Gesellschaft
Eskalation in wenigen Tagen – Behörden stark gefordert

Ausmass des Covid-Ausbruchs an Hünenberger Schule ist unklar

Grosse Schule, grosse Unsicherheit: Schule Eichmatt, geplant vor 15 Jahren von Bünzli Courvoisier Architekten. (Bild: zvg)

Eine Klasse in Quarantäne, fünf Klassen mit Fernunterricht: In Hünenberg besteht Unklarheit über die Tragweite eines kürzlichen Corona-Ausbruchs. Die Schulleitung hat es geschafft, besorgte Eltern zu beruhigen. Doch nun ist die Süfafrika-Mutation des Virus an einem Kindergarten in einem andern Gemeindeteil aufgetaucht.

Wie viele Personen sich im Umfeld des Hünenberger Schulhauses Eichmatt und des Kindergartens Moos in den letzten Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben, ist derzeit unklar (zentralplus berichtete). Die Schulbehörden möchten vermeiden, dass Rückschlüsse auf konkrete Personen möglich sind und gehen deswegen nicht auf entsprechende Anfragen ein.

Die kantonale Gesundheitsdirektion gibt sich ebenfalls bedeckt. Auf Anfrage von zentralplus hiess es am Dienstag, Testresultate seien noch ausstehend. Es brauche zusätzliche Abklärungen und Tests, um allfällige positive Fälle im familiären und privaten Umkreis von Indexpersonen festzustellen.

Besorgte Eltern

Klar ist: Mindestens sechs Personen – Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen – im Schulhaus Eichmatt wurden positiv auf Corona getestet – und zwar schon letzte Woche. Der Zuger Kantonsarzt verordnete am Freitag für die Schüler einer Klasse des Schulhauses Eichmatt für die verbleibende Zeit bis zu den Sportferien Quarantäne. Die Hünenberger Schulbehörden verfügten Fernunterricht.

«Es herrschte grosse Besorgnis bei vielen Eltern», sagt Rolf Schmid, Rektor der Schulen Hünenberg. Weil ausserdem einige Familien vor dem Wochenende kränkelten, habe man in Absprache mit dem Schulpräsidenten am Montag Fernunterricht für vier weitere Klassen verfügt. «Wir haben darüber schon verschiedene erleichterte Rückmeldungen erhalten», sagt Schmid.

30 Leute aus Umfeld in Quarantäne

Für die vier zusätzlichen Klassen gilt kein generelles Quarantäne-Gebot. Dieses betrifft lediglich das Umfeld der bekannten Infizierten. Wie Aurel Köpfli, der Sprecher der Zuger Gesundheitsdirektion sagte, seien derzeit neben den Isolierten rund 30 Personen betroffen – darunter auch Schüler.

Das Eskalationstempo in Hünenberg spiegelt sich in der raschen Abfolge der Informationen. Am Montag hiess es, es seien im Schulhaus Eichmatt keine Mutationen des Coronavirus festgestellt worden. Um sich dessen sicher zu sein, braucht es offenbar keine Sequenzierung der positiven Proben. «Hierzu reicht ein PCR-Test mit neuer Sonde», so Köpfli.

Mutation aufgetaucht

Am Dienstag gabs schlechte Nachrichten: Auf der Homepage der Hünenberger Schulen schrieb Rektor Rolf Schmid in einer Information, die aktuell aufdatiert wird: «Heute Nachmittag haben wir erfahren, dass im Kindergarten Moos 2 die Virus-Mutation B1.1.7 (Südafrikanischer Virus) festgestellt worden ist.»

Allerdings befindet sich der Kindergarten in Hünenberg Dorf, die Schule Eichmatt indes in Kemmatten, in Hünenberg See – also in einen andern Teil der Gemeinde, die total 1’100 schulpflichtige Kinder zählt, welche 65 Klassen besuchen.

Zwei weitere Klassen in Quarantäne

Für beide Kindergartenklassen verordnete der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri darauf eine zehntägige Quarantäne. Ausserdem wurden Reihentests durchgeführt, Eltern und Kinergartenkinder wurden von den Schulbehörden direkt angeschrieben und aufgeboten, Der Kanton informiert am Mittwoch.

Der Fall zeigt, wie anspruchsvoll die Bewältigung eines Corona-Ausbruchs für Beteiligte im konkreten Fall ist: Nicht nur auf organisatorischer Ebene – auch kommunikativ. Unklarheit über die Zahl der Angesteckten, Rätselraten über Massentests macht die Situation für alle Anspruchsgruppen schwierig.

Mit ihren aktualisierten Informationen halten die Hünenberger Schulbehörden dagegen – sind aber nicht die einzigen, die für den Fall zuständig sind. Ihre Sache ist die Organisation des Unterrichts – epidemiologische Entscheide kommen indes vom Kanton. «Wir halten uns natürlich an die Empfehlungen des Kantonsarztes», sagt Rolf Schmid.

Sportwoche fällt zum Teil aus

Das Coronavirus hat die Schulbehörden im Kanton Zug in den letzten Wochen ohnehin auf Trab gehalten. Denn sie mussten die Sportwoche während der Sportferien organisieren. Das ist auch in Zeiten ohne Seuche ein anspruchsvolles Unterfangen, denn für die Angebote melden sich oft mehr Schüler an, als Plätze vorhanden sind – und diese gilt es dann möglichst fair zu verteilen.

In Hünenberg waren es über 600 Kinder, die an der Sportwoche teilnehmen wollten. Die Bildungsdirektion beharrte auf ihrer Durchführung – der Kantonsarzt aber meldete Bedenken an. Und die Schulen in den Gemeinden mussten dann eine Lösung finden, die allen gerecht wird. Diese sieht so aus, dass die Angebote für die älteren Primarschüler abgesagt wurden, jene für die jüngeren aber durchgeführt werden, wobei man eine Durchmischung der Klassen und der Schulen zu vermeiden sucht.

Kein Schulschwimmen, getrennte Pausen

Ausserdem galt es, die verbleibende Schulzeit vor den Ferien an der Schule Eichmatt für jene Klassen sinnvoll zu organisieren, die nicht in den Fernunterricht geschickt wurden. Auch hier lautete das Motto, eine Durchmischung der Klassen zu verhindern. Was bedeutet, dass der Französischunterricht nur in der eigenen Klasse, in dieser Woche kein Schwimmunterricht, Religionsunterricht nur dort, wo nicht Kinder aus mehreren Klassen zusammenkommen, stattfindet und die Pausen soweit möglich in der eigenen Klasse und nötigenfalls gestaffelt abgehalten werden.

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