Gemüse im Abo – aber bitte nicht nur Kohl
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Albert Portmann bringt zwei Kunden ihre wöchentliche Portion Gemüse nach Hause. (Bild: jal)

Seit 6 Jahren gibt es frisches Grünzeug nach Hause Gemüse im Abo – aber bitte nicht nur Kohl

5 min Lesezeit 26.10.2017, 13:08 Uhr

Das Gemüse direkt vom Bauern im Abonnement: Vor sechs Jahren ist das erste Gemüse-Abo in der Zentralschweiz lanciert worden. Inzwischen sind weitere Produzenten auf den Zug aufgesprungen. Doch trotz Bio-, Saisonal- und Regionaltrend: Den ganzen Winter nur Kohl essen will kaum jemand. Nun gehen Luzerner Anbieter neue Wege. 

Ein Kürbis, zahlreiche Kartoffeln und Karotten, Äpfel, Tomaten, ein schwarzer Rettich, Eier und eine Kohlrübe: Das liegt in einer Tasche, die Albert Portmann an der Bergstrasse in Luzern deponiert. Der Gemüsebauer aus Adligenswil war der Erste, der sogenannte Gemüse-Abos in der Region anbietet. 

Ein Korb voller Gemüse, direkt vom Bauern um die Ecke: Das ist das Konzept der Gemüse-Abos. Der Bauer packt rein, was gerade auf seinem Feld wächst, der Kunde erhält frisches Grünzeug direkt an die Haustür oder an ein Depot geliefert. Das Konzept hält seit einigen Jahren auch in der Zentralschweiz Einzug – inzwischen bieten im Kanton mehrere Produzenten solche Abos an. 

Seit Frühling gehören auch Sebastian und Cristina Ineichen Colantuoni dazu. Sie haben Anfang 2017 den Betrieb Mattli in Kastanienbaum übernommen. Rund 30 Kunden haben einen Korb von «Gmüesmattli» abonniert – sie erhalten jeden Samstagmorgen eine kleine oder grosse Papiertasche voller Lebensmittel an die Haustür geliefert. 

Vom Versuch zum kleinen Unternehmen

Dass das Geschäft auf Anklang stösst, zeigt die Entwicklung der Zentralschweizer Pioniere auf diesem Gebiet, Albert und Rita Portmann von Mooshof in Adligenswil. Sie haben 2011 das erste Gemüse-Abonnement in der Region angeboten. Angefangen mit zehn Kunden liefern sie inzwischen 150 Taschen pro Woche aus – rund die Hälfte direkt an die Haustür, die andere Hälfte an die drei Depots in Luzern. «Am Anfang war es nur ein Versuch – nun ist ein kleines Unternehmen daraus entstanden», sagt Albert Portmann. 

Der Betrieb Mattli von Sebastian und Cristina Colantuoni-Ineichen in Kastanienbaum.

Der Betrieb Mattli von Sebastian und Cristina Colantuoni-Ineichen in Kastanienbaum.

(Bild: Jakob Ineichen)

Das Konzept der regionalen Vertragslandwirtschaft bietet den Bauern einige Vorteile. Sie haben fixe Abnehmer, keine Kosten für den Zwischenhandel und den direkten Kundenkontakt. Oder wie Cristina Colantuoni es zusammenfasst: «Das Abosystem ermöglicht uns, unser Angebot besser zu planen, und bietet uns etwas finanzielle Sicherheit.» Zudem könne man so die Kunden am Geschehen auf dem Betrieb teilhaben lassen. 

Die Konsumenten auf der anderen Seite erfahren, woher ihre Produkte kommen. Und das ist bekanntlich gerade auch vielen Städtern immer wichtiger. Wer am Samstag über den Luzerner Wochenmarkt schlendert, weiss, wovon die Rede ist.

Trotz Marktboom bleibt Wachstum gering

Die Abo-Zahlen in der Zentralschweiz wachsen – halten sich aber trotz des Booms von regionaler und saisonaler Bio-Küche in Grenzen. «Zwischen regionaler Vertragslandwirtschaft und einem Wochenmarkt gibt es aber grosse Unterschiede», sagt Sebastian Ineichen aus Kastanienbaum. Er glaubt, dass etliche Konsumenten, die den Wochenmarkt besuchen, sich vor der Verbindlichkeit scheuen, die ein Abonnement mit sich bringt. «Viele schätzen sicher auch einfach das Erlebnis und die Atmosphäre auf dem Markt.» Für die Bauern sei aber vor allem ein «zuverlässiger, berechenbarer Absatz sehr wichtig».

Was kostet ein Abo?

Der «Gmüeschorb» vom Mooshof in Adligenswil kostet 22.50 Franken. Er ist für zwei bis vier Personen und wird an eines von drei Depots geliefert. Bei der Hauslieferung kann man aus drei Grössen wählen, was zwischen 14 und 30 Franken kostet – plus die 3 Franken für den Lieferdienst. 

Bei «Gmüesmattli» in Kastanienbaum kostet das kleine Gemüse-Abo 20 Franken pro Woche, das grosse Abo 28 Franken. Inbegriffen sind die 2 Franken pro Lieferung. 

Die Preise richten sich bei beiden Betrieben nach den Richtwerten für die Direktvermarktung von Bio Suisse. Die Kosten für die Abos basieren also auf einer Mischrechnung.

Wer ein Abo löst, muss regelmässig die Lieferungen im Depot abholen oder zu Hause entgegennehmen. Den eigenen Alltag diesem Rhythmus anzupassen, beliebt nicht allen. Das hört auch Albert Portmann vom Bio-Mooshof in Adligenswil ab und zu – er bietet deshalb seit einigen Jahren die Hauslieferung an, die jeweils mit drei Franken zu Buche schlägt. Man müsse aber nicht zwingend zu Hause sein, halten beide Produzenten fest.

Nur Kohl? Nein danke

Vom Abo abhalten dürften wohl viele die eingeschränkte Auswahl. Denn in der Regel entscheidet der Bauer, was im Korb landet. Und im Winter – wer hat im Januar mal in der Gemüseabteilung saisonale Produkte gesucht? – bietet der schweizerische Garten nur wenig Abwechslung. Für Abonnenten von Gemüsekörben gilt also der Spruch: Es wird gegessen, was auf den Tisch beziehungsweise in die Papiertasche kommt. 

«Teil des Konzepts ist ja, dass es immer wieder Überraschungen gibt.»

Sebastian Ineichen, Gemüsebauer aus Kastanienbaum

«Das ist tatsächlich eine Knacknuss», sagen Sebastian und Cristina Ineichen Colantuoni. Die beiden wollen sich dem Bedürfnis nach Mitbestimmung nicht ganz verschliessen. «Ein paar wenige Spezialwünsche erfüllen wir, es wird aber sehr schnell sehr aufwendig. Teil des Konzepts ist ja, dass es immer wieder Überraschungen gibt.»

Wie bei Albert Portmann, seiner Kohlrübe und dem schwarzen Rettich. Was kocht man damit? Das dürfte auch manch versiertem Veganer nicht sofort klar sein. Regelmässig zeigt Portmann den Kunden daher passende Rezept. Rettich-Kohlrüben-Salat mit Äpfeln, zum Beispiel. Das sei Teil des Marketings. Und das brauche es. «Ja, im Winter gibt es halt viel Kohl.»

Nur noch Grundstock fix – Rest wählbar

Deshalb wollen er und seine Frau nun einen Schritt weiter gehen. Neu sollen Kunden mit Abo nur noch ein Grundsortiment fix zugeteilt erhalten – und den Rest online selber dazubestellen können. «Das ist sozusagen die bequeme Komfortvariante», sagt Portmann, der diese im Verlauf des nächsten Jahres zu lancieren beabsichtigt. 

Blick in die Tüten: Jene für den mittleren Haushalt à 22 Franken (links) sowie für den Kleinhaushalt à 14 Franken (rechts).

Blick in die Tüten: Jene für den mittleren Haushalt à 22 Franken (links) sowie für den Kleinhaushalt à 14 Franken (rechts).

(Bild: jal)

Albert Portmann ist überzeugt, dass der Trend hin zu saisonalen und regionalen Bio-Produkten weiter anhält – und damit auch der Kreis seiner Kunden für Gemüse-Abos steigt – trotz neuer Konkurrenz. «In der Zentralschweiz ist die Nachfrage noch immer grösser als das Angebot», sagt Portmann, der für die «Gmüeschörb» sogar eine Warteliste führt. Sein Betrieb setzt bewusst auf ein langsames Wachstum. «Jeder Schritt von 50 weiteren Körben muss gut koordiniert werden, denn da steckt viel Arbeit dahinter.» 

Auch die Familie Ineichen in Kastanienbaum glaubt an das Potenzial. Auf nächste Saison hin will Ineichen auf mehr Fläche Gemüse anbauen, um zusätzliche Abos anbieten zu können. Doch auch die Jungbauern gehen das Ganze in kleinen Schritten an. «Vielleicht musste die Zeit einfach noch etwas reifen.»

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