Gesellschaft

Zug: Wie privat ist Sicht von Baudirektions-Kader?
Kommunikationsmann streitet sich via Medien mit Parteipräsident

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 4
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Parat-Präsident Stefan Thöni (oben links) und Charly Keiser (unten rechts) werden wohl keine Freunde mehr. (Bild: Sturmbild: Johannes Plenio via unsplash | Bild Charly Keiser: Kanton ZG / Bild Stefan Thöni: zvg)

Zwischen Charly Keiser, dem Kommunikationsbeauftragten der Zuger Baudirektion, und der Parat-Partei herrscht offensichtlich dicke Luft. Via Leserbrief greift Keiser dessen Präsidenten an. Dieser reagiert prompt.

Das sieht nach dicker Luft im aus. Ein Leserbrief in der «Zuger Zeitung» gibt zu reden. Charly Keiser, seines Zeichens Mediensprecher der Baudirektion, greift darin , den Präsidenten der Parat Partei (früher Piratenpartei Zentralschweiz) direkt an. Die Partei verteidigt sich seinerseits via Medienmitteilung. Was ist da passiert?

Auslöser: Kandidatur zum Ersatzrichter des Verwaltungsgerichtes

Charly Keiser kritisiert in seinem Leserbrief die Kandidatur von Stefan Thöni als Ersatzrichter des Verwaltungsgerichts. Da es keine offizielle Information der Parat-Partei zu dieser Kandidatur gegeben hat, stellt sich Keiser in der «Zuger Zeitung», bei der er früher als Reporter tätig war, einige Fragen.

In seinem Leserbrief schreibt er: «Ist der Mann, der die Steuerzahler wegen seiner Zwängerei ein weiteres Mal Zehntausende Schweizer Franken kosten wird, gar nicht so demokratisch, wie er vorgibt? Hat er sich selber nominiert?»

Mit dieser Kandidatur verhindert Thöni eine stille Wahl von Roger Grünvogel (FDP) und Jakob Senn (SVP). Es ist nicht das erste Mal, dass der Parat-Präsident kandidiert: Immer wieder kritisiert der Zuger, dass die Wahl für Ersatzmitglieder ins Verwaltungsgericht still verläuft und unter den Parteien abgesprochen wird (zentralplus berichtete).

Parat antwortet auf Vorwurf mit Kopfschütteln

Wollte also die Partei mit dem «Verschweigen» der Kandidatur etwas verheimlichen? Die Partei verneint und schreibt: «Anders als Charly Keiser in der «Zuger Zeitung» suggeriert, stammen die Wahlvorschläge im Kanton Zug nicht von Parteien, sondern von mindestens zehn Stimmberechtigten. So auch im Fall der Kandidatur von Stefan Thöni als Ersatzrichter des Verwaltungsgerichts.»

Präsident Stefan Thöni sagt: «Selbstverständlich hat mich meine Partei nach dem parteiinternen Prozess nominiert. Wir halten dies jedoch bei Kandidaten für Justizämter für wenig relevant und hatten daher bislang auf eine Medienmitteilung verzichtet. Die Parteiangabe am Wahlvorschlag betrachten wir eher als Transparenzhinweis.» Die Parat-Partei rät dem langjährigen Journalisten Charly Keiser süffisant, zuerst fünf Minuten zu recherchieren, bevor er einen Leserbrief schreibe.

Will Keiser die Partei gezielt diskreditieren?

Sie vermutet persönliche Missgunst als Antrieb. Es erscheine der Partei so, «als würde Keiser gezielt versuchen, Parat und ihren Kandidaten Thöni zu diskreditieren».

Was sagt Charly Keiser selbst zu diesen Vorwürfen? Auf Nachfrage von zentralplus schreibt Keiser, dass er sich zu Mutmassungen der Partei nicht äussern werde. «Die können selbstverständlich sagen, denken und glauben, was sie wollen.»

Er betont, dass diese Kandidatur die Zuger Steuerzahler einige tausend Franken kosten werde. Und weiter: «Meine mehr als fünfminutige Recherche hat im Übrigen zweifelsfrei ergeben, dass Parat keine Medienmitteilung zur Nomination von Thöni publiziert hat.»

Privatperson oder Kantonsangestellter?

Keiser betont, dass er den Leserbrief als Privatperson verfasst habe, während Parat in ihrer Mitteilung auf seine Funktion als Kommunikationsbeauftragter und ehemaliger Journalist verwies. «Warum Parat – oder wohl besser Stefan Thöni – hier auf meine jetzigen und vorherigen Arbeitgeber lenkt, sagt bereits viel aus», so Keiser. «Denn dem entspringt kein Argument und kein Qualitätsmerkmal.»

Stefan Thöni hingegen kontert: «Ich denke, wenn jemand beruflich in einer Kommunikationsfunktion ist, wird es schwer, dies von der Privatperson zu trennen.»

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4 Kommentare
  1. Tom Magnusson, 27.04.2022, 15:25 Uhr

    Der Streit zwischen den beiden Herren will ich gar nicht kommentieren, denn darunter geht vergessen, wie die Richterstellen im Kanton Zug besetzt werden. Die Parteien, die im Kantonsrat sind, tauschen sich aus und bestimmen eine «federführende Partei» für die Suche von geeigneten Personen. Das ist nicht etwa ein «Gemauschel» oder eine abgekartete Sache, sondern eine offene Ausschreibung.

    Bei der FDP ist das so, denn ich habe für die FDP des Kantons Zug die Findungskommission geleitet, welche die Nachfolge für Diana Oswald gesucht hat. Diana Oswald wurde glanzvoll ans Verwaltungsgericht gewählt und ihre bisherige Ersatzrichterstelle wurde frei. Ein vollkommen transparenter Ablauf, alle Parteien und alle interessierten Juristinnen und Juristen wussten Bescheid. Wir haben gefragt und gesucht, wir haben geprüft und überlegt. Keineswegs mit der «Partei-Lupe» oder ganz geheim, wie das offensichtlich unkundige Leute bei Richterwahlen immer wieder behaupten. Im Gegenteil!
    Welchen Prozess der Kandidat der ehemaligen Piraten durchlaufen ist, kann, will und muss ich hingegen nicht beurteilen. Honni soit qui mal y pense!

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  2. ermola, 27.04.2022, 13:45 Uhr

    Bezüglich Richterwahlen und Thöni scheinen beim Filz langsam die Nerven blank zu liegen, gut so!

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  3. Marc, 27.04.2022, 10:04 Uhr

    Thöni ist ein Querulant? Breaking News…

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  4. Dom Aegerter, 27.04.2022, 07:34 Uhr

    Charly Keiser eben. Er hat den Transfer zur Rolle in der Verwaltung wohl noch nicht ganz geschafft

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