1994 schrieb der Journalist Res Strehle mit «Verschlüsselt» ein Buch über die Erlebnisse des Crypto-Mitarbeiters Hans Bühler, der im Iran wegen Spionageverdacht festgehalten wurde.
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1994 schrieb der Journalist Res Strehle mit «Verschlüsselt» ein Buch über die Erlebnisse des Crypto-Mitarbeiters Hans Bühler, der im Iran wegen Spionageverdacht festgehalten wurde. (Bild: zvg)

Aus aktuellem Anlass Alle Netflix-Serien zu Ende geschaut? Hier noch ein paar Buchtipps aus der Region

4 min Lesezeit 24.12.2019, 11:52 Uhr

Das Konzert ist abgesagt, die Disco läuft auf Sparflamme. Das Corona-Virus ist auch eine Chance, den eigenen Alltag zu entschleunigen. Mit diesen literarischen Ergüssen machst du alles richtig. Auch für Kinder ist etwas dabei.

Wir haben keine Zeit zu verlieren, drum gehen wir in medias res. Der Buchhändler Balmer und Stocker empfiehlt folgende Bücher für Luzernerinnen und Zuger – die sicher auch in vielen anderen gut sortierten Buchhandlungen oder am Bahnhof erhältlich sind.

Res Strehle: Verschlüsselt

Die Geschichte des Gefangenen 01228/1 ist die kafkaeske Geschichte einer doppelten Gefangenschaft. Es ist zunächst die neunmonatige Inhaftierung des Zürcher Verkaufsingenieurs Hans Bühler in einem iranischen Militärgefängnis im Jahre 1992. Nach der Rückkehr in die Schweiz folgt Bühlers Entlassung durch die Chiffriergeräte-Firma Crypto AG und seine zweite «Gefangenschaft» in der verzweifelten Suche nach den Gründen für die Zerstörung seiner beruflichen Existenz: Unerlaubter Alkoholkonsum gemäss islamischem Recht? Dafür hätten ein paar Peitschenhiebe als Strafe genügt. Bestechung? Damit hatte er nichts zu tun. Kontakte zu Militärpersonen? Das war Teil seiner Verkaufsarbeit. Geisel zur Verhinderung der Auslieferung eines iranischen Staatsbürgers nach Frankreich? Der Iraner wurde ausgeliefert. Nachrichtendienstliche Verbindungen? Es dauerte bis ins Jahr 2020, bis das Rätsel gelöst war. Das ist der Anlass dieser Neuauflage.

Res Strehle, freier Journalist in Zürich mit den Schwerpunktthemen Politik und Gesellschaft, ging Bühlers Geschichte im Auftrag des Werd Verlags nach.

200 Seiten. 25 Franken inklusive dokumentarischer Anhang mit zahlreichen Abbildungen.

Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und das Böse

Das Freiamt liegt ja genau genommen nicht im Kanton Zug. Aber die Aargauer dort haben einen starken – Wortwitz unbeabsichtigt – Bezug zur Region. Der Autor und Journalist Marcel Huwyler ist so einer. Er hat einen Krimi geschrieben. Dazu hat er aber keinen neuen Bärlach, Studer oder Flückiger erfunden. Seine Protagonistin heisst: Frau Morgenstern.

Frau Morgenstern unterscheidet sich von den genannten Komissaren nicht nur durch das Geschlecht: Sie setzt auch dort an, wo das Gesetz versagt. Für die Berufsmörderin beginnt die Geschichte eben erst dort. Sie bringt nämlich bewusst diejenigen um die Ecke, die es ihrer Ansicht nach verdient haben. Als sie erwischt wird, öffnet sich ihr ungeahnt eine zweite Karriere.

352 Seiten. 18.90 Franken (Paperback)

Thomas Heimgartner: Kaiser ruft nach

Frau Morgenstern und die Hauptfigur des nächsten Buches ergänzen sich perfekt: Während Morgenstern mordet, kümmert sich Kaiser um den Nachruf (zentralplus berichtete). Sein Erfinder, Thomas Heimgartner, als Zuger in Luzern zu Hause, und als Kanti-Lehrer in Zug tätig, schreibt dazu tolle Sätze. Wie: «Anscheinend bin ich ganz gut im Totschreiben.» Die «Nekrovelle» um Kaspar Kaiser, professioneller Nachruf-Schreiber, gibt dem Lokalen viel Platz und schreibt das Leben der Toten schön.

140 Seiten. 30.90 Franken (kartoniert)

Lorenz Müller: Endstation Gotthard

Wir bleiben noch etwas bei den Toten. Ein Mann verschwindet spurlos – und wird Monate später auf einer einsamen Landstrasse im Tessin tot aufgefunden. Nackt, kahl geschoren und verdreckt. Da sich die Polizei nicht für den Fall zu interessieren scheint, sucht der Bruder des Toten auf eigene Faust nach Antworten. Die Geschichte spielt zwischen Zug und der Leventina. Dazwischen liegt: Eben der Gotthard.

352 Seiten. 18.90 Franken

Thomas Hürlimann: Heimkehr

Das Buch stammt zwar aus dem Vorjahr, darf aber immer noch empfohlen werden. «Heimkehr» ist eine irre Geschichte über einen beruflichen Versager (in den Augen seines Vaters), der auf dem Weg nach Hause einen schweren Unfall hat und als völlig veränderte Person auf Sizilien wieder aufwacht, wo man ihn für einen Mafioso hält. Reinkarnation, Afrika, eine grosse Liebe in Gestalt einer Ostberliner Kommunistin – Porombka fühlt sich wie auf einer Achterbahn. Hier trifft Ernst auf Lesespass.

528 Seiten. 35 Franken (gebunden)

Jacqueline Kauer und andere: Fips will keine Schildkröte mehr sein

Die Chamer Illustratorin Jacqueline Kauer hat dieses Jahr gleich bei mehreren Kinderbuchprojekten mitgewirkt. Eines davon dreht sich um die Schildkröte Fips. Die ärgert sich. Nicht, weil sie Fips heisst, obwohl sie ein Mädchen ist. Das kann jedem passieren. Sie ärgert sich, weil sie eine Schildkröte ist und immer nur herumliegt. Viel lieber möchte sie umherhüpfen wie ein kuscheliger Hase, flink sein wie ein Fuchs oder wie ein Vogel durch die Lüfte schweben. «Ich will nicht mehr ich sein», sagt Fips und sieht sich um. Und plötzlich bietet sich ihr eine tolle Gelegenheit, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Aber wird das Fips auch wirklich glücklich machen?

36 Seiten. 24.90 Franken (gebunden)

Ein anderes Buch ist «Emily und die Engelsrufer». Dabei wird das immer noch mit Tabus behaftete Thema der Sternenkinder liebevoll aufgenommen und thematisiert.

36 Seiten. 24.90 Franken (gebunden)

Hinweis: Dieser Artikel ist am 23. Dezember 2019 erschienen.

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