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Geraten die Rebells unter den Sparhammer?
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Der aktuelle Streethockey-Platz ist ungenügend und muss erneuert werden, finden die «Rebells». (Bild: mbe )

Seilziehen um Spielfeld im Zuger Gemeinderat Geraten die Rebells unter den Sparhammer?

5 min Lesezeit 07.05.2016, 17:30 Uhr

Der Streethockey-Verein Oberwil Rebells braucht ein definitives Zuhause. Die Pläne sind bereits konkret, eine Lösung ist zum Greifen nah. Doch in der Stadtzuger Politik regt sich Widerstand. Der neue Platz, den die Rebells fordern, sei zu teuer, findet die Bau- und Planungskommission. Und das, obwohl der Verein über eine Million Franken der Kosten selber tragen will.

Die Oberwil Rebells wollen nach zehn Jahren endlich ein definitives Zuhause erhalten (zentralplus berichtete). Der Verein soll im Zuger Herti beheimatet werden, wo das Streethockey-Team bereits seit sieben Jahren trainiert. Um den sportlichen Ansprüchen des Clubs langfristig zu genügen, müssten sowohl ein neuer Platz mit Beleuchtung als auch bessere Infrastrukturen erstellt werden, finden die Rebells. Das aktuelle Spielfeld entspreche nicht mehr den internationalen Normen, ausserdem weise der Platz ein ungenügendes Gefälle auf, welches das Spiel bei Regen nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich mache.

Das klingt nicht für alle plausibel. Die Stadtzuger Bau- und Planungskommission (BPK) hat die Vorlage des Stadtrats kürzlich abgelehnt. Der Entscheid, der im Grossen Gemeinderat bald gefällt wird, könnte knapp werden. Nicht zuletzt, weil in praktisch allen Köpfen derzeit die Sparlampe grell leuchtet.

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Rebells wollen sich wieder auf Wesentliches konzentrieren

Maurus Schönenberger, Präsident der Oberwil Rebells, ist enttäuscht ob Haltung der BPK. Er erklärt: «Jetzt böte sich die Gelegenheit, dieses ewige Politikum ein für alle mal abzuschliessen. Wir hätten die Möglichkeit, eine geeignete Infrastruktur für unseren Verein zu schaffen, sodass wir nicht mehr dauernd um Geld betteln müssten. Dann könnten wir uns endlich einmal auf das konzentrieren, worum es bei uns wirklich geht – nämlich den Sport selber und die Förderung der Kinder und Jugendlichen.»

Die Stadt Zug soll die Kosten von 1,18 Millionen Franken für einen neuen Rebells-Platz übernehmen. Dazu kommt noch einmal ein etwa gleich hoher Betrag für eine neue Infrastruktur. Diese will der Club selber, mithilfe von Sponsoren, finanzieren.

Die Mehrheit der BPK-Mitglieder befand, dass die Kosten, welche die Stadt mit 1,18 Millionen Franken tragen müsste, zu hoch seien und das Anliegen zudem unverhältnismässig sei.

Der bestehende Streethockey-Platz im Zuger Herti

Der bestehende Streethockey-Platz im Zuger Herti

(Bild: mbe)

Ein Platz, der noch picobello ist?

Urs Bertschi, SP-Gemeinderat und Präsident der Bau- und Planungskommission, sagt: «Wir haben uns selber ein Bild vom Platz gemacht. Dabei zeigte sich, dass der Platz picobello ist. Das einzige, was der Platz heute nicht erfüllt, ist die richtige Grösse, damit auch internationale Spiele darauf stattfinden können.»

Bertschi verweist auf die Solothurner Gemeinde Bettlach, in der für bloss 1,09 Millionen Franken sowohl ein Clubgebäude als auch ein neuer Platz erstellt wurden. Er erklärt: «Es geht also auch billiger. Insofern stellt die BPK die berechtigte Frage, weshalb in Zug eine solche Anlage mehr als das Doppelte kosten soll. Machen wir hier wirklich alles besser und schöner und braucht es das überhaupt?» 

Die Aussage, die Bertschi zu den Kosten macht, sei aus dem Kontext gerissen, findet Maurus Schönenberger. «Der Platz in Bettlach wurde in zwei Teilen abgerechnet. Neben dem Teil Streethockey, den Bertschi herausgefiltert hat, gibt es nämlich noch einen anderen, grösseren Teil, der über ein anderes Konto abgerechnet wurde. Dort sind sowohl das Gebäude wie die Fussballplätze beinhaltet.»

«Es ist uns ein Anliegen, dass wir die Kosten für den Steuerzahler möglichst tief halten.»

Maurus Schönenberger, Präsident Oberwil Rebells

Weiter argumentiert Schönenberger die höheren Kosten damit, dass der Platz im Herti auf einem Sumpfgebiet liege und daher anders fundamentiert werden müsse, um stabil zu bleiben.

Die Hälfte zahlen die Rebells

Die Rebells haben sich dazu bereit erklärt, die Infrastruktur von etwa 1,2 Millionen Franken selber, sprich mit der Hilfe von Sponsoren, berappen zu wollen. Schönenberger erklärt: «Wir haben versucht, der Stadt so gut wie möglich entgegenzukommen. Die Suche nach Geldgebern dafür war für uns enorm schwierig. Doch ist es uns ein Anliegen, dass wir die Kosten für den Steuerzahler möglichst tief halten.» Ausserdem wollte der Verein damit ein Zeichen setzen, dass er bereits glücklich wäre, wenn die Stadt das Spielfeld, nicht aber die Infrastruktur übernehme. Für einen lokalen Sportverein ist das ein beachtliches Entgegenkommen. Wie sieht das der BPK-Präsident?

«Mir fehlt einfach eine gewisse Transparenz. Die Infos, die wir erhielten, waren zum Teil widersprüchlich.»

Urs Bertschi, SP-Gemeinderat und Präsident der Bau- und Planungskommission

«Die BPK weiss nicht, ob dieses Szenario so stimmt. Das sind ja immer aufbereitete Informationen, die zu uns gelangen», erwidert Bertschi darauf. Inwiefern wird denn ungenügend kommuniziert? «Mir fehlt einfach eine gewisse Transparenz. Die Infos, die wir erhielten, waren zum Teil widersprüchlich. Die BPK hat daher verlangt, dass das Ganze vom Stadtrat noch einmal vertieft angeschaut wird und auch Varianten geprüft werden.»

Wie? Schon wieder eine neue Platzgrösse?

Für Unsicherheiten bei der BPK wie auch bei der Geschäftsprüfungskommission sorgte das Anliegen, dass ein grösserer Platz entstehen soll, welcher den internationalen Normen entspreche. Dies, weil der bisherige Platz doch 2009 erst erbaut worden ist und daher den aktuellen Richtlinien entsprechen dürfte.

«Vom Schweizer Streethockey-Verband wurde 2005 die Norm von 48 auf 24 Meter angegeben. Dass dann der Weltverband, welchem der Schweizer Verband unterstellt ist, 2010 international die Spielfeldgrösse auf 52 auf 26 Meter vergrössert hat, war natürlich unglücklich. Aber wir können deshalb niemandem einen Vorwurf machen.»

«Es wäre gut, wenn die Sache einmal zur Ruhe käme und endlich fix definiert würde, wo die Oberwiler Rebells zu Hause sind.»

André Wicki, Stadtzuger Bauchef

Die Haltung der Bau- und Planungskommission zum Geschäft steht im Widerspruch zu jener der Geschäftsprüfungskommission. Diese beantragt dem Grossen Gemeinderat, die Erweiterung des Spielfeldes und dessen Baukredit von 1’184’000 Franken zu bewilligen.

Und was meint der Stadtzuger Bauchef dazu? André Wicki sagt: «Das ist natürlich die freie Meinungsbildung der Kommission. Doch es wäre eigentlich Zeit, die zehnjährige Leidensgeschichte nun zu beenden. Es wäre gut, wenn die Sache einmal zur Ruhe käme und endlich fix definiert würde, wo die Oberwiler Rebells zu Hause sind.»

Wie die Haltung des Grossen Gemeinderats zum Geschäft ist, wird sich am kommenden Dienstag zeigen. Die Diskussion darüber dürfte jedenfalls spannend werden.

 

(Bild: mbe)

Was halten Sie vom geplanten Platz für die Oberwil Rebells? Absolut nötig oder genügt es, was die Rebells heute haben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in einem Kommentar!

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