Gemeinsam statt einsam
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Der Spieltreff, der gleichzeitig ein Laden ist: Im GamePlace gibt’s alles rund ums Thema Spiele. (Bild: aka)

Luzerner Treffpunkt für Spiel-Freaks Gemeinsam statt einsam

3 min Lesezeit 03.12.2015, 12:00 Uhr

Nebst all den Annehmlichkeiten, die uns das Internet beschert, gibt es auch die Kehrseite. Die digitale Welt mache uns asozial, heisst es, man starre lieber in seinen Bildschirm, als sich mit anderen zu unterhalten. Der «GamePlace» in Luzern gibt mit einem ungewöhnlichen Konzept kräftig Gegensteuer.

Licht flutet durch die Fensterscheiben des kleinen Ladens an der Neustadtstrasse 8 hinaus auf den Gehsteig. Neugierige Passanten bleiben stehen und erhaschen einen Blick ins Innere: Vier lange Tischreihen, an denen rund 15 bis 20 in sich versunkene Gestalten sitzen. Lange Regale stehen an den Wänden zu beiden Seiten, vollbepackt mit bunten Schachteln. Was geht hier vor sich?


Gaming der alten Schule

«GamePlace – Home of Gaming» steht auf einem schlichten Plakat an der Eingangstür. Beim Wort «Gaming» denkt man zuerst an Spielkonsolen und Computergames, an «Mario Kart» und «World of Warcraft». Doch der GamePlace ist genau das Gegenteil. Auch wenn sich seit einiger Zeit eine Playstation im Geschäft befindet, haben die beiden Luzerner Inhaber der Digitalisierung den Kampf angesagt. Im GamePlace wird sehr wohl gespielt, jedoch meist mit Karten, Brettspielen und Würfeln.

«Gamen macht viel mehr Spass, wenn man die Reaktionen des Gegenübers sieht.»

Sandro Carlucci, GamePlace

«Das Online-Gaming ist zwar immer noch aktuell, aber man sucht auch wieder vermehrt den Weg in die analoge Spielewelt», sagt Sandro Carlucci, 31-jährig. Seit rund fünf Monaten betreibt er zusammen mit dem 28-jährigen Rafael Boog den Spieltreff an der Neustadtstrasse. Davor waren sie mit dem GamePlace in der Gewerbehalle und in der Mobile Box zu Hause. Das digitale Gaming boome zwar nach wie vor, erklärt Carlucci, aber es entwickle sich zunehmend in Richtung Team-Playing. «Der kompetitive Charakter ist das, was Spielen ausmacht, und diesen findet man am besten in einer Gemeinschaft», sagt der Krienser. Im GamePlace finde man genau diese Gemeinschaft, analog und persönlich. 

Spieltreff und Laden in einem

Angefangen hat alles mit dem Sammelkartenspiel «Magic: The Gathering». Die beiden GamePlace-Inhaber lernten sich vor etwa vier Jahren in einem kleinen «Magic»-Treff in Luzern kennen. Die Betreiber jenes Treffs veranstalteten alle vier bis fünf Monate einen Spielabend – zu wenig, fanden Carlucci und Boog, und so entwickelte sich nach und nach der GamePlace. «Wir haben gemerkt, dass auch viele andere Spass daran haben», sagt Boog. Magic wurde bald durch weitere Spiele ergänzt – «Yu-Gi-Oh!», aber auch Klassiker wie Jass und Schach. «Online-Games kann jeder zu Hause vor seinem Computer zocken. Hier trifft man sich, um gemeinsam zu spielen. Es macht viel mehr Spass, wenn man die Reaktionen des Gegenübers sieht», erklärt sich Carlucci die Anziehungskraft des GamePlaces.

Das Spielen kostet nichts. Der GamePlace finanziert sich hauptsächlich durch den Laden. «Bei uns kann man alles kaufen, was mit Spielen zu tun hat», sagt Sandro Carlucci nicht ohne Stolz. Die beiden Magic-Fans organisieren auch Turniere; die Teilnahme kostet unter der Woche sieben und an den Wochenenden 20 bis 30 Franken. Bis zu 30 Spieler messen sich jeweils an diesen Turnieren, die meisten davon sind zwischen 13 und 25 Jahre alt. Die klassischen Geeks? Die meisten Spieler seien männlich, sagen die beiden GamePlace-Inhaber schmunzelnd.

«Wir sind sieben Tage die Woche hier.»

Sandro Carlucci, GamePlace

Nicht mehr lange an der Neustadtstrasse

Der GamePlace entwickelt sich laufend. Dabei gehen Carlucci und Boog auch immer gerne auf Inputs ihrer Kundschaft ein. «Die Konsole zum Beispiel haben wir uns angeschafft, weil mehrere Besucher sie vorgeschlagen haben», sagt Carlucci. Darauf werden aber nur Partyspiele gezockt; Spiele also, die vor allem in der Gesellschaft der Mitspieler Spass machen.

Sandro Carlucci hat in einem Sushi-Restaurant gearbeitet und Rafael Boog war Student, bevor sie vor etwas mehr als einem Jahr sprichwörtlich alles auf eine Karte gesetzt und den GamePlace ins Leben gerufen haben. Die beiden investieren viel: «Wir sind sieben Tage die Woche hier», sagt Carlucci. Doch im September nächsten Jahres läuft der Mietvertrag an der Neustadtstrasse aus. Wo es mit dem GamePlace dann weitergeht, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass er fortbestehen wird. Rafael Boog ist zuversichtlich: «So ein Laden, wie wir ihn betreiben, der gleichzeitig ein Spieltreff ist, ist einzigartig in der Region.»

 

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