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Gemeinde stoppt Kaffeemobil – Busse gibt’s obendrauf
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Paul Binkert, einer der beiden Initianten von Caffè per Me, die den Betrieb einstellen mussten. (Bild: lef)

Pilotversuch in Rotkreuz geht abrupt zu Ende Gemeinde stoppt Kaffeemobil – Busse gibt’s obendrauf

4 min Lesezeit 1 Kommentar 28.01.2019, 18:28 Uhr

Seit Anfang Dezember stand auf der Nordseite des Bahnhofs Rotkreuz ein dreirädriges Kaffeemobil. Die Pendler konnten sich dort mit ihrem morgendlichen Kaffee verpflegen – per App bestellt und ohne Wartezeit. Nun musste der Betrieb aufgrund fehlender Bewilligung eingestellt werden. 

Seit vergangenem Freitag hoffen die Pendler in Rotkreuz vergebens auf ihren Koffeinschub. Denn am Donnerstag wurde der Betrieb des Kaffeemobils von Caffè per Me am Bahnhof Rotkreuz eingestellt. Die Gemeinde sprach sich gegen den Verkauf in der Begegnungszone aus und beendete das Pilotprojekt somit vorzeitig.

Kaffee übers Handy bestellen, bezahlen und ohne Wartezeit abholen. Das Konzept zweier Unternehmer schien gut anzukommen (zentralplus berichtete). Nun muss das dreirädrige Kaffeemobil wieder in die Garage.

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Am Donnerstagabend schreiben die Betreiber in einer Mitteilung: «Unerwartet hat die Gemeinde Risch-Rotkreuz in den vergangenen Wochen eine ablehnende Haltung zu unserem Standort am Bahnhof Nord eingenommen.» Es sei den Barista nicht mehr erlaubt, in der Begegnungszone ihren Kaffee anzubieten. Der Versuch, mit den Behörden das Gespräch zu suchen, blieb erfolglos.

Busse für «Parkieren in einer Begegnungszone»

«Wir haben am vergangenen Mittwoch eine Mail von der Gemeinde erhalten, in der uns der Verkauf unter Androhung von Konsequenzen untersagt wurde», sagt Benno Stäheli, einer der Initianten des Kaffeemobils. Da man die Kunden nicht mehr rechtzeitig informieren konnte, hätte man sich jedoch spontan dazu entschieden, den Verkauf noch bis Ende Woche weiterzuführen.

Benno Stäheli (links) und Paul Binkert (rechts) sind die Initianten von Caffè per Me.

Benno Stäheli (links) und Paul Binkert (rechts) sind die Initianten von Caffè per Me.

(Bild: zvg)

Dies führte dazu, dass die Betreiber einen Tag später eine Busse für «Parkieren in einer Begegnungszone» von einer Polizeipatrouille erhalten haben. 40 Franken mussten die Unternehmer berappen. «Wir haben die Gemeinde immer informiert, was wir vorhaben und es war eigentlich von Anfang an klar, dass wir mit unserem Mobil auf der Nordseite des Bahnhofs stehen werden», sagt Stäheli gegenüber zentralplus.

Missinterpretation führte zu Missverständnis

Die Gemeinde Risch begründet ihren Entscheid mit rechtlichen Argumenten: «Grundsätzlich ist es so, dass für eine regelmässige Nutzung von öffentlichem Grund eine Bewilligung nötig ist.» Diese wurde aber nie ausgesprochen, erklärt Patrik Birri, Abteilungsleiter Planung/Bau/Sicherheit. Der Betreiber wurde angeblich bereits vor einer Begehung des Standorts darauf aufmerksam gemacht, dass eine Bewilligung nötig sei.

«Beim nächsten Mal werden wir dreifach nachfragen.»

Benno Stäheli, Initiant von Caffè per Me

Genau da sei das Missverständnis entstanden, sagt Stäheli. «Wir haben per Mail eine Erlaubnis für den Verkauf und Pläne erhalten, auf denen der öffentliche Raum eingezeichnet ist.» Daraus hätte man interpretiert, dass es keine weitere Bewilligung für den Standort brauche – ein Missverständnis. «Beim nächsten Mal werden wir dreifach nachfragen», meint Stäheli.

Zugang zu Behindertenparkplätzen

Doch nicht nur das: Die Gemeinde argumentiert weiter, dass der eingeschränkte Zugang zweier Behindertenparkplätze ein zusätzlicher Grund für das Verbot sei. Der Standort sei aus diesem Grund «verkehrstechnisch unzulässig».

Stäheli bestreitet den Vorwurf: «Der Zugang zu den Behindertenparkplätzen wurde von uns nie eingeschränkt.» Darauf hätten die Betreiber geschaut, auch bei der Begehung, als ein Vertreter der Gemeinde anwesend war.

Kein geeigneter Alternativstandort in Rotkreuz

Eine Alternative wäre auf der Südseite des Bahnhofs. Das Problem mit der «Verkehrsuntauglichkeit» gäbe es dort nicht, schreibt die Gemeinde. Stäheli schliesst dies aber aus: «Dort ist die Frequenz zu niedrig, es gibt zu wenig Kundenkontakt.»

«Wir wussten, dass wir uns mit dem Standort nicht nur Freunde machen.»

Benno Stäheli, Initiant von Caffè per Me

Neben der Nordseite des Bahnhofs verkauften die Barista ihren Kaffee auch in der Suurstoffi und im Industriequartier. Diese Standorte könnten den Verkauf am Bahnhof jedoch nicht ersetzen, meint Stäheli. «Das Konzept ist ja auch für Pendler entwickelt worden, die ihren Kaffee auf dem Weg zur Arbeit konsumieren.»

Bei der Gemeinde und Polizei wurde reklamiert

Nun stellt sich zudem heraus, dass sowohl bei der Gemeinde wie auch bei der Zuger Polizei Reklamationen eingegangen sind, wie die zuständige gemeindliche Abteilung bestätigt. Zum Inhalt der Reklamationen wurden keine Details genannt. Stäheli meint: «Wir wussten, dass wir uns mit dem Standort nicht nur Freunde machen.» Auf der Nordseite des Bahnhofs befindet sich nämlich auch eine Bäckerei und ein Hotel.

Es hätten sich auch vereinzelt Passanten negativ geäussert, auch wenn das selten vorkam. «Mit solchen Reaktionen muss man rechnen», sagt Stäheli, «aber diese Erfahrungen gehören auch zu einem Pilotversuch dazu.» Das Konzept werde in Zukunft weitergeführt, auch wenn die Standorte noch nicht feststehen.

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1 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 29.01.2019, 14:22 Uhr

    Das ist also die vielgepriesene freie Marktwirtschaft, die mantra-artig ihren Wahlspruch herunterbetet, dass Konkurrenz das Geschäft belebe: taucht aber dann Konkurrenz auf, so wird sie von den Platzhirschen unter Zuhilfenahme des ansonsten verhassten Staates weggebissen.