Energie bleibe für vieles, was vor, nach und während Krisenzeiten als so genannt «systemrelevant» betitelt werde. Man wolle mit der Besetzung ein Zeichen echter Solidarität setzen. Etwa mit Geflüchteten, die während der Corona-Krise in Lager gesperrt, ihrem Schicksal überlassen und vergessen worden seien.

Neben den Medien seien auch Villen-Besitzer Jørgen Bodum sowie Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost (GLP) per Brief in Kenntnis worden, die Polizei hingegen nicht. Bodum wird in dem Schreiben erneut vorgeworfen, seine Verantwortung im Umgang mit den Gebäuden nicht wahr zu nehmen. Bei einem Augenschein vor Ort konnten keine Personen ausgemacht werden. Die Transparente, die aktuell an der Fassade hängen, scheinen indes neu zu sein.

Jost bleibt zurückhaltend ...

Bei der Baudirektion ist das Schreiben der Aktivisten eingegangen, wie Baudirektorin Manuela Jost auf Anfrage bestätigt. Wie es weitergeht, kann sie aktuell aber nicht sagen. «Die Verantwortung für den Umgang mit der Besetzung ist Sache der privaten Eigentümerschaft. Sie muss über die weiteren Schritte entscheiden. Möglich ist, dass sie Strafanzeige einreichen wird», so Jost. Auch die Kontaktaufnahme mit der Stadt sei Sache von Jørgen Bodum.  

Besetzung hin oder her: Der Eigentümer und die Stadt sind seit einiger Zeit im Gespräch darüber, wie die Zukunft der Häuser aussehen soll. Während man sich bei der Nummer 99 über die Umbaupläne einig ist, trat man bei der nun wieder besetzten Nummer 101 lange an Ort und Stelle. Im letzten Juni äusserte sich Manuela Jost jedoch zuversichtlich, dass man bald zu einer Übereinkunft kommt (zentralplus berichtete).

Trotz der erneuten Aktion der Besetzer blieb Jost auch am Donnerstagnachmittag diesbezüglich optimistisch. «Ich bin zuversichtlich, dass sich bald eine Lösung abzeichnet. Ich hoffe nun, dass diese illegale Aktion den absehbaren Fortschritt nicht torpediert», so die Stadträtin. Denn es gebe guten Grund, davon auszugehen, dass sich bald eine Lösung abzeichnet. So stehe man nach wie vor in regelmässigem Kontakt mit Jørgen Bodum beziehungsweise dessen Planern.

... und fürchtet keine Konsequenzen für den Wahlkampf

Auch wenn die Gruppe «Gundula» ihre derzeitige Besetzung mit der Corona-Krise begründet, stellt sich die Frage, ob nicht zusätzliche politische Überlegungen dahinter stecken. Manuela Jost steht bekanntlich mitten im Wahlkampf für den zweiten Wahlgang für den Stadtrat. Und was Hausbesetzungen betrifft, hatte sie in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen.

«Mein Fokus liegt bei diesem Geschäft auf der Problemlösung, weniger auf der Wahltaktik», sagt Jost dazu. «Mir ist es vor allem wichtig, dass wir bald eine gute Lösung für die beiden Liegenschaften erreichen.»

Wie es weitergeht, dürfte wohl vor allem von Bodums Verhalten abhängen. Auf eine Anfrage von zentralplus reagierte dessen Anwalt bislang nicht. Eine Strafanzeige ist noch nicht eingegangen.

Die Gartentür bei der Villa steht derzeit offen. (Bild: )
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