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Geschäftsführerin nach 1-Millionen-Betreibungen: «Der Firma geht’s gut»
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Das Krienser Bezirksgericht. (Bild: ida)

Geschäftskollegin von Baftiri vor Krienser Gericht Geschäftsführerin nach 1-Millionen-Betreibungen: «Der Firma geht’s gut»

3 min Lesezeit 19.02.2019, 05:06 Uhr

Die Managerin des Hotels Graziella musste sich wegen vergleichsweise läppischer Deliktvorwürfe vor dem Krienser Bezirksgericht verantworten. Sie soll in die Machenschaften Afrim Baftiris verwickelt sein – erwähnt diesen jedoch mit keinem einzigen Wort.

Wegen «Nichtwahrnehmens der Führungsverantwortung» musste sich eine 32-jährige Krienserin vor dem Krienser Bezirksgericht verantworten. Es sind vergleichsweise geringe Deliktsvorwürfe (siehe Box am Ende des Textes). Zumindest im Vergleich zu den Vorwürfen, denen die Beschuldigte im Konstrukt des umstrittenen Gastronomen Afrim Baftiri ausgesetzt ist.

«Kriminelle Energie»

Bafitirs Treiben ist beharrlich. Seit 15 Jahren baut er ein Hotelimperium rund um den Vierwaldstättersee auf. Obwohl er immer wieder im Visier der Justiz steht, ist er in der Branche weiterhin aktiv. 2016 sprach das Luzerner Kriminalgericht Baftiri wegen mehrfacher Urkundenfälschung, mehrfacher Erschleichung einer falschen Beurkundung und mehrfachen unwahren Angaben über kaufmännische Gewerbe schuldig, wogegen Baftiri Einsprache erhob (zentralplus berichtete). Das Gericht attestierte dem früheren Betreiber des «Jailhotels» und des «Froschkönigs» eine «nicht zu unterschätzende kriminelle Energie».

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Ein Jahr später, 2017, hat das Luzerner Kantonsgericht Baftiri vom Vorwurf der Urkundenfälschung freigesprochen, das Urteil der anderen Delikte jedoch gutgeheissen.

Verbindungen zu Afrim Baftiri

Wie die «Luzerner Zeitung» vergangene Woche publik machte, sollen die drei Häuser in Weggis, namentlich das Hotel Graziella, das Post Hotel und das «Albana» von der Firma ZB Investment AG gepachtet worden sein. Hinter dieser Firma steht der Chinese Wei Geng. Korrespondenzen der Luzerner Gastgewerbepolizei mit einem Weggiser würden jedoch zeigen, dass mindestens das Graziella und das Post Hotel an die LH Gastro GmbH untervermietet seien.

Alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin dieser Firma ist die beschuldigte Krienserin. Die Firma ist hoch verschuldet. Dutzende Male wurde sie von Juni 2017 bis Ende Januar 2019 betrieben. Es sind fast 50 Gläubiger, die auf knapp eine Million Franken pochen (zentralplus berichtete). «Der Firma geht’s gut», meinte die 32-Jährige jedoch vor Gericht mit einem Lachen. «Trotz Medienberichten», wie sie noch anfügte.

«Das tut hier nichts zur Sache.»

Die Beschuldigte vor Gericht

Die gebürtige Italienerin verweigerte jedoch die Antwort auf die Frage, wie viele Hotels sie als Geschäftsführerin der LH Gastro führt. «Das tut hier nichts zur Sache», meinte sie. Als sie vom Richter erneut gefragt wird, ob sie Geschäftsführerin des Hotels Graziella und des Hotels Tellsplatte im urnischen Sisikon ist, blockt sie erneut ab. «Wie gesagt, das tut hier nichts zur Sache.» Der Name Afrim Baftiri fiel während der Verhandlung kein einziges Mal.

Reden ist Silber, schweigen ist Gold …

Recherchen zeigten jedoch, dass die LH Gastro GmbH ihren Sitz in Kriens an der Schattenbergstrasse hat. An derselben Adresse also wie das Hotel Himmelrich. Die Liegenschaft gehöre der Lucerne Immobilien GmbH, deren Gesellschafter der Bruder von Afrim Baftiri ist.

Leitet Baftiri im Hintergrund die Geschäfte, erscheint jedoch nicht auf Papier? Mit der Frage tappt man weiterhin im Dunkeln.

Darum ging es in der Gerichtsverhandlung

Die 32-Jährige musste sich vor dem Krienser Bezirksgericht verantworten, weil unter anderem die Feuerwehr der Luzerner Seegemeinden elfmal aufgrund eines Fehlalarms nach Weggis zum Hotel Graziella ausrücken musste. Die Hotelmanagerin soll das Hotelpersonal nur ungenügend instruiert haben. Die Anklage lautete auf Nichtwahrnehmen der Führungsverantwortung. «Ich sehe nicht ein, weshalb ich bestraft werden sollte», sagte die Beschuldigte vor Gericht. Auf eine mündliche Urteilseröffnung wurde verzichtet.

Hinweis: In einer ersten Version galt eine Ungenauigkeit bezüglich des Schuldspruchs Afrim Baftiris. Die Textstelle bezog sich auf die erstinstanzliche Verurteilung Baftiris. Mittlerweile wurde die Textstelle erweitert und der zweitinstanzliche, rechtskräftige Schuldspruch aufgeführt.

So sieht das Hotel «Graziella» an der Hertensteinstrasse, am Ende von Weggis, aus.

So sieht das Hotel «Graziella» an der Hertensteinstrasse, am Ende von Weggis, aus.

(Bild: Wellness & Beauty Hotel Graziella)

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