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Geplante 5G-Antenne eint die Bewohner von Hünenberg See
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An den Geleisen in Hünenberg See soll eine Mobilfunkantenne gebaut werden. Doch das Gelände des Parkplatzes und des Ökihofs zwischen Kantonsstrasse und Bahn ist auch für ein neues Dorfzentrum vorgesehen. (Bild: zvg)

Trotz Corona-Krise kamen 1000 Unterschriften zusammen Geplante 5G-Antenne eint die Bewohner von Hünenberg See

5 min Lesezeit 1 Kommentar 22.05.2020, 22:53 Uhr

In Hünenberg, Baar und Unterägeri gibt es Widerstand gegen neue 5G-Antennen. Dabei ist in Hünenberg auch die Entstehung eines zweiten Dorfzentrums am See betroffen. Die neue Antenne beim Zythus würde die ohnehin komplizierte Umsetzung des Vorhabens nochmal schwieriger machen – oder gar verunmöglichen, glauben die Gegner.

936 Leute wollen sie nicht: Die geplante 5G-Antenne beim Bahnhof Zythus in Hünenberg. Für sie lag jüngst ein Baugesuch auf. Robert Klauser von der Interessensgemeinschaft Hünenberg See und Gian Brun von der IG Allianz der Jungen für die Entwicklung von Hünenberg haben die Unterschriften dagegen am Donnerstag der Gemeindepräsidentin Renate Huwyler (CVP) übergeben.

Zusammen mit zwei Einsprachen und der Aufforderung an den Gemeinderat, die Baubewilligung zu verweigern. Der Gemeinderat soll mit den Bauherren eine Lösung zu finden, welche für die Gesundheit der Hünenbergerinnen «aber auch für das geplante Zythus-Areal stimmig ist», wie sie in einer Mitteilung schreiben.

Wert der Liegenschaften sinkt

«Es gibt keinerlei Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von 5G auf unsere Gesundheit», sagt Andrea Klauser. Die enormen Leistungsspitzen, die Grenzwerte um ein Vielfaches überschreiten lassen, seien «gefährlich für die Gesundheit von Mensch und Tier». Die Strahlung nehme gegen oben hin zu – und gefährde so den Bau eines benachbarten neuen Dorfzentrums, weil in den oberen Stockwerken wohl Grenzwerte überschritten würden.

Gian Brun (FDP, links), Gemeindepräsidentin Renate Huwyler (CVP) und Robert Klauser, Präsident IG Hünenberg See bei der Übergabe des Unterschriften.

Unabhängig von der tatsächlichen Strahlenbelastung bewirke der Antennenbau auch «einen erheblichen Wertverlust der Liegenschaften in der Nähe», glaubt die Aktuarin der IG Hünenberg See. Das treffe die Gemeinde über die Steuereinnahmen und die Gebühren.

Strahlung für Kita und Begegnungszone?

«Die Verschandelung einer Teilparzelle steht der Vorstellung einer gesamtheitlichen Überbauung auf dem Zythus-Areal diametral entgegen», sagt Gian Brun. Daher sei auch die IG Allianz der Jungen für die Gestaltung von Hünenberg gegen die geplante Mobilfunkantenne.

Die IG, bestehend aus Gian Brun (FDP), Virginia Köpfli (SP) und Janina Marti (Grüne) möchte mit Unterstützung der CVP, dass es endlich vorwärtsgeht mit der geplanten Überbauung am Zythus. Es soll nach ihrem Willen eine Begegnungszone mit Kita, Bistro, Einkaufsmöglichkeiten, vielen Wohnungen sowie lauschigen Plätzen enstehen.

Dritter Anlauf für Mobilfunkantenne

«Die Antenne am geplanten Ort schädigt das Orts- und Landschaftsbild und wertet das Ganze massiv ab, sagt Brun, der mit seiner IG neben 20 Prozent bezahlbare Wohnungen auch 30 Prozent an Genossenschaften übergeben will. So soll die die Wohnungsnot ganz lokal bekämpft werden. «Wir haben in Hünenberg eine Leerwohnungsziffer um die null Prozent.»

Auch die IG Hünenberg See möchte, «dass am Zythus etwas Gutes entsteht». Sie ist nicht gegen eine Neuüberbauung des Areals. Klauser ist aus Erfahrung argwöhnisch. Er stellt fest, dass es nun das dritte Antennenprojekt sei, das Salt und Sunrise innerhalb eines Radius von 150 Metern eingereicht hätten. 2006 sei es in den Sportferien lanciert worden, 2015 während der Sommerferien, als viele Anwohner verreist waren – und das jüngste nun in der Corona-Zeit.

Unterschriften mussten eingesandt werden

Man habe  nicht einmal regulär dagegen Unterschriften sammeln können, sondern mit Flugblättern Quartierbewohner aufgerüttelt. Diese sandten dann ihre Unterschriften postalisch an die beiden IG oder warfen sie den Verantwortlichen in den Briefkasten. «Es treffen auch immer noch Dutzende Zusendungen ein, nach Ablauf der Einsprachefrist.»

Das Antennenprojekt in Hünenberg ist nicht das einzige, das auf Widerstand stösst. In Baar wurden in einer Woche 251 Unterschriften gegen eine 5G-Antennen-Projekt gesammelt – in Unterägeri vor wenigen Tagen rund 900 Unterschriften gegen eine Swisscom-Antenne. Dort empfing der Gemeindepräsident Josef Ribary (FDP) die Antennengegner zu einer Diskussionsrunde. Ähnliches wünscht man sich in Hünenberg.

Gemeinderat prüft die Lage

«Wir haben die Unterschriften entgegengenommen und werden uns nun darüber informieren, ob noch weitere Einsprachen eingegangen sind», sagt Renate Huwyler. Für die Hünenberger Gemeindepräsidentin und ihre Kollegen in der Behörde ist die Situation am Zythus so etwas wie ein gordischer Knoten.

«Es wäre schon möglich, einen Konsens zu finden, wenn nur das Gespräch gesucht würde.»

Andrea Klauser, IG Hünenberg See

Es geht nicht nur um die Antennenfrage, sondern auch um die das neue Begegnungszentrum am Hünenberger Seeufer und wie es aussehen soll. Die IG Zythus-Areal läuft bekanntlich Sturm gegen Pläne, das Gelände mit hohen Bauten zuzupflastern. Diese würden der Gegend den Charakter einen grauen Vorstadt verleihen und den Hausbesitzern weiter oben am Hang die Aussicht auf den See versperren. In der Tat war anfangs ein Bauprojekt in Diskussion, das knapp 30 Meter hohe Blöcke vorgesehen hätte. Mittlerweile spricht man über Gebäude, die deutlich unter 20 Meter hoch würden.

Kanton will Verdichtung

Doch es gibt auch eine Fundamentalopposition. Die IG Park & Ride/Ökihöfe Hünenberg möchte keine Neuüberbauung. Sie wehrt sich gegen die Aufhebung des lokalen Entsorgungsstützpunktes, der durch einen neuen zentralen gemeindlichen Ökihof oben im Dorf ersetzt werden soll.

Die Gemeinde besitzt indes nur einen kleinen Teil des Areals. Der grösste Teil gehört dem Kanton, der darauf beharrt, dass das Gelände laut Richtplan in der Verdichtungszone liegt. Eine Nichtüberbauung des Geländes oder eine Bebauung mit kleinen Häuschen sei daher rechtswidrig.

Zwei Gemeindeteile mit unterschiedlichen Interessen

Nicht nur zwischen diesen Positionen muss der Gemeinderat vermitteln, sondern auch zwischen den beiden Gemeindeteilen. Zwischen der Siedlung im Dorf, jenseits der Hügelkuppe und der Autobahn gelegen, über dem Reusstal thronend – sowie den Quartieren am See, Chämleten und Dersbach.

Die Jungpolitiker und die IG Hünenberg See wehren sich gegen diese Zweiteilung. Gian Brun möchte, dass das neue Dorfzentrum am See «einer ganzheitlichen Betrachtung genügt» und neues Leben ins Quartier bringt. Andrea Klauser hofft, dass der Hünenberger Gemeinderat sich in Zukunft weniger aufs Verwalten beschränkt, sondern sich mehr dem aktiven Moderieren zuwendet. Die bevorstehende Ortsplanungsrevision biete Anlass, sich mit den Antennenbetreibern über mögliche Alternativen zu unterhalten, findet er.

Kompromiss setzt Gesprächsbereitschaft voraus

Auch eine Entsorgungsmöglichkeit soll es weiter in Hünenberg See geben, sagt Klauser. «Es wäre vermutlich schon möglich, einen Konsens zu finden, wenn nur das Gespräch gesucht würde.» Momentan spüre er allerdings eher das Gegenteil – die Positionen seien verhärtet. «Dabei sollen wir doch alles daran setzen, eine gemeinsame Vision für unsere Gemeinde zu finden – selbst wenn das von einzelnen Anspruchsgruppen Zugeständnisse verlangt.»

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1 Kommentare
  1. digiradio, 22.05.2020, 23:58 Uhr

    Die 5G-Hysterie trägt wirklich seltsame Früchte. Da gibt es paranoide Spinner, die glauben, 5G würde das Coronavirus verbreiten. Und Impfgegner wollen uns glauben machen, dass wir alle «von Bill Gates gechipped» werden sollen, um schliesslich via 5G-Netz vom «Deep State» ferngesteuert zu werden. Doch jetzt trägt die Querfront der Covidioten tatsächlich erste Blüten! Grüne, Sozialdemokraten und Liberale schreiten zur unheiligen Allianz im Kampf gegen 5G. Dabei geschieht dies bestimmt aus gänzlich unterschiedlichen Motiven: Die einen wollen die Zersiedelung stoppen, die andern wollen verdichten.

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