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Gerardo Seoane: «Ich spüre eine enorme Erwartungshaltung»
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Idriz Voca im Gespräch mit FCL-Coach Gerardo Seoane. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

10 Fragen an den bisher erfolgreichen FCL-Trainer Gerardo Seoane: «Ich spüre eine enorme Erwartungshaltung»

5 min Lesezeit 15.02.2018, 17:11 Uhr

Im Januar hat Gerardo Seoane den Posten als Chef-Trainer des FC Luzern von Markus Babbel übernommen. Aus zwei Partien resultierten bisher sechs Punkte – eine Bilanz, die sich sehen lässt. Seoane will weiter auf junge Talente setzen – und appelliert an die Verantwortung der Spieler.

Gerardo Seoane wirkt in seinem schwarz-blauen Trainingspullover ruhig, abgeklärt, füllt den Raum mit seiner Präsenz. So wie damals, als er das T-Shirt als FCL-Spieler übergestreift hatte: Er ist sich den medialen Umgang aus seiner Zeit als Profi-Fussballer gewohnt. Vor dem Spiel gegen den FC Zürich am kommenden Sonntag gibt er bereitwillig Auskunft.

Dass es der 39-jährige Seoane bis zum Chef-Trainer gebracht hat, verdankt er zu einem Grossteil dem ehemaligen Präsidenten Walter Stierli. Nachdem Rolf Fringer den damaligen Mittelfeldstrategen 2010 aus dem Profi-Kader gestrichen hatte, sorgte Stierli dafür, den Ur-Rothenburger mit einem Anschlussvertrag im Nachwuchsbereich an den Klub zu binden. Seither hat Seoane sämtliche Diplome bis zur Uefa-Pro-Lizenz erworben.

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zentralplus: Am 3. Februar haben Sie das erste Mal eine Mannschaft als Profi-Trainer an der Seitenlinie gecoacht. Was ging Ihnen damals durch den Kopf?

Gerardo Seoane: Die Situation war für mich nicht völlig neu – ich habe bereits die U21 als Trainer geführt. Grundsätzlich habe ich mich wohlgefühlt. Vor dem Spiel gegen Lausanne war die Atmosphäre aber extrem angespannt. Die Erwartungshaltung der Zuschauer war enorm. Dieses Gefühl übertrug sich dann auch auf mich. Aber klar: Es erfüllt mich mit Stolz, die Mannschaft als Profi-Trainer zu führen.

«Verglichen mit der U21 habe ich weniger Zeit zu verbessern. Ich muss schneller handeln und die richtigen Entscheide treffen.»

Gerardo Seoane, Trainer FC Luzern

zentralplus: Seit sechs Wochen führen Sie die erste Mannschaft. Wo sehen Sie die Unterschiede im Coaching?

Seoane: Die U21 ist die letzte Ausbildungsstufe. Hier versucht man, die Spieler individuell zu coachen, sie persönlich weiterzubringen. Auf dem grossen Platz mit dem Zuschauerlärm ist das nicht möglich. Verglichen mit der U21 habe ich weniger Zeit zu verbessern. Ich muss schneller handeln und die richtigen Entscheide treffen.

zentralplus: Der Verwaltungsrat möchte vermehrt Talente aus dem eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft auflaufen sehen. Idriz Voca ist ein Beispiel dafür, dass man sich in diese Richtung bewegt. Hat er das Zeug dazu, der nächste Fabian Lustenberger zu werden?

Seoane: Fabian Lustenberger (Hertha BSC Berlin) gab sein Debüt in der ersten Mannschaft mit 17 Jahren – damals spielte der FC Luzern noch in der Challenge League. Fabian spürte den Druck weniger als die heutigen Nachwuchsspieler. Auch wenn Idriz Voca eine ähnliche Spielart hat, auf der gleichen Position spielt und durch seine solide und mannschaftsdienliche Arbeit auffällt, benötigt Idriz noch Zeit zu reifen.

«In der Schweiz sind schlussendlich alle Vereine Ausbildungsvereine – auch für Trainer.»

Gerardo Seone, Trainer FC Luzern

zentralplus: In einem Interview haben Sie kürzlich gesagt, dass die jungen Spieler einen nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht haben. Wer steht neben Idriz Voca stellvertretend dafür?

Seoane: Markus Babbel hatte bezüglich Nachwuchsarbeit gute Arbeit geleistet. Mit dem sorgfältigen Aufbau von Ruben Vargas (Stürmer), Filip Ugrinic (defensives Mittelfeld), Yannick Schmid (Verteidigung), Marvin Schulz und Jonas Omlin (Tor) hat er rückblickend Mut bewiesen. Davon profitiert der Verein noch immer. Jetzt dürfen wir nicht den Fehler machen und diese Spieler verheizen. Bei Jonas Omlin erkenne ich bereits, wie er darauf drängt, mehr Verantwortung zu übernehmen.

zentralplus: Im Januar haben Sie das Team in einer beunruhigenden Tabellensituation übernommen. Hinzu reihten sich mehrere Kündigungen von Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle. Wie ist die Stimmung jetzt?

Seoane: Meine Aufgabe ist es, mich auf den Fussball zu konzentrieren. Aber klar: Die Situation des Vereins ist ein Thema. Die positiven Resultate haben sicherlich positiv auf das Umfeld gewirkt. Spürbar ist eine gewisse Zuversicht und Solidarität.

Gerardo Seoane dirigiert während des GC-Spiels an der Seitenlinie.

Gerardo Seoane dirigiert während des GC-Spiels an der Seitenlinie.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: In Luzern werden Sie, ähnlich wie vor 22 Jahren als damals 18-jähriger Spieler, zum «Trainer-Talent» empor gehoben. Wie gehen Sie mit der Erwartungshaltung im heiklen Luzerner-Umfeld um?

Seoane: Ich denke, das ist für jeden Trainer in der Super- und Challenge-League ähnlich. Klar, spielen in diesem Business die Resultate eine wichtige Rolle, vor allem in Luzern. Aber in der Schweiz sind schlussendlich alle Vereine Ausbildungsvereine – auch für Trainer. Deshalb versuche ich, gelassen mit der Situation umzugehen.

«Als Spieler habe ich Verantwortung übernommen und versucht, im Wohle des Teams zu denken und zu handeln. Diese Handschrift habe ich als Trainer übernommen.»

Gerardo Seoane, Trainer FC Luzern

zentralplus: Inwiefern ähnelt der Trainer dem Spieler «Seoane»?

Seoane: Das können andere besser beurteilen (lacht). Als Spieler habe ich Verantwortung übernommen und versucht, im Wohle des Teams zu denken und zu handeln. Diese Handschrift habe ich als Trainer übernommen.

zentralplus: Als Sie als Trainer vorgestellt wurden, wirkten Sie ruhig und abgeklärt. Denselben Eindruck vermittelten Sie auch nach der Partie gegen Lausanne und GC. Gibt es etwas, das Sie aus der Ruhe bringt?

Seoane: Das gibt es sicherlich, aber vermutlich wenig, das zum Fussballgeschäft gehört (lacht). Ich denke, dass man sich auf die Presse und Medienarbeit vorbereiten kann und versuchen soll, eine klare Botschaft auszusenden. Für die Stadt, für die Medien, aber auch für das Team. Die wahren Prüfsteine kommen aber erst noch.

zentralplus: Der FC Luzern ist bekannt dafür, Dramen zu kreieren. Wie schaffen Sie es, trotzdem Ruhe im Team zu schaffen?

Seoane: Einerseits haben die Resultate zu mehr Ruhe beigetragen. Daneben versuche ich, transparent zu kommunzieren – sowohl innerhalb des Teams als auch auf der Geschäftsstelle. Vor allem für die Spieler ist es wichtig, dass man ihnen einen Weg vorzeigt, ihnen Vertrauen schenkt und die entsprechenden Werkzeuge zum Erreichen der Ziele mitgibt.

zentralplus: Am Sonntag spielen Sie im Letzigrund gegen den FC Zürich. Ein Team, das vor allem in der Defensive Schwächen (zwölf Tore in vier Spielen) besitzt. Wie stellen Sie das Team gegen Zürich ein?

Seoane: Grundsätzlich schaue ich nicht auf die Statistik. Trotzdem wird das Spiel zu einer Herkulesaufgabe. Ich erwarte, dass sie uns vor allem in den ersten dreissig Minuten unter Druck setzen. Sie werden uns das Leben mit langen Bällen in den Strafraum schwermachen. Um diese zu unterbinden, verlange ich Kampfgeist und Aggressivität wie gegen Lausanne. Nur so können wir später offensive Akzente setzen.

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