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Gerhard Pfister: «Gut zu wissen, was der politische Gegner liest»
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Liest seine Woz im Bundeshaus per App «heimlich», quasi konspirativ: der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister. (Bild: zvg)

Zuger CVP-Präsident als linker Testimonial Gerhard Pfister: «Gut zu wissen, was der politische Gegner liest»

4 min Lesezeit 21.12.2017, 17:57 Uhr

Ein CVP-Präsident liest die linke Wochenzeitung Woz? Offenbar schon lange. Und so liess sich der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister für eine Werbekampagne der Zeitung einspannen. Mit grimmigem Blick. Dafür beantwortete er mit einem Augenzwinkern unsere Fragen zum ungewöhnlichen Testimonial beim Klassenfeind.

zentralplus: Gerhard Pfister, Sie überraschen uns mit einer unerwarteten Werbeaktion: Lesen Sie wirklich die Woz?

Gerhard Pfister: Ich lese sie schon seit mehreren Jahren.

zentralplus: Welche Ressorts?

Pfister: Keine bestimmten Ressorts, sondern einfach, was mir auffällt.

«Ich ärgere mich wöchentlich über die Woz, aber ich möchte auch in Zukunft auf diesen Ärger nicht verzichten.»

zentralplus: Ihr Urteil über die linke Wochenzeitung?

Pfister: Sie hat sehr klare Positionen, im Gegensatz zu den Mainstream-Medien, von denen es in der Schweiz genug gibt. Ich teile allerdings praktisch keine dieser Positionen. Ich ärgere mich wöchentlich über die Zeitung, aber ich möchte auch in Zukunft auf diesen Ärger nicht verzichten. Und es ist immer gut, zu wissen, was der politische Gegner liest.

zentralplus: Ihr finsterer Blick lässt vermuten: Die Woz scheint ein humorloses Blatt, das man im Geheimen lesen muss. Ist das so?

Pfister: Nein, das gehörte zum Setting des Fotos, dass man Leute abbildet, denen man die Lektüre ja nicht sofort zuschreiben würde, und die dann so tun müssen, als dürften sie die Woz nur im Geheimen lesen. 

zentralplus: Wir hätten Sie allerdings eher bei der Weltwoche-Lektüre vermutet.

Pfister: Für die Weltwoche gilt das Gleiche: Ich lese sie, weil die Journalisten klare Positionen haben, die ich nicht teilen muss. Aber offen gestanden: Die inhaltliche gemeinsame Schnittmenge zwischen meinen Ansichten und denjenigen der Weltwoche ist schon etwas grösser als bei der Woz.

zentralplus: Wo war das Shooting?

Pfister: Im Bundeshaus.

«Ich bin meistens besser gelaunt, als ich aussehe.»

zentralplus: Fühlten Sie sich wohl? So schaut es nicht gerade aus.

Pfister: Ich musste so aussehen, als fühlte ich mich nicht wohl. Andererseits ist mein Alltagsgesicht ja meistens auch nicht gerade das fröhlichste, obwohl ich meistens besser gelaunt bin, als ich aussehe. Aber das ist halt mein Gesicht, dafür kann ich nichts.

zentralplus: Wir hören, dass Sie sich dafür nicht bezahlen liessen. Weshalb nicht?

Pfister: Wieso sollte ich mich dafür bezahlen lassen? War ja keine Arbeit für mich. Wenn ich damit einen kleinen Beitrag für die Medienvielfalt in der Schweiz leisten konnte, freut mich das.

zentralplus: Wollen Sie damit auch Linke für Ihre Partei gewinnen?

Pfister: Nein. Zudem wären Linke in der CVP am falschen Ort. Ich finde einfach, dass es zu einer guten politischen Kultur linke wie rechte Medien braucht.

zentralplus: Würden Sie auch für Roger Köppels Blatt Reklame machen?

Pfister: Warum nicht? Auch seine Zeitung ist wichtig für die Schweiz.

zentralplus: Kamen schon andere Firmen auf Sie wegen Testimonials zu?

Pfister: Ich glaube nicht, ich kann mich jedenfalls an keine Anfrage erinnern.

zentralplus: Noch was Persönliches, kurz und knapp, bitte: Print oder iPhone?

Pfister: Beide.

zentralplus: Bilanz oder Wirtschaftszeitung?

Pfister: Beide.

zentralplus: Luzerner Zeitung oder zentralplus?

Pfister: Beide.

zentralplus: NZZ oder Tagi?

Pfister: Beide.

zentralplus: Sie sind ein Vielleser. Wie sieht’s beim Trinken aus: Bier oder Wein?

Pfister: Wein.

zentralplus: Theater oder Oper?

Pfister: Theater.

zentralplus: Kino oder Netflix?

Pfister: Kino.

zentralplus: Rolling Stones oder Beatles?

Pfister: Stones.

zentralplus: Jennifer Lopez oder Céline Dion?

Pfister: Keine.

Auch Karin Keller-Sutter, Ständerätin FDP, hat bei der Lektüre der WoZ wenig zu lachen.

Auch Karin Keller-Sutter, Ständerätin FDP, hat bei der Lektüre der WoZ wenig zu lachen.

(Bild: zvg)

«Leisten Sie sich eine eigene Meinung»

zentralplus: Camille Roseau, Sie arbeiten im Marketing bei der Woz. Wie kam es zu dieser Werbung?

Camille Roseau: Wir haben zusammen mit unserer Werbeagentur nach einer Idee gesucht, mittels derer wir darauf hinweisen könnten, dass die Woz, klar und pointiert wie immer, jetzt auch komfortabel auf mobilen Devices zu lesen ist. Dabei sind zwei Ideen entstanden: Die erste hat in der Produktion eines Viralfilmes gemündet, bei dem – sinnbildlich und buchstäblich – Multis vor uns zittern.

Hier das kurze Woz-Video:

zentralplus: Okay, finden wir mässig lässig. Wie kam’s zur zweiten, der eindrücklich düsteren Printwerbung?

Camille Roseau: Für diese Kampagne haben wir mit dem Umstand gespielt, dass die Lektüre von Apps im öffentlichen Raum sehr viel diskreter vonstatten geht als die Lektüre gedruckter Zeitungen. Da passte es gut, bürgerliche PolitikerInnen die Woz per App «heimlich» – quasi konspirativ – lesen zu lassen. Es gibt übrigens nicht nur das Sujet mit Gerhard Pfister, sondern auch eines mit Karin Keller-Sutter, Ständerätin FDP. Weitere Sujets sind geplant.
 
zentralplus: Wollen Sie damit auch Rechtswähler für Ihre Zeitung gewinnen?

Camille Roseau: Getreu nach unserem fast schon fünfzehnjährigen Slogan «Leisten Sie sich eine eigene Meinung» sind wir über jeden kritischen Leser froh. Dieser Grundsatz gilt auch für unsere App-Kampagne.

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