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Gemeinde Kriens kriegt bei Andritz keinen Fuss in die Tür
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Nun ist klar, wer auf das Andritz-Areal in Kriens kommt: Die Logis Suisse AG baut dort 450 günstige Wohnungen. (Bild: Andritz)

Verkauf des Fabrik-Areals im Krienser Zentrum Gemeinde Kriens kriegt bei Andritz keinen Fuss in die Tür

3 min Lesezeit 21.05.2017, 09:52 Uhr

Die Firma Andritz Hydro will der Gemeinde Kriens nichts von ihrem Industrieareal im Zentrum von Kriens verkaufen. Und selbst wenn, wäre es viel zu teuer. Unklar ist, an wen Andritz das Gelände verkauft. Klar ist nur, dass es viele Diskussionen um eine Umnutzung und Zonenänderung geben wird.

Es ist bekannt: Ein Drittel des Areals im Krienser Zentrum, das einst der Maschinenfabrik Bell und nun der Firma Andritz Hydro gehört, liegt brach. Deshalb hatten Krienser Politiker im vergangenen Herbst die Idee entwickelt, die Gemeinde solle die 12’000 Quadratmeter erwerben und darauf zum Beispiel ein Handwerkzentrum realisieren.

Mittlerweile haben sich die Ereignisse überschlagen. Im Februar wurde bekannt, dass Andritz Hydro einen Käufer fürs ganze Areal sucht und schon Interessenten an der Angel hat. Für die Verwaltungsfunktionen und die Engineering-Abteilung will sich die Andritz Hydro beim neuen Besitzer einmieten, 200 bis 250 Arbeitsplätze sollten so langfristig in Kriens bleiben.

Kahlschlag bei Mitarbeitern im Blaumann

Vor zwei Wochen schliesslich wurde publik, dass die gesamte Produktion und auch die Service-Abteilung ausgelagert werden soll (zentralplus berichtete). Bei der Produktion handelt es sich um 80 Arbeitsplätze, die in frühestens fünf Jahren nach Deutschland verlagert werden. Für die Service-Abteilung sucht man ein Areal am Rand der Agglomeration – in einem Radius von 15 Kilometern. Die Gemeinde Kriens hat diesbezüglich Kontakte für einen möglichen neuen Standort vermittelt.

Nun geht der Gemeinderat dran, mit den verbliebenen politischen Vorstössen zu einem möglichen Arealkauf der Gemeinde aufzuräumen. Er will ein dringliches Postulat von SP-Fraktionschef Cla Büchi abschreiben. Eine entsprechende Begründung stellte die Gemeinde am Samstag aufs Extranet.

«Kein Interesse an einem Vertragsabschluss»

Interessant: Obwohl der Gemeinderat bei Andritz vorstellig wurde, war der österreichische Konzern nie an einem Deal mit Kriens interessiert. Es sei «kein Interesse an einem Vertragsabschluss mit der Gemeinde vorhanden». Zudem lägen auch die finanziellen Vorstellungen weit von dem entfernt, «was der Gemeinderat mit gutem Gewissen dem Parlament vorlegen könnte», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort aufs Postulat.

Wer das Areal erwerben wird, ist nach wie vor unklar. Auch der Krienser Gemeinderat, der es wissen muss, hält dicht. Gemäss der Postulatsantwort musste der künftige Eigentümer des Areals aber bereits im Februar der Firma Andritz Hydro sein Vermietungs- und Kaufangebot unterbreiten. Unter Dach und Fach gebracht werden soll der Verkauf noch «im ersten Halbjahr 2017» – also im Moment.

Künftiger Eigentümer hat seine Pläne gemacht 

Zurzeit laufen ein Wettbewerb sowie ein Entwicklungskonzept über die Einbettung des Areals in die Zentrumszone. Resultate werden im Dezember vorliegen. Offenbar unterstützt der geheimnisvolle Investor dieses Verfahren. Laut Gemeinderat habe er «interessante Vorstellungen für die zukünftige Nutzung des Areals», welche auch gemeinnützigen Wohnungsbau umfassen würden.

Andritz Hydro ist die Rechtsnachfolgerin der Maschinenbaufirma Bell – und die steht für industrielle Tradition am Fusse des Pilatus seit 1855. Hier ein Schild aus einem Kraftwerk in Littau.

Andritz Hydro ist die Rechtsnachfolgerin der Maschinenbaufirma Bell – und die steht für industrielle Tradition am Fusse des Pilatus seit 1855. Hier ein Schild aus einem Kraftwerk in Littau.

(Bild: pechristener / wikimedia)

Man darf auf die künftige Entwicklung in Kriens gespannt sein. Denn das Areal liegt in der Arbeitszone und es ist sehr ungewöhnlich, dass ein solches zur Umnutzung bestimmtes Gelände vor einer Umzonung verkauft wird. Gemeindepräsident Cyrill Wiget hatte in der Vergangenheit Sätze gesagt wie: «Es gibt kein Recht auf Umzonung». Dies, obwohl jedermann klar ist, dass es mindestens auf einem Teil des Geländes zu einer gemischten Nutzung kommen wird.

Krienser Gemeinderat im Sandwich der Interessen

Zudem steht die Krienser Gemeinderegierung unter dem Druck ihres Parlaments. Der Einwohnerrat wirft ihr eine zu nachgiebige Haltung gegenüber Andritz vor. Sie verteidige die Industriearbeitsplätze in Kriens zu wenig energisch, heisst es. Immerhin besteht die Befürchtung, dass die Auslagerung von Produktion und Service erst der Anfang ist und Andritz Hydro irgendwann ganz aus Kriens abziehen wird. Die nun öffentlich gewordene Tatsache, dass der österreichische Konzern den Krienser Gemeinderat in Sachen Landkauf kaltschnäuzig links liegen gelassen hat, ist nicht geeignet, diese Ansicht zu widerlegen.

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