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Gerhard Pfister, legen Sie sich auf die Couch!
  • Politik
Was in dem Kopf wohl so alles vor sich geht? zentral+ spielt Psychiater. (Bild: Collage zentralplus )

zentral+ bastelt ein Psychogramm Gerhard Pfister, legen Sie sich auf die Couch!

5 min Lesezeit 1 Kommentar 15.02.2016, 14:01 Uhr

Gerhard Pfister dürfte der nächste Präsident der Schweizer CVP sein. Grund genug, den Zuger Nationalrat einer Ferndiagnose zu unterziehen – per Twitter. Durchaus aufschlussreich, so etwas. Und die Diagnose wird Ihnen gefallen. Herr Pfister womöglich weniger.

Der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister wird im April wohl zum Präsidenten der CVP Schweiz gewählt (zentral+ berichtete). Wir gratulieren schon heute! Doch mit wem haben wir es da zu tun? Anstatt Pfister zu uns aufs virtuelle Sofa zu holen, hat sich zentral+ kurzum selber zum Psychiater ernannt und macht eine Analyse aus der Ferne. Wir untersuchten seinen Twitter-Account und eruieren, wie’s um Pfisters Innenleben so steht.

Der erste Eindruck: Ein unsicherer Mann steht vor uns. Der Blick nach unten gerichtet, das Lächeln ist verhalten – aber nicht unsympathisch. Beginnt man jedoch in der Twitterseele zu scrollen, zeigt sich ein anderes Bild. Von Unsicherheit ist da nichts zu spüren. Denn bei Pfister kommen alle unter die Räder. Angefangen bei der FDP:

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Pfister teilt gerne und viel aus. Und zwar in alle Richtungen.

Pfister teilt gerne und viel aus. Und zwar in alle Richtungen.

Die SVP versucht Pfister mit Humor aufs Korn zu nehmen:

Dieses Mal mit Humor: Der CVPler nimmt die SVP auf die Schippe.

Dieses Mal mit Humor: Der CVPler nimmt die SVP auf die Schippe.

Auch auf seiner Zielscheibe: die Linken. Mal Cedric Wermuth, mit viel Genuss auch der SP-Nationalrat Carlo Sommaruga:

Gerhard Pfister scheint nicht viel von seinem Amtskollegen Carlo Sommaruga zu halten.

Gerhard Pfister scheint nicht viel von seinem Amtskollegen Carlo Sommaruga zu halten.

... was er wiederholt preisgibt.

… was er wiederholt preisgibt.

Es bleibt nicht bei der Politik. Auch die Medien kriegen bei Pfister ihr Fett weg. So SRF:

Auch SRF wird gerügt.

Auch SRF wird gerügt.

Die NZZ, welcher er eine starke FDP-Gesinnung vorwirft:

Pfister kritisiert die NZZ, zu FDP-nah zu sein.

Pfister kritisiert die NZZ, zu FDP-nah zu sein.

Eine weitere Kritik gen NZZ. Wieder wird ihr zu grosse FDP-Nähe vorgeworfen.

Eine weitere Kritik gen NZZ. Wieder wird ihr zu grosse FDP-Nähe vorgeworfen.

 

Dasselbe wirft er des Übrigen auch der Aargauer Zeitung vor:

 

Die Aargauer Zeitung bekommt denselben Stempel aufgedrückt wie die NZZ.

Die Aargauer Zeitung bekommt denselben Stempel aufgedrückt wie die NZZ.

Der Islam wird ebenfalls kritisiert, jedenfalls indirekt mittels Retweets:

Zwar nur ein Retweet, doch eine prägnante Aussage.

Zwar nur ein Retweet, doch eine prägnante Aussage.

Und immer wieder auch der Bundesrat. Mit Vorliebe Alain Berset:

Als möglichen «Auftakt zum streitbaren Dialog» sieht Pfister Bersets Twitter-Vernetzung.

Als möglichen «Auftakt zum streitbaren Dialog» sieht Pfister Bersets Twittervernetzung.

Bundesrat Berset kommt unter die Räder.

Bundesrat Berset kommt unter die Räder.

und Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Über die Landesgrenzen hinaus kommentiert der Zuger.

Über die Landesgrenzen hinaus kommentiert der Zuger.

Dass Pfister der ganzen Flüchtlingsproblematik skeptisch gegenübersteht, zeigt sich auch hier indirekt im Retweet:

Pfister übt indirekt Kritik aus an der «Refugees Welcome»-Mentalität.

Pfister übt indirekt Kritik aus an der «Refugees Welcome»-Mentalität.

 

Gleichzeitig ist die Welt dem Herrn Pfister zu unethisch:

Geht es um Designer-Babies, findet Pfister, es fehle den Menschen an Ethik.

Geht es um Designer-Babies, findet Pfister, es fehle den Menschen an Ethik.

 

Interessanterweise bleibt dort die Kritik am mildesten, wo viele Twitterer am lautesten lamentieren: nämlich beim Tatort. Neben der Politik eines von Pfisters Top-Twitterthemen.

Lesen wir richtig? Traut Pfister nicht so recht, den Tatort zu kritisieren? Es scheint so.

Lesen wir richtig? Traut Pfister nicht so recht, den Tatort zu kritisieren? Es scheint so.

Man dürfte. Man dürfte ihn auch verreissen. Nicht so Pfister. Er spart sich die Verrisse für die Zeitungen auf.

Man dürfte. Man dürfte ihn auch verreissen. Nicht so Pfister. Er spart sich die Verrisse für die Zeitungen auf.

Als redaktionelle Hobbypsychologen würden wir bis jetzt sagen, wir haben es mit einem chronischen Nörgeler zu tun, der einfach nicht anders kann. Dampf ablassen im Internet leicht gemacht. Pfisters pointierte Aussagen weisen darauf hin, dass er sich, zumindest im Internet, nicht vor der Konfrontation scheut. – Wäre zugegeben auch blöd, wenn er das täte als Politiker. Bloss, von der CVP ist man sich diesen Ton nicht gewohnt.

Wir vermuten, dass auch im realen Leben nicht gut Kirschenessen ist mit dem Zuger. Neben den politischen Äusserungen twittert Pfister jedoch auch über anderes. Hinter dem Nationalrat steckt offenbar ein kleiner Medienkritiker. Zu lesen scheint er sie alle. Von der Sonntagszeitung bis hin zum Blick und einigen ausländischen Medien. Alsbald fragt sich der Aussenstehende. Wie schafft er das, die ganzen Blätter durchzuackern? Und der zentralplus’sche Hobbypsychologe flüstert: «Klarer Fall von Schlafproblemen und zwanghafter nächtlicher Informationsaufnahme.»

Pfister, der Tatort-Fan

So harsch seine Kritik an Medien und Politikern manchmal sein mag, so sanft ist sie dort, wo man eigentlich so richtig austeilen könnte: beim Tatort.

Doch Pfister masst sich nicht an, den Tatort zu kritisieren, auch wenn dieser so richtig mies war. Unser tiefenpsychologisches Viertelwissen sagt uns: Ein klarer Fall von Kompensation. Irgendwo muss man ja schliesslich nett sein, um nicht als Miesepeter dazustehen. Dass man ihn mag, scheint Pfister also ein Anliegen zu sein. Empathie, aha! Das finden wir gut. Mit erhobenem Zeigefinger sagen wir: Das kann kein Autist und wohl auch kein Psychopath sein.

Dafür gibt es weitere Indizien: Pfister kann tatsächlich wohlwollend sein. So etwa, wenn er einen Film rühmt (der nicht auf SRF ausgestrahlt wurde, notabene):

Er kann auch anders. Pfister übt sich als Filmkritiker.

Er kann auch anders. Pfister übt sich als Filmkritiker.

Und nun halten Sie sich fest. Auch an den Medien lässt Pfister gar zwischendurch ein gutes Haar. In diesem Fall am Tagesanzeiger. Überhaupt scheint ihm dieses Medium zu behagen:

Lob an die Medien? Ein seltener Moment in Pfisters Twitter-Geschichte.

Lob an die Medien? Ein seltener Moment in Pfisters Twittergeschichte.

Was der kleine Freud in uns jedoch deutlich spürt, ist ein Geltungsdrang, wie er bei Politikern nicht unüblich ist. 912 Posts hat der CVP-Nationalrat schon veröffentlicht. Man bedenke, dass Pfister erst am 20. Mai 2015 mit dem Twittern begonnen hat. Das macht über hundert Posts pro Monat. Darüber, wie toll er Sonnencrèmes verteilt hat, wie gut er vor der Jungen CVP geredet hat, warum er nun Ferien macht. Seine Antwort: «Deswegen!». Wir spüren da einen Ansatz von narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Auch das ist wiederum nichts Aussergewöhnliches für einen Politiker.

Auch Ferien müssen sein. Das scheint er uns mitteilen zu müssen.

Auch Ferien müssen sein. Das scheint er uns mitteilen zu müssen.

Der Redaktionspsychiater nuschelt gerade «Hang zur Schadenfreude» in seinen Bart. Könnte ein Hinweis auf Sadismus sein. Und zwar die Sorte, an der viele Facebook-«Freunde» während der Sommerferien leiden. Wie’s um den Masochismus steht, wird für unseren Psychiater auf Anhieb nicht ersichtlich.

Und trotz Bilderbuchferien mit Sonnenschein, Bergen und See: Das Twittern kann Pfister nicht ganz lassen. Und das aus einem einzigen Grund:

Und trotz Twitterferien kann Pfister die Finger doch nicht ganz davon lassen. Der Grund? Natürlich, der Tatort.

Und trotz Twitterferien kann Pfister die Finger doch nicht ganz davon lassen. Der Grund? Natürlich, der Tatort.

«Aha», sagt unser Psychiater, nimmt einen Schluck Grüntee und blickt auf seine Notizen. In der Tat ein Hinweis auf eine Social-Media-Sucht. Die gibt es, und damit ist nicht zu spassen. Noch viel stärker scheint hier jedoch eine andere Sucht durchzubrechen. Die nach neuen Tatort-Folgen. Und die finden wir irgendwie herzig.

Die Diagnose? Herr Pfister ist ein waschechter Politiker mit – für die CVP eher abnormalen – Kritikgelüsten. Eine Tendenz zum Narzissmus besteht, ebenso Hinweise auf eine Social-Media-Sucht und leicht sadistische Züge.

Wir empfehlen: Versuchen Sie doch das nächste Mal, insbesondere mit dem Luzerner Tatort, eine Spur härter ins Gericht zu gehen. Nur ein wenig. Und dafür etwas netter zu sein mit Ihren Politiker-Gschpänlis. Und twittern Sie doch über zentral+. Ob Verriss oder Lob. Wir nehmen alles. Und noch was … Herr Pfister, verreisen Sie doch wieder einmal ohne iPad, iPhone oder Laptop. An diesen See mit den tollen Bergen im Hintergrund. Warum? Deswegen.

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1 Kommentare
  1. Stefan Tobler, 17.02.2016, 10:20 Uhr

    Ein witziger Versuch Gerhard Pfisters Profil über seine Twittereien zu betrachten. Ich jedenfalls verfolge diese – fast täglich – mit lebhaftem Interesse, der Dankbarkeit für oft klare Positionen und häufig auch einem breiten Schmunzeln. Auch wenn ich seine politischen Positionen nicht in allen Fragen teile würde ich seine Tweets ausserordentlich vermissen. Könnte sein, dass er als Parteipräsi auf diesem Kanal etwas Gas wegnehmen wird. Es wäre schade.

    Übrigens kann man mit Gerhard Pfister trotz pointierten Positionen sehr gut Kirschen essen. Insbesondere wenn man kontroverse Diskussionen aushält. Da irrt die Ferndiagnose.