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Geschlecht spricht gegen SVP, Konkordanz gegen FDP
  • Politik
Drei Kandidaten buhlen in Horw um zwei Sitze. Von links: Claudia Röösli, Francesca Schoch und Oliver Imfeld. (Bild: zvg )

Dreikampf um zwei Horwer Gemeinderatssitze Geschlecht spricht gegen SVP, Konkordanz gegen FDP

5 min Lesezeit 29.04.2019, 19:52 Uhr

Zwei Sitze, drei Kandidaten: Die Ausgangslage bei den Horwer Gemeinderatswahlen verspricht Spannung. Die CVP unterstützt einzig die Kandidatin der Linken. Der Volkspartei droht nun auch in der letzten Luzerner Agglogemeinde der Verlust des Gemeinderatssitzes. 

Gleich zwei vorzeitige Rücktritte hat der Horwer Gemeinderat zu verzeichnen. Oskar Mathis (L20) und Robert Odermatt (SVP) beenden ihre Amtszeit vor Ende der laufenden Legislatur. Damit kommt es am 19. Mai zu Wahlen. Denn: Nebst Claudia Röösli (L20) und Oliver Imfeld (SVP) steigt mit Francesca Schoch auch eine Kandidatin der FDP in den Ring (zentralplus berichtete). 

Die Ausgangslage ist spannend. Aktuell besetzen fünf Männer die fünf Sitze, parteipolitisch haben L20, FDP und SVP je einen Sitz, die CVP deren zwei. Fast wie bei den Regierungsratswahlen spielen die Faktoren Geschlecht und Konkordanz eine entscheidende Rolle. 

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Bezüglich Geschlecht sind sich die drei Kandidaten einig. «Als Mann bin ich wohl nicht gerade im Vorteil», gibt Oliver Imfeld unumwunden zu. «Im Moment hat man einen Frauenbonus», pflichtet Claudia Röösli bei, die gemischte Teams grundsätzlich bevorzugt. Auch Francesca Schoch sagt, ihr Geschlecht sei sicher kein Nachteil. Auch wenn sie anfügt: «Mir geht es nicht um Mann oder Frau. Es braucht Kompetenz.»

«Eine Wahl zeigt klar auf, ob man beim Volk ankommt.»

Claudia Röösli, L20-Kandidatin

Dass es überhaupt zu dieser Kampfwahl kommt und damit das bisher vorherrschende Konkordanzmodell in Frage gestellt ist, hat mit der FDP-Sprengkandidatur von Francesca Schoch zu tun. Sie sagt: «Ich habe gespürt, dass die Leute eine Wahl wollen. Das Volk soll entscheiden, wen es im Gemeinderat vertreten haben will.» Auch Röösli begrüsst den nun durchzuführenden Wahlkampf: «Eine Wahl zeigt klar auf, ob man beim Volk ankommt.» Imfeld ergänzt: «Die Wahl gibt der Bevölkerung die Möglichkeit, sich über die Kandidaten vertieft zu informieren, um sich für die fähigsten Kandidaten für dieses Amt zu entscheiden.»

CVP empfiehlt nur linke Kandidatin

Zur Frage der Konkordanz soll also das Volk Stellung nehmen. Stärkt es mit einer Wahl der FDP-Kandidatin die Mitte, so bleibt links oder rechts im Gemeinderat künftig aussen vor. Diese Überlegungen machte sich auch die CVP an ihrer Parteiversammlung. Mit folgendem Resultat: Die CVP unterstützt einzig die Kandidatur von Claudia Röösli. «Zur politischen Ausrichtung von Oliver Imfeld gibt es zu grosse Unterschiede», sagt Präsident Ivan Studer. Francesca Schoch sei politisch unbekannt. 

Auch die CVP bekennt sich demnach nicht vollumfänglich zur Konkordanz. Obwohl Studer diesem System auch Vorteile abgewinnt. «Es besteht schon die Gefahr, dass die politische Zusammenarbeit schwieriger wird, wenn eine Partei in die Opposition gedrängt wird.» Er relativiert jedoch zugleich, dass auf Gemeindeebene sehr oft über sehr konkrete Inhalte gesprochen werde und parteiideologische Grundeinstellungen in den Hintergrund geraten.

Rööslis zweiter Anlauf

«Claudia Röösli kennen wir aus dem Einwohnerrat als sachliche und kompetente Politikerin», sagt Studer schliesslich über die Kandidatin des linken Bündnisses L20. Ist Röösli demnach die Kronfavoritin und der linke Sitz unbestritten? Zweiteres nimmt Röösli so wahr. Eine Prognose will sie aber nicht wagen: «Das Resultat kennt man erst am Wahltag.» 

Die 55-Jährige versuchte bereits vor drei Jahren einen Sitz im Horwer Gemeinderat zu ergattern. Es hätte der zweite für die L20 werden sollen. Ihr ging es damals aber mehr darum, dass auch eine Frau zur Wahl steht, auch wenn es schliesslich nicht reichte. Die dreifache Mutter arbeitet seit 25 Jahren bei der Spitex Luzern, mittlerweile im Prozess- und Qualitätsmanagement. Ihre Tätigkeit habe auch einen Einfluss auf ihre politischen Ansichten: «Der Mensch steht bei mir immer im Mittelpunkt», sagt sie, «die Lebensqualität in unserer Gemeinde ist zentral.» Röösli will sich für gute Schulen, genügend Angebote im Alter, bezahlbaren Wohnraum für alle, den Gewerbe- und Branchenmix und den Erhalt von Grünzonen einsetzen. «Steuersenkungen lehne ich grundsätzlich ab», sagt sie.

DJ-Bobo-Manager sucht neue berufliche Herausforderung

Auch Oliver Imfeld ist politisch in der Gemeinde bekannt. Der Vizepräsident der Luzerner SVP sitzt seit 2015 im Horwer Einwohnerrat und trat auch als engagierter, aber erfolgloser Kandidat für den Kantons- und Nationalrat in Erscheinung. Imfeld ist Geschäftsführer von «Yes Music» und in dieser Funktion auch als Manager von DJ Bobo tätig. Auf Ende Juni wird er diese Stelle jedoch niederlegen, Wahlerfolg hin oder her. 

«Ich bin kein Rechtsaussen, sondern arbeite lösungsorientiert mit.» 

Oliver Imfeld, SVP-Kandidat

Dass er von der CVP als Partei nicht offiziell empfohlen wird, bezeichnet Imfeld als «schade, jedoch haben mir bereits etliche CVP Exponenten trotzdem ihre Unterstützung zugesagt». Er sagt: «Ich bin kein Rechtsaussen, sondern arbeite lösungsorientiert mit.» Klar vertrete er seine Standpunkte teilweise vehement. «Ich will aber nicht einfach recht haben, sondern die Leute zum Nachdenken anregen», so der 50-Jährige.

Verliert die SVP ihr Gemeinderatsmandat, wäre es der dritte und letzte Sitz in der Exekutive in einer Luzerner Agglogemeinde. Nach der Wahl von Paul Winiker in den Regierungsrat verlor sie den Sitz im Krienser Gemeinderat – und auch Nationalrat Felix Müri gelang es in Emmen nicht, den Sitz des abtretenden Urs Dickerhof zu verteidigen (zentralplus berichtete).

«Ich kann unbelastet an das Ganze herangehen.»

Francesca Schoch, FDP-Kandidatin

Durch seine langjährige Führungserfahrung bringe er das notwendige Rüstzeug für den Horwer Gemeinderat mit, sagt Imfeld. Grosse Herausforderungen für die Gemeinde Horw sieht er beim Verkehr und der Infrastruktur. «Horw soll zum Wohnen und Arbeiten attraktiv bleiben», so Imfeld. Finanziell befinde man sich dazu auf einem guten Weg. Trotz grossem Überschuss will Imfeld nicht als Erstes wieder an den Steuern schrauben. «Steuersenkungen sollte man mit Bedacht angehen und können erst bei Vorliegen der neuen Finanzpläne in Betracht gezogen werden», sagt er. 

FDP-Kandidatin warnt vor Betriebsblindheit

Die Letzte im Bunde ist die grosse politische Unbekannte: FDP-Frau Francesca Schoch. «Ich habe mit meinem Mann schon länger über ein grösseres politisches Engagement gesprochen», sagt die 51-Jährige zu ihrer Kandidatur. Schoch arbeitet im Personal- und Finanzwesen bei einer international tätigen Handelsfirma. Sie sieht es gar als Vorteil, dass sie politisch ein unbeschriebenes Blatt ist: «Ich kann unbelastet an das Ganze herangehen.» Politik interessiere sie schliesslich schon lange, deshalb traue sie sich das Amt auch zu.

Schoch bezeichnet Horw als «gut funktionierende Gemeinde». Sie wolle das Gewerbe stärken, familienfreundliche Strukturen schaffen und dafür sorgen, dass die Halbinsel grün bleibe. Übertriebene politische Ziele hat sie nicht: «Ich will authentisch bleiben und nicht etwas versprechen, das ich nicht halten kann.»

Coop- und Migros-Kinder

Ob die neue Zusammensetzung des Horwer Gemeinderates bereits am 19. Mai beschlossene Sache ist, scheint fragwürdig. Viele rechnen mit einem zweiten Wahlgang. Bis dahin betreiben die Kandidaten fleissig Wahlkampf. Sie verschicken Flugblätter und stellen Plakate auf. Auch an Standaktionen versucht man die Wähler zu überzeugen. L20 und SVP vor der Migros – die FDP vor dem Coop.

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