Gesellschaft

Soziales Projekt von Emmer Schülerinnen
«6020 Hilft»: Wer hat, bringt – wer braucht, holt

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentar: 1
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Alexander Haas hat zusammen mit seiner Klasse das Projekt «6020 hilft» ins Leben gerufen. (Bild: zvg)

Sie wollen armen Menschen in der Gemeinde helfen. Das Projekt heisst «6020 Hilft» und soll Mitte November als Pilotprojekt in Emmenbrücke starten. Die Idee entstand während der Corona-Krise – heute wird das Projekt von der Nachfolgerklasse weitergeführt. Das Projekt ist vielversprechend – auch für die Gemeinde Emmen.

Als Alexander Haas, Lehrer der ehemaligen Abschlussklasse 3k, vor wenigen Wochen über das Rektorat eine knappe, aber klare Rückmeldung vom Gemeinderat Emmen erhält («Machen!»), steckt das Projekt «6020 Hilft» noch in den Kinderschuhen. Die Idee der Abschlussklasse 3k in Erlen ist simpel: Ein kleines Geschäft soll diejenigen Menschen, die bereits am Rande der Armut leben oder aufgrund von Corona in diese gerutscht sind, mit Gratis-Lebensmitteln, Kleidung und anderen Waren versorgen.

Im Januar 2021 wurden mehrere Ideen für Projekte – zuerst vor Ort und später von zu Hause vor den Bildschirmen – zusammengetragen. Letztlich kristallisierte sich aus insgesamt vier Projekten das Projekt «6020 Hilft» als bestes Projekt heraus (zentralplus berichtete).

Heute zeigt sich, dass dieser Entscheid richtig war. Denn das Projekt stösst schliesslich auch im Gemeinderat Emmen auf Gehör – er unterstützt das Projekt ideell. Die positive Rückmeldung auf politischer Ebene freut Haas fast genauso wie die Euphorie seiner jetzigen Klasse, die das Projekt im Sommer von der Vorgängerklasse übernommen hat.

Eine Win-win-Situation

Bereits kurze Zeit nach den Sommerferien haben Christian, Nahel, Miriam und Anja* (*Namen geändert) zusammen mit zehn weiteren Mitschülern und Mitschülerinnen damit begonnen, in der ganzen Gemeinde Werbung zu machen. Heisst: Plakate designen, Flyer verteilen, Menschen ansprechen und auf das Projekt aufmerksam machen.

Dazu gehörten gezielte Anfragen bei privaten Sponsoren oder Lebensmittelhändlern wie Coop, Aldi und Co. Schnell wurde klar, dass das Projekt aber nicht nur für bedürftige Menschen eine Bereicherung ist, auch die Schüler und Schülerinnen profitieren davon, sich im Projekt einzusetzen.

«Wir gehen zwar in die Schule, aber irgendwie fühlt sich das anders an – es macht mehr Spass, weil wir etwas bewirken können.»

Christian, Schüler der Klasse 1K des Erlenschulhauses Emmenbrücke

«Wir lernen hier Dinge, die wir in der Schule sonst nicht lernen», erzählt Anja. Daher vermitteln auch andere Lehrpersonen wichtigen Stoff mit interessanten Lernumgebungen und Projekten.

Auch Christian ist der Meinung, dass diese soziale Arbeit in gewöhnlichen Schulstunden weniger gut vermittelt werden kann: «Wir gehen zwar in die Schule, aber irgendwie fühlt sich das anders an – es macht mehr Spass, weil wir etwas bewirken können.» Solche Aussagen freuen auch Alexander Haas. Geplant ist nämlich, das Projekt mit zwei Containern Mitte November mit einem «Soft-Opening» zu eröffnen. Danach soll das Projekt für zwölf Monate weitergeführt werden.

Alexander Haas ist überzeugt, dass es in den kommenden Monaten immer wieder konzeptionelle Anpassungen geben wird. «Letztlich ist es auch ein Learning-by-Doing-Projekt. Wir müssen zum Beispiel herausfinden, ob es Sinn macht, ein Mengenkontingent einzuführen.» Schliesslich wolle man keine Hamsterspenden provozieren. Trotzdem soll jeder, der etwas braucht, etwas erhalten können.

In diesen insgesamt zwölf Monaten wäre geplant, mehrere Schulklassen aus der ganzen Gemeinde für einen freiwilligen Einsatz zu motivieren. So lange habe man die Möglichkeit, die Container auf dem NF-49-Areal in der Nähe der Autobahn aufzustellen. Danach ist neben dem Standort aber auch die Weiterfinanzierung des Projekts (noch) nicht geklärt.

Klasse 1K des Erlenschulhauses Emmenbrücke.

«Derzeit reichen die privaten Spenden sowie die finanzielle Unterstützung der Gemeinde für acht Monate», erklärt Haas. Er arbeitet mit seiner Klasse während der Deutsch- und ERG-Stunden (Ethik, Religionen, Gemeinschaft) mit Hochdruck daran, neue Sponsoren für das Projekt zu finden. «Das grösste Schreckensszenario ist aber nicht die finanzielle Unsicherheit, viel schlimmer wäre es, wenn wir Mitte November mit leeren Containern dastehen und bedürftigen Menschen nichts anbieten können.»

Damit dieser Alptraum nicht wahr wird, benötigt es neben der intrinsischen Motivation der Schüler auch die Unterstützung anderer Schulleitungen der Gemeinde. Auch hier schöpft Haas Hoffnung: Die Rückmeldungen der Lehrpersonen waren positiv.  Sollten letztlich doch alle Stricke reissen, wird Haas das Projekt notfalls alleine führen, bis er Privatpersonen wie beispielsweise Pensionäre, andere Schulklassen oder IF-Lehrpersonen findet, die ihn unterstützen.

«Immer mehr Menschen benötigen seit der Corona-Pandemie Hilfe, sie sagen es aber nicht.»

Miriam, Schülerin der Klasse 1K des Erlenschulhauses Emmenbrücke

«Ich denke, dass die Freiwilligenarbeit auch für den Einstieg in die Berufswelt wertvoll sein kann», sagt Haas. Deshalb sehe er durchwegs Chancen, dass sich auch andere Klassen – ähnlich wie seine eigene – für das Projekt einsetzen. «Ideal wäre es, wenn wir zwei bis drei Mal pro Woche an einem Nachmittag mit maximal acht Schülerinnen und Schülern in den Containern Spenden wie beispielsweise Pflegeprodukte, Kleidung, aber auch Nahrungsmittel mit einem baldigen Ablaufdatum verteilen können.»

Jeder Rappen zählt

Damit das Projekt gelingt, benötigt es zweierlei Dinge: eine gewisse Bekanntheit des Projekts. Schliesslich müssen die Menschen wissen, wohin sie beispielsweise zu viel eingekaufte Ware bringen können, wenn sie verreisen. Daneben benötigt es weiterhin die finanzielle Unterstützung von privaten Sponsoren und der öffentlichen Hand.

«Damit das Projekt auch nach der Pilotphase im nächsten Herbst weitergeführt werden könnte, benötigt es zwischen 5’000 und 8’000 Franken. Wir investieren jeden Rappen in das Projekt und legen unsere Bücher bewusst offen.» Das ist ein bewusster Entscheid. Denn schliesslich wolle man zu keiner Non-Profit-Organisation werden, die Gewinne erzielt und den Sponsoren zeigen, wohin ihr Geld fliesst.

«Für uns stehen Menschen im Zentrum, die sich am Rande der Gesellschaft befinden. Immer mehr Menschen benötigen seit der Corona-Pandemie Hilfe, sie sagen es aber nicht», beobachtet Miriam.

Nahel teilt Miriams Beobachtung und ergänzt: «Ich möchte diese Menschen auf unser Projekt aufmerksam machen, weil sie unsere Hilfe dringend brauchen. Das gibt mir ein gutes Gefühl und motiviert mich weiterzumachen.»

Ganz nach dem Motto des Projekts: Wer hat, bringt – wer benötigt, holt.

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1 Kommentare
  1. Emmenbronx, 25.10.2021, 14:11 Uhr

    Die Gemeinde Emmen würde besser ihre Arbeit richtig machen, so würde er Armutsbetroffenen am meisten helfen. Beim Bau vom Schulhaus Erlen hat er 2 Millionen in den Sand gesetzt! Mit dem Geld hätte man viel helfen können. Aber dies wird in Emmenbrücke wie vieles unter den Teppich gekehrt.

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